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Erfahrung mit Wir kaufen deinen Flug: Kundenbewertung, Provision & Bezahldauer

Posted by Jacob Weizmann on
Erfahrung mit Wir kaufen deinen Flug: Kundenbewertung, Provision & Bezahldauer

Erfahrung mit Wir kaufen deinen Flug haben mittlerweile etliche Flugreisende gemacht. Schließlich bietet die Plattform Fluggästen bei Ausfall oder Verspätung bereits seit einigen Jahren so genannte Sofortentschädigungen. Bekannt wurde das Unternehmen als Pionier solcher Direktleistungen. Mittlerweile bieten etliche Konkurrenten aber dasselbe. Gelangt ein Fluggast bei Wir kaufen deinen Flug also weiterhin am komfortabelsten zu seiner Entschädigung? Um dieser Frage nachzugehen, untersucht der Artikel detailliert den Service des Startups und die Erfahrung mit Wir kaufen deinen Flug, die Kunden bisher gesammelt haben.

Hierzu prüft der Beitrag,

  1. in welcher Höhe Wir kaufen deinen Flug seine Provision berechnet und welcher Entschädigungsbetrag dem Kunden verbleibt,
  2. wie lang sich die Verfahrensdauer bemisst, bis der Kunde seine Sofortentschädigung erhält,
  3. welcher Aufwand dem Kunden entsteht, um den Service zu beanspruchen,
  4. was Nutzer nach ihrer Erfahrung mit Wir kaufen deinen Flug häufig loben und was sie bemängeln (Betrachtung öffentlicher Kundenbewertungen).

Abhängig vom Abschneiden in den Einzelkategorien wird hiernach resümiert, welche Gesamtbewertung das Unternehmen verdient (5.). Eine Gegenüberstellung mit den übrigen deutschen Fluggastportalen findet sich übrigens hier.

1. Provision und Entschädigungshöhe

Art. 7 Abs. 1 FluggastrechteVO berechtigt Flugreisende bei erheblichen Flugunregelmäßigkeiten zu einer Ausgleichspauschale von

  • 250 Euro auf Kurzstrecken,
  • 400 Euro auf Mittelstrecken &
  • 600 Euro auf Langstrecken.

Verkauft man solche Forderungen an Wir kaufen deinen Flug, behält das Startup als Marge 35 % zzgl. Mwst. Effektiv behält das Unternehmen demnach über 40% der gesetzlichen Entschädigungshöhe; nur etwas mehr als die Hälfte verbleibt dem Fluggast. Unterm Strich erhält ein Kunde also eine Direktzahlung von

  • 145,88 € bei Kurzstreckenflügen,
  • 233,40 € bei Mittelstreckenflügen und
  • 350,10 € bei Langstreckenflügen.

Im Hinblick auf die Entschädigungshöhe belegt Wir kaufen deinen Flug somit im Vergleich zu Konkurrenten einen der hintersten Plätze. Gerade Inkasso-Portale, aber auch Sofortentschädiger wie Ersatz-Pilot zahlen Fluggästen hingegen deutlich mehr.

2. Verfahrensdauer

Wer schon Erfahrung mit Wir kaufen deinen Flug hat, weiß: Es handelt sich vor allem um einen Sofortentschädiger. Zwar stellt Wir kaufen deinen Flug alternativ auch Inkasso-Leistungen bereit und kooperiert mit Rechtsschutzversicherungen. Wie schon der Name andeutet, steht allerdings der Forderungskauf im Vordergrund des Geschäftsmodells: Für Kunden bedeutet das: Bei positiver Prüfung erhalten sie gegen Abtretung ihres Anspruchs unverzüglich eine Auszahlung. Das erspart die bei Inkasso-Verfahren übliche Wartezeit. Diese beträgt in der Regel einige Wochen bis Monate; manchmal dauert es aber sogar Jahre, bis eine Forderung gegen die Airline durchgesetzt ist.

Freilich heißt auch Sofortentschädigung nicht die sofortige Zahlung. Wie Wir kaufen deinen Flug vermutlich aus wettbewerbsrechtlichen Gründen klarstellen musste, folgt eine Zahlung häufig nicht schon binnen 24 Stunden nach der ersten Anspruchsprüfung auf der Website. Angewiesen wird eine Gutschrift vielmehr erst, wenn der Fluggast

  1. alle etwaigen Rückfragen von Wir kaufen deinen Flug beantwortet hat,
  2. alle von Wir kaufen deinen Flug angeforderten Unterlagen eingereicht hat &
  3. das Büro von Wir kaufen deinen Flug besetzt ist (nur werktags, nicht an Sonn- und Feiertagen).

De facto kommt es somit zu einer Auszahlung binnen einiger Tage. Im Vergleich zu Mitbewerbern ist das der Marktstandard aller Sofortentschädiger. Naturgemäß übertrifft dies die Verfahrensdauer von Inkasso-Portalen wie Flightright deutlich. Die Entschädigungsgeschwindigkeit ist also sicher kein Alleinstellungsmerkmal von Wir kaufen deinen Flug, aber ohne Frage ein Verkaufsargument.

3. Aufwand der Nutzer

Die Hürde für die Nutzung von Wir kaufen deinen Flug fällt denkbar niedrig aus. Kostenlos lässt sich eine Erstüberprüfung eines Entschädigungsanspruchs binnen weniger Minuten durchführen. Anders als bei der Selbstdurchsetzung muss der Kunde für nichts in Vorleistung treten – weder für die Tätigkeit von Wir kaufen deinen Flug noch für etwaige Anwaltsgebühren noch für Gerichtskosten. Stattdessen muss Wir kaufen deinen Flug die abgetretene Forderung auf eigene Kosten durchsetzen. Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass auch alle anderen Fluggastportale ihre Kunden von Aufwand und Kosten einer eigenständigen Rechtsverfolgung entbinden.

Anders als Inkasso-Portale erspart Wir kaufen deinen Flug Kunden zusätzlich die Beanspruchung über die Beauftragung hinaus. Ist die Sofortentschädigung einmal ausgezahlt, endet die Vertragsbeziehung bereits. Rückfragen schließen sich danach meistens nicht mehr an. Inkasso-Portale korrespondieren demgegenüber darüber hinaus meist noch während der Rechtsverfolgung gegen die Airline mit ihren Kunden – und sei es nur, um den aktuellen Verfahrensstand zu besprechen.

Verglichen mit anderen Fluggastportalen fällt nach unserer Erfahrung mit Wir kaufen deinen Flug das Online-Formular des Startups jedoch extrem schlicht aus. Einerseits vollzieht sich dadurch die Erstprüfung sehr schnell und benötigt nur 5 Minuten. Andererseits geschieht dies zum Preis der Vollständigkeit. Das bedeutet, dass Wir kaufen deinen Flug gezwungenermaßen in etlichen Verfahren Rückfragen stellen muss, um den Sachverhalt lückenlos aufzuarbeiten. Bis ein Antrag final bestätigt wird, kann es also durchaus zu einer längeren E-Mail-Korrespondenz im Nachgang der Online-Anfrage kommen.

Insgesamt begrenzt Wir kaufen deinen Flug den Aufwand der Nutzer überdurchschnittlich weit. Unkomplizierter verhelfen gleichwohl einige andere Fluggastportale zur Entschädigung, die über ein fortschrittlicheres Online-Formular verfügen. Wer hier punktet, haben wir im Vergleich der Anbieter dargestellt.

4.  Erfahrung mit Wir kaufen deinen Flug laut Kundenbewertungen

Wir kaufen deinen Flug berühmt sich, das komfortabelste Fluggastportal zu sein. Gerne betont man insbesondere die Auszahlungen in Rekordzeit. Aber wie zufrieden sind die Kunden? Auf dem Rezensionsportal Trustpilot erzielt das Unternehmen eine Gesamtbewertung von 9,5/10 Punkten (Stand: 23.07.2018). Insgesamt berichten dort mehr als 500 Kunden über ihre Erfahrung mit Wir kaufen deinen Flug. Außerdem erhielt das Startup bislang eine Handvoll Google Bewertungen. Sie verorten das Unternehmen im Schnitt bei ca. 3,5 von 5 Sternen.

Überwiegend wirken die Kunden sehr zufrieden mit der Leistung von Wir kaufen deinen Flug. Einige kritische Zwischenrufe sind dennoch zu vernehmen. Der Vergleich mit alternativen Anbieter zeigt vor diesem Hintergrund, dass Wir kaufen deinen Flug gegenüber der Konkurrenz einen mittleren Rang einnimmt. An einigen anderen Fluggastportalen hatten Kunden nämlich noch deutlich weniger zu bemängeln.

Das Feedback der Kunden von Wir kaufen deinen Flug analysieren wir im Folgenden detailliert.

Gute Erfahrungen

Zum einen erfreut Nutzer nachvollziehbarerweise das unkomplizierte Online-Formular und die kurze Auszahlungsdauer. Die geringe Wartezeit vermittelt einen von vielen geschätzten Komfort. Die Zuverlässigkeit und Geschwindigkeit der Sofortentschädigung kompensiert in den Augen der meisten Rezensenten die hohen Provisionen. Zudem rechtfertigt offenbar die Aufwandsersparnis bei der Rechtsverfolgung für viele den erhöhten Preis des Dienstes. Die Erfahrung mit Wir kaufen deinen Flug fällt daher im Gesamtbild häufig sehr positiv aus.

Ganz überwiegend gelingt es Wir kaufen deinen Flug zudem, die anfängliche Feststellung eines Anspruchs im Online-Formular rasch zu bestätigen und den versprochenen Betrag auszuzahlen. Kunden können insofern davon ausgehen, dass die erste Eingabe im Regelfall zu einer Zahlung führt.

Erfreulich finden Rezensenten ausweislich ihrer Erfahrung mit Wir kaufen deinen Flug zudem die Hilfsbereitschaft des Anbieters. So liest man teilweise davon, dass Wir kaufen deinen Flug Nutzer dabei unterstützt, ihre Vorfälle zu rekonstruieren, wo der genaue Sachverhalt unklar ist. Freilich verfolgt das Unternehmen hierbei auch ein Eigeninteresse, dient die Aufklärung der Flugunregelmäßigkeiten doch der Vorbereitung eines Geschäftsabschlusses.

Schlechte Erfahrungen

Kritik üben manche Kunden vor allem an den überdurchschnittlich hohen Provisionen von Wir kaufen deinen Flug. Mit Verweis auf Mitbewerber herrscht teilweise Unverständnis darüber, dass nur verhältnismäßig geringe Entschädigungsbeträge ausgezahlt werden.

Des Weiteren beanstanden diverse Kunden, dass Wir kaufen deinen Flug Fälle vorschnell ablehnt, bei denen eine langwierige gerichtliche Durchsetzung droht. Damit handelt sich das Unternehmen den Vorwurf ein, sich nur „Filetstücke“ herauszugreifen, bei denen Kunden auch eigenständig eine außergerichtliche Durchsetzung gelingen würde. In welchem Maße dies geschieht, lässt sich nicht abschließend beurteilen. Gleichwohl berichten mehrere Nutzer davon, dass Wir kaufen deinen Flug ihre Fälle abgelehnt hatte und diese schließlich ein anderes Fluggastportal erfolgreich übernahm. Teilweise berichten Kunden sogar davon, dass ihnen nach Ablehnung durch das Unternehmen sogar die eigenständige Durchsetzung gelang.

Auch monieren einige Nutzer von Wir kaufen deinen Flug, dass das Unternehmen erst nach mehrfachen Nachfragen feststellt, dass eigentlich kein Angebot zur Sofortentschädigung in Betracht kommt. Zum Ärgernis der Betroffenen erkennt die Online-Prüfung zu häufig eilfertig Entschädigungsansprüche, woraufhin die manuelle Prüfung das Gegenteil ergibt.

Verschiedenen Kundenbewertungen entnimmt man darüber hinaus die unzureichende Kritikfähigkeit von Wir kaufen deinen Flug. So versuchte das Portal nach Aussage mehrerer Kunden, sachlich geäußerte öffentliche Kritik zu unterbinden.

Zur Aussagekraft der Erfahrungsberichte

Es ist davon auszugehen, dass Wir kaufen deinen Flug seit Gründung mehr als einige hundert Sofortentschädigungen an Kunden geleistet hat. Somit bilden die öffentlichen Bewertungen nur einen Ausschnitt der Kundenmeinungen ab. Das wirft die Frage auf, welche Erfahrung mit Wir kaufen deinen Flug der Rest der Kundschaft gemacht hat. Hierzu fehlen mangels öffentlich zugänglicher Verlautbarungen naturgemäß konkrete Anhaltspunkte.

Richtig dürfte allerdings sein, dass die Betroffenen weder genug Begeisterung noch Frustration verspürten, um sich zu einer öffentlichen Rezension veranlasst zu sehen. Das spricht dafür, dass die allermeisten Nutzer mit dem Service von Wir kaufen deinen Flug relativ zufrieden waren.

5. Gesamtbewertung von Wir kaufen deinen Flug

Alles in allem fällt die Erfahrung mit Wir kaufen deinen Flug meines Erachtens mittelmäßig aus. Das Online-Formular von Wir kaufen deinen Flug ist zwar schnell ausgefüllt, erfasst Fälle aber nur lückenhaft und provoziert deshalb häufig Rückfragen. Ansonsten überbietet das Unternehmen Mitbewerber allenfalls bei der Geschwindigkeit der Auszahlung. Verglichen mit anderen Sofortentschädigern fallen die Kundenbewertungen hingegen unterdurchschnittlich aus. Vor allem aber ist die Entschädigungshöhe vergleichsweise niedrig angesetzt. Stellt man Wir kaufen deinen Flug Mitbewerbern gegenüber, belegt das Unternehmen daher einen hinteren Platz. Ehe sich Fluggäste für einen Dienst entscheiden, raten wir deshalb zu einem Blick auf unseren Abgleich aller deutschen Fluggastportale hier. Ansonsten geht es hier zur Website von Wir kaufen deinen Flug.

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Fairtravel: Für wen rechnet sich die Fluggastversicherung?

Posted by Jacob Weizmann on
Fairtravel: Für wen rechnet sich die Fluggastversicherung?

Das Legal Tech Unternehmen Fairplane hat vor einigen Wochen ein neues Produkt vorgestellt: Fairtravel. Für eine jährliche Gebühr verspricht Fairplane, bei entschädigungsberechtigenden Flugunregelmäßigkeiten den Anspruch eines Kunden ohne Einbehalt einer Provision durchzusetzen. Wir haben uns das Angebot näher angeschaut und geprüft, für wen es sich lohnt.

Funktionsweise von Fairtravel

Fairtravel ist im Grunde eine Rechtsschutzversicherung mit sehr kleinem Anwendungskreis. Sie greift nur bei einer einzigen Art von Rechtsstreitigkeiten, nämlich solche über einen Entschädigungsanspruch nach Art. 7 Abs. 1 FluggastrechteVO bei über dreistündigen Verspätungen oder Flugausfällen.

Hier übernimmt Fairtravel vollständig die Kosten der Rechtsverfolgung für betroffene Anspruchsinhaber – sie zahlen weder Anwalts- und Gerichtsgebühren noch die ansonsten übliche Erfolgsprovision von Fairplane. Setzt Fairplane ihre Forderung gegen eine Fluggesellschaft durch, erhalten sie diese in voller Höhe ausgezahlt. Ohne die Versicherung behielte das Fluggastportal jeweils 24,5 % zzgl. Mehrwertsteuer ein (das reguläre Geschäftsmodell von Fairplane haben wir hier untersucht).

Effektiv verbleiben dem Passagier ohne Versicherung also im Falle eines Ausgleichsanspruchs ca. 70% der Erstattungszahlung ohne Versicherung und volle 100% mit. Bei einem Mittelstreckenflug beträgt die Differenz immerhin 120 €: 280 € zahlt Fairplane unversicherten Kunden, 400 € ist ihr Anspruch insgesamt wert.

Um hiervon im Falle einer Flugunregelmäßigkeit zu profitieren, bezahlt ein Fairtravel-Nutzer jährlich knapp 10 Euro Versicherungsgebühr an Fairplane.

Einschränkungen

Zu bedenken ist aber, dass die Versicherung die 100%ige Entschädigung keineswegs in allen Konstellationen sichert. Sie gilt zunächst einmal nur für solche Verspätungen oder Flugausfälle, bei denen Fairplane eine Entschädigungsberechtigung bejaht. Hält das Fluggastportal die Erfolgsaussichten für zu gering, bleibt das Unternehmen untätig und der Fluggast geht leer aus. Unklar ist zwar, ob bei Versicherten extra kritisch geprüft wird, ob ein gewisser Flug als „Versicherungsfall“ gilt. In jedem Fall darf ein Fairtravel-Kunde nicht damit rechnen, dass er für alle über dreistündigen Verspätungen und Annullierungen eine Ersatzzahlung erhält.

Denn häufig genug entbindet z.B. höhere Gewalt oder ein anderer Entschuldigungsgrund die Airline von ihrer Zahlungspflicht – in solchen Situationen lässt sich folglich keine Entschädigung erstreiten – weder in Höhe von 70% noch in Höhe von 100%. Hier bringt die Versicherung also jeweils nichts – außer natürlich die Kosten, die jährlich so oder so anfallen. Darin besteht die grundlegende Beschränkung jedweder Rechtsschutzversicherung: Fehlen dem Versicherungsnehmer werthaltige Forderungen, die sich höchstwahrscheinlich durchsetzen lassen, geht auch die Versicherung kein Risiko ein und übernimmt keine Verfahrenskosten.

Zudem zieht Fairplane in seiner Versicherungspolice eine weitere Einschränkung ein. Der Fluggast kann jährlich nur zwei Versicherungsfälle geltend machen. Auch wo auf Flügen eine Entschädigungsberechtigung besteht, muss Fairplane also nur zweimal jährlich Ansprüche für einen Fluggast provisionsfrei verfolgen. Erleidet der Betroffene häufiger Vorfälle, kann er Fairplane nur für die übliche Erfolgsprovision beauftragen. Hinzu kommt, dass der Versicherungsnehmer in den zwei abgedeckten Fällen immer nur die Provision für die Durchsetzung seines eigenen Anspruchs erspart, nicht etwa für die zugunsten mitreisender Familienangehörige.

Ab wann rentiert sich die Versicherung?

Es ist fest damit zu rechnen, dass Fairplane Fairtravel vor allem Kunden ans Herz legt, die sich bereits wegen einer anderen entschädigungsberechtigenden Flugunregelmäßigkeit an das Unternehmen gewandt haben. Sie dürften sich angesichts ihrer eigenen bisherigen Erfahrung am leichtesten für das Versicherungsprodukt begeistern lassen: Denn im ersten eingereichten unversicherten Fall hatten sie noch die volle Provision von ihrer Ausgleichszahlung abzuziehen, mit der Versicherung sind es dann nur noch 10 Euro – wenn der nächste Vorfall nicht auf sich warten lässt.

Die meisten Flugreisenden müssen allerdings lange auf den nächsten entschädigungsberechtigenden Flug warten (zum Glück). Denn einfache Verspätungen mögen in der Luftfahrt zwar ein Alltagsphänomen bilden; entschädigungsberechtigende Flugunregelmäßigkeiten bleiben dennoch die krasse Ausnahme. Bei den meisten europäischen Airlines fallen nämlich nur 2-3% der Flüge aus oder verspäten sich um mehr als drei Stunden. Und auch hierfür ist meistens höhere Gewalt verantwortlich, bei der eine Fluggesellschaft nicht zur Ausgleichszahlung verpflichtet ist. Ursache Nummer 1 für Annullierungen und erhebliche Verspätungen sind sicherheitsgefährdende Unwetter. Ebenfalls häufig treten Probleme der Flugsicherheit auf – etwa durch Störungen des Flugleitsystems oder Streiks der Fluglotsen.

Im Ergebnis gehen vermutlich nur 10-20 % hinreichend erheblicher Flugunregelmäßigkeiten auf das Konto von Gründen, die eine Airline beherrschen könnte – also zum Beispiel technische Defekte oder Crewerkrankungen. Und nur hier lässt sich mit Erfolg ein Entschädigungsanspruch geltend machen.

Rechenbeispiele

Unterm Strich tritt also im Schnitt auf höchstens jedem 200. Flug eine Flugunregelmäßigkeit auf, die Passagiere tatsächlich zur Ausgleichszahlung berechtigt. Erst wer also 200-mal im Jahr fliegt, dem wiederfährt ein Versicherungsfall im Sinne von Fairtravel jährlich. Er würde dank der Versicherung jährlich einmal Fairplanes Provision sparen, also auf der Kurzstrecke 75 €, auf der Mittelstrecke 120 € und auf der Langstrecke 180 €, im Schnitt 125 €. Da dem nur 10 € Versicherungsgebühr gegenüberstehen, lohnt sich für solche Vielflieger Fairtravel.

Bei 100 Flügen im Jahr bzw. zwei pro Woche könnte ein Fluggast immerhin durchschnittlich alle zwei Jahre einen Versicherungsfall einreichen und dann die Provision ersparen – ausgehend von den obigen Werten also 62,50 € pro Jahr.

Schon bei „nur“ 16 Flügen im Jahr kommen Versicherungsfälle jedoch so selten vor, dass das voraussichtliche Provisionsersparnis die Versicherungsgebühr nicht mehr aufwiegt. Wer weniger fliegt, für den ist Fairtravel nur eine weitere Versicherung, die so selten gebraucht wird, dass sie sich nicht wirklich rechnet.

Fazit zu Fairtravel

Wem Fairplanes Provision also zu hoch ist, der profitiert außer als Vielflieger nicht von Fairtravel.

Wer seine Entschädigungsforderung komfortabel verfolgen will, aber möglichst ohne hohe Provisionen, sollte sich alternativ einmal die Mitbewerber von Fairplane ansehen. Sie verlangen zuweilen geringere Provisionen. Überdies zahlen sie die Entschädigungssumme teilweise sogar direkt aus, statt Kunden bis zur Durchsetzung gegen die Airline zu vertrösten. Einen Gesamtvergleich haben wir hier vorgenommen. Außerdem haben wir hier den Service von Fairplane in Perspektive zu dem von Konkurrenten gesetzt.

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Wie viel Fluggastentschädigung erhält man tatsächlich?

Posted by Jacob Weizmann on
Wie viel Fluggastentschädigung erhält man tatsächlich?

Wie viel Fluggastentschädigung bei über dreistündiger Verspätung jedem Passagier gezahlt wird, ist vermeintlich leicht beantwortet. 250 € auf der Kurzstrecke, 400 € auf der Mittelstrecke und 600 € auf der Langstrecke. So will es die FluggastrechteVO, die den Anspruch von Passagieren auf ihre pauschale Fluggastentschädigung regelt. So behaupten es auch sämtliche schon bestehenden Fluggastportale, wenn man die Suchmaschine dazu befragt, wie viel Fluggastentschädigung einem Betroffenen zusteht. Damit scheint die Sache doch schon geklärt. Oder?

Jain. Denn was die FluggastrechteVO regelt und womit andere Fluggastportale werben, ist zunächst nur der Betrag einer Fluggastentschädigung, der de jure gefordert werden kann. Sprich: Ja soviel muss die Airline zahlen, um ihrer gesetzlichen Verpflichtung nachzukommen. Aber damit ist nicht gesagt, wann sie zahlt und ob überhaupt. Im Volksmund heißt es, Recht zu haben bedeute nicht automatisch Recht zu kriegen. Und genau so verhält es sich zumindest bei Fluggastrechten.

Würde es wirklich keinen Aufwand kosten, als Fluggast seine Entschädigung in voller Höhe einzufordern, gäbe es all die Fluggastportale gar nicht. Ihr Erfolg erklärt sich zu einem Gutteil daraus, dass es sich für die meisten Fluggäste tatsächlich lohnt, ihre Fluggastentschädigung zwar nicht in voller Höhe zu erhalten, dafür aber die Mühen mit der Durchsetzung ihrer Forderung einzusparen. Das lässt sich an folgendem Rechenbeispiel verdeutlichen.

Rechenbeispiel: Wie viel Fluggastentschädigung erhalte ich, wenn ich die Forderung selbst durchsetze?

Nehmen wir an, auf einem Mittelstreckenflug erleidet ein Fluggast eine vierstündige Verspätung, die alle Voraussetzungen für eine Ersatzzahlung erfüllt. Wie viel Fluggastentschädigung kann der Passagier laut FluggastrechteVO fordern? 400 €. Der Direktentschädiger Ersatz-Pilot zum Beispiel würde ihm hiervon unterm Strich 250 € bis 274 € direkt auszahlen. Sein einziger Aufwand bestünde darin, in fünf Minuten das Online-Formular auszufüllen. Will der Fluggast die Differenz von maximal 150 € behalten, muss er den Anspruch selbst durchsetzen. Das dauert natürlich nicht bloß fünf Minuten! Aber so manch einer denkt sich sicher, es wird schon nicht so aufwendig sein, dass es den Verzicht auf 126-150 € rechtfertigt. Um näherungsweise herauszufinden, ob das stimmt, muss man die aufzuwendende Lebenszeit zur Forderungsdurchsetzung mit dem Stundensatz des Fluggastes multiplizieren. Unterstellen wir, der Fluggast könnte pro Stunde alternativ 15 € netto verdienen.

Wie viel Zeit würde er zur Durchsetzung benötigen und welchem Gegenwert entspricht das? Erfahrungsgemäß ist folgendes Prozedere ein optimistisches Szenario:

Wie viel Fluggastentschädigung erhalten Selbstdurchsetzer im günstigen Fall?

Schritt 1: Recherche

Der Fluggast sichtet händisch seinen Fall und prüft, ob er überhaupt einen Anspruch hat. Dauer: 30 Minuten.

Schritt 2: Formulierung eines Aufforderungsschreibens

Als nächstes formuliert er ein Aufforderungsschreiben an die Airline. Durch entsprechende Google-Recherche findet er ggf. sogar eine für ihn ungefähr passende Vorlage, die er nur leicht umarbeiten muss. Bei ausländischen Airlines entsteht dann häufig noch zusätzlicher Aufwand für die Übersetzung, weil in der zuständigen Abteilung keine deutschsprachigen Mitarbeiter eingesetzt werden. Dauer: mindestens 30 Minuten.

Schritt 3: Versendung

Nun stellt sich die Frage: An welche Adresse muss das Aufforderungsschreiben geschickt werden? Das ist oft gar nicht so einfach zu beantworten. Denn meist findet sich auf der Website der Airline weder unmittelbar eine E-Mail-Adresse noch ein Kontaktformular. Dann bleibt nur der Weg durch ein mühseliges FAQ-System. Alternativ kann man natürlich auch an den Sitz der Airline einen Brief schicken. Aber auch das kostet seine Zeit – nebst Druckkosten und Briefmarke.

Noch komplizierter wird es bei so genannten Code-Sharing-Flügen. Verpflichtet ist hier nicht zwingend die Airline, bei der gebucht wurde. Aber auch die Uniform der Besatzung gibt nicht zwingend Aufschluss: Bei so genannten Wet Lease Vereinbarungen bleibt nämlich die beauftragende Airline in der Verantwortung. Wer also tatsächlich als ausführende Airline Anspruchsgegnerin gilt, erschließt sich oft erst nach vertiefter Recherche.

Dauer bis zur Versendung des Entschädigungsgesuchs: mindestens 30 Minuten.

Schritt 4: Erinnerung

Häufiger als nicht antwortet die Airline ohne erneute Nachfrage gar nicht oder sehr spät. Zur Begründung heißt es gern, die Aufforderung zur Fluggastentschädigung sei nicht von vorn herein an die zuständige Stelle geschickt worden. Wie sollte sie auch, wenn diese oftmals auf den Websites der Fluggesellschaften gar nicht vermerkt ist? Insofern wird zumeist mindestens eine Erinnerung nötig. Dauer: 30 Minuten.

Schritt 5: Erneute Aufforderung

Antwortet die Airline schließlich, sind zwei Reaktionsweisen typisch. Entweder die Fluggesellschaft bestreitet mit einer Standardformulierung ihre Zahlungspflicht. Das passiert regelmäßig bei weniger sorgfältig ausformulierten Entschädigungsgesuchen. Wer also nicht schon im ersten Schritt mindestens eine Stunde in die fehlerfreie Ausgestaltung der Aufforderung zur Fluggastentschädigung investiert, wird diese Zeit benötigen, um auf die Ablehnung der Airline zu erwidern. Dauer: mindestens eine Stunde.

Bis zu diesem Punkt hat der Fluggast in aller Regel bereits über 2,5 Stunden investiert. Das entspricht in unserem Beispiel einem Zeitwert von ca. 40 €.

Schritt 6: Wie viel Fluggastentschädigung gibt es am Ende?

Erst nach diesem Arbeitsaufwand wird die zweite Reaktionsweise der Airline wahrscheinlich. In der Tat bietet sie eine Entschädigung an. Nur eben nicht in voller Höhe. Stattdessen kalkuliert sie damit, dass der Passagier einer Vergleichszahlung von etwa 75 Prozent des Nennwerts seines Anspruchs auf Fluggastentschädigung zustimmt. In unserem Fall, auf einem Mittelstreckenflug, wären das 300 €. Das ist sicher mehr, als alle Entschädigungsanbieter zahlen. Gleichzeitig muss man bedenken, dass der Fluggast hierfür einen Aufwand im Gegenwert von 40 € investieren musste und bei einem höheren Stundensatz als 15 € sogar noch mehr.

Das heißt, das Mehr an Entschädigung bei der Selbstdurchsetzung relativiert sich sehr wahrscheinlich angesichts des Gegenwerts des erforderlichen Zeitaufwands. Dass ein Fluggastportal, insbesondere ein Direktentschädiger, Nerven und Wartezeit spart, ist dabei noch gar nicht eingepreist.

Wie viel Fluggastentschädigung bleibt Selbstdurchsetzern im ungünstigen Fall?

Vor allem muss man aber bedenken, dass der obige Ablauf ein günstiges Szenario darstellt. Ebenso gut ist denkbar, dass die Airline nicht einmal ein Vergleichsangebot unterbreitet und es auf die gerichtliche Konfrontation ankommen lässt. Dann waren die außergerichtlichen Mühen vollends vergebens. Verzichtet man weiterhin auf die Option einer Sofortentschädigung, bleibt dann nur die Option, einen Anwalt zu beauftragen.

Man kann das über Inkasso-Unternehmen wie Flightright tun. Hier zahlt man zwar nur im Erfolgsfall und hat kein Prozessrisiko. Gleichwohl muss man sich mit dem Gedanken anfreunden, dem Dienstleister mindestens 20, eher 25-30% des Nennwerts der Fluggastentschädigung plus Mehrwertsteuer als Provision zu überlassen. In unserem Beispiel des verspäteten Mittelstreckenflugs sind das knapp 150 €. Damit steht man nicht günstiger da, als wenn man sofort die direkte Entschädigung von Ersatz-Pilot gewählt hätte.

Alternativ kann der betroffene Passagier das Prozessrisiko eingehen, einen Anwalt beauftragen und in Vorkasse treten. Immerhin muss die Airline Anwalts- und Gerichtsgebühren tragen, sollte der Fluggast sich letztendlich durchsetzen. Auch seine Fluggastentschädigung erhielte der Fluggast in diesem Falle in voller Höhe. Im Beispiel wären es ganze 400 €. Also besteht zumindest bei einem Gerichtsverfahren mit vollem Prozessrisiko die Aussicht, die gesetzlich vorgesehene Fluggastentschädigung einzustreichen?

Ja. Aber um das so zu bejahen, muss man die Seite des Aufwands hierfür ausklammern. Denn die eigenen Mühen hören bei gerichtlicher Durchsetzung nicht schon dort auf, wo der Einzelne die Airline zunächst außergerichtlich selbst aufgefordert hat. Sie fangen mit Beauftragung eines Juristen erst so richtig an. Zunächst ist ein geeigneter Anwalt zu suchen und anschließend zu mandatieren. Hiernach ist ihm der Fall zu schildern, damit er eine Klageschrift fertigen kann. Auch sind Rückfragen keine Seltenheit. Zudem kann es vorkommen, dass der Fluggast persönlich zum Verhandlungstermin eines Gerichtsverfahrens geladen wird.

Für die allermeisten steht der nötige zeitliche Aufwand hierfür außer Verhältnis zu den 150 €, um die die Fluggastentschädigung die Direktzahlung eines Fluggastportals wie Ersatz-Pilot übertrifft.

Wie viel Fluggastentschädigung zahlen die verschiedenen Direktentschädiger?

Damit ist aber noch geklärt, welcher Anbieter Fluggästen den größten Anteil am Nennwert ihrer Fluggastentschädigung gewährt. Beantwortet haben wir diese Frage allerdings in einem anderen Beitrag, der sämtliche deutschsprachigen Fluggastportale miteinander vergleicht. Wer sich also (verständlicherweise) die Mühen einer Selbstdurchsetzung sparen möchte, erfährt dort, wer zurzeit die besten Konditionen für eine direkte Entschädigung bietet.

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Erfahrung mit Fairplane: Bezahldauer, Provision & Kundenbewertungen

Posted by Jacob Weizmann on
Erfahrung mit Fairplane: Bezahldauer, Provision & Kundenbewertungen

Etliche Reisende haben inzwischen Erfahrung mit Fairplane gemacht. Immerhin ist es eines der ältesten Fluggastportale, das Fluggästen bei Ausfall oder Verspätung zu einer Entschädigung verhilft. Mittlerweile bieten aber ebenso zahlreiche Konkurrenten vergleichbare Dienste. Hat Fairplane am Markt also noch die Nase vorn? Um eine Antwort hierauf zu finden, untersucht der Artikel den Service des Unternehmens in allen Einzelheiten und wertet die Erfahrung mit Fairplane aus, die Kunden bisher sammeln.

Dazu wird geprüft,

  1. wie viel Provision Fairplane für sich behält und welche Entschädigung unterm Strich ausgezahlt wird,
  2. wie lange Fairplanes Prozedere bis zur Auszahlung der Entschädigung dauert,
  3. welcher Aufwand einem Kunden entsteht, um den Dienst zu beanspruchen,
  4. was Kunden nach ihrer Erfahrung mit Fairplane vor allem schätzen und was ihnen negativ auffällt (umfassende Sichtung der Einträge auf Bewertungsportalen).

Auf dieser Grundlage ermittelt der Beitrag abschließend, wie sich Fairplane in der Gesamtbewertung schlägt (5.). Unseren Vergleich mit allen anderen Fluggastportalen finden Sie übrigens hier.

1. Provision und Entschädigungshöhe

Art. 7 Abs. 1 FluggastrechteVO verleiht Flugreisenden für erhebliche Flugunregelmäßigkeiten einen Anspruch auf

  • 250 € bei Flugdistanzen von unter 1.500 km,
  • 400 € auf Flugdistanzen bis 3.500 km und
  • 600 € auf Flugdistanzen von mehr als 3.500 km.

Setzt man solche Forderungen mit Fairplane durch, behält das Unternehmen davon für seine Dienste einschließlich Mehrwertsteuer 29 % als Provision. Unterm Strich erhält ein Kunde also

  • 177,50 € bei Kurzstreckenflügen,
  • 284 € bei Mittelstreckenflügen und
  • 426 € bei Langstreckenflügen.

Gleichwohl sind dies nur die Werte bei vollumfänglicher Durchsetzung eines Anspruchs. Gelingt es Fairplane nur, einen Vergleich mit der Airline zu schließen, bewegt sich der ausgezahlte Betrag darunter. Scheitert die erfolgreiche Verfolgung von Forderungen wie in ca. jedem 50. Verfahren vollends, geht der Fluggast sogar völlig leer aus.

Erwähnung verdient hinsichtlich der Provision noch eine Besonderheit Fairplanes. Das Portal bietet alternativ zu einem Abschlag auf die Entschädigung pro Vorkommnis eine Art Reiseversicherung. Statt der Provision im Einzelfall zahlen Fluggäste hier eine jährliche Pauschale -unabhängig davon, ob sie eine entschädigungsberechtigende Flugunregelmäßigkeit erleiden oder nicht. Wie das Vergütungsmodell genau ausgestaltet ist und für wen es sich lohnt, habe ich hier besprochen.

Im Hinblick auf die Höhe der Entschädigung rangiert Fairplane im Vergleich zu Konkurrenten eher auf einem vorderen Platz, allerdings nicht an der Spitze. Gerade von den Sofortentschädigern zahlen viele (aber nicht alle) erheblich weniger. Umgekehrt versprechen manche Fluggastportale sogar einige dutzend Euro mehr pro Anspruch.

2. Dauer des Verfahrens zur Entschädigung

Wer schon Erfahrung mit Fairplane hat, weiß: Das Fluggastportal agiert vornehmlich als Inkasso-Dienstleister. Seine Tätigkeit besteht weniger in einer Sofortentschädigung gegen Forderungsabtretung, sondern in der Verfolgung von Ansprüchen des Kunden. Infolgedessen überweist Fairplane eine Entschädigung erst, nachdem die Fluggesellschaft eine Forderung anerkannt und ausgeglichen hat. Abhängig von der Airline und der Lage des Einzelfalls unterscheiden sich die Auszahlungszeiten also deutlich. In manchen Konstellationen leisten Airlines zeitnah nach anfänglichen Aufforderungen. Leitet Fairplane den Beitrag zudem zügig weiter, beläuft sich die Wartezeit eines Kunden auf „bloß“ drei bis fünf Wochen zwischen Beauftragung Fairplanes und Zahlungseingang auf seinem Konto.

Das beschreibt jedoch den Best Case. Laut Kundenbewertungen ereignen sich daneben häufig Fälle, in denen Fairplane Anwälte hinzuziehen oder gar klagen muss.

Eine außergerichtliche Verfolgung des Anspruchs durch einen Anwalt dauert hierbei 1-3 Monate. Sie beginnt außerdem frühestens, sobald Fairplane sie für erforderlich halten muss. Andernfalls darf das Unternehmen einer Fluggesellschaft nämlich keine Anwaltskosten aufbürden, sondern hat sie eigenständig auszugleichen. Als notwendig gilt eine anwaltliche Rechtsverfolgung jedoch erst, nachdem eine Airline einer Zahlungsaufforderung ohne Anwalt nicht Folge leistet. Deren Frist muss also zunächst ablaufen und ggf. sogar eine Fristverlängerung, die die Airline zur Bearbeitung erbittet. Ist also ein Anwalt heranzuziehen, ergeben sich für Kunden effektiv Wartezeiten von 2-4 Monaten.

Bleibt die Fluggesellschaft weiterhin hartnäckig und lässt sie es auf ein Gerichtsverfahren ankommen, ist mehr Geduld gefragt. Auf welche genaue Dauer sich Fluggäste einstellen müssen, richtet sich danach, ob die verklagte Airline in Deutschland, im EU-Ausland oder einem Drittstaat angesiedelt ist. Gegen deutsche Airlines können Verfahren nämlich auf Deutsch geführt werden; ansonsten muss hingegen üblicherweise jeder Schriftsatz übersetzt werden. Das nimmt Zeit in Anspruch. Ziehen sich Prozesse gegen inländische Fluggesellschaften bis zur Zahlung in der Regel über 4-10 Monate, dauern sie gegen ausländische Airlines teilweise über Jahre. Kundenbewertungen erwähnen mitunter Gerichtsverfahren, in denen erst nach 2-3 Jahren ein Urteil ergeht.

Im Durchschnitt dauert die Auszahlung gemessen an der bisherigen Erfahrung mit Fairplane einige Monate. Damit belegt das Unternehmen im Vergleich mit Alternativanbietern einen hinteren Platz. Gerade Sofortentschädiger punkten hingegen dadurch, dass nach ihrem Geschäftsmodell binnen weniger Tage Zahlungen an die Kunden fließen.

3. Aufwand eines Kunden

Ein zentraler Pluspunkt der Erfahrung mit Fairplane gleich zu Beginn: Keinem Kunden entsteht ein Kostenrisiko. Man braucht also für keinen Teilschritt der Rechtsverfolgung in Vorleistung treten – weder für Fairplanes Aktivitäten noch für Anwaltskosten noch für Gerichtsgebühren. Nur im Erfolgsfall überlässt ein Fluggast Fairplane eine Provision. Fairerweise sei ergänzt: Dasselbe garantieren auch die anderen Fluggastportale.

Hervor sticht nach der jüngeren Erfahrung mit Fairplane demgegenüber vor allem das Online-Formular des Unternehmens. Dieses untersucht Anfragen präziser als Abfragemodule der meisten Mitbewerber – einmal abgesehen von denen Flightrights und Ersatz-Pilots. Zugleich vollführt das Online-Modul einen Abgleich der Eingaben mit Einträgen in Flugdatenbanken. Die angeschlossenen Datenbanken scheinen zwar alles andere als vollständig. Aber zumindest teilweise muss der Nutzer den Vorfall auf seinem Flug gar nicht mehr manuell darstellen. Der Aufbau der Online-Abfrage erlaubt zudem die direkte Beauftragung im Internet und erspart diverse nachträgliche Rückfragen. Das beschränkt den Aufwand des Nutzers für die Erfassung seines Falls auf ca. 8-10 Minuten.

Ein geringer Zusatzaufwand entsteht Kunden freilich im Nachgang gerade dort noch, wo ein Anwalt zur Durchsetzung beauftragt werden muss. Hierfür ist gesondert jedenfalls noch eine Vollmacht auszustellen.

Somit minimiert Fairplane den Aufwand für Kunden relativ weitreichend. Auf etwas höherem Niveau ebnen im Vergleich nur zwei andere Anbieter den Weg zur Ausgleichszahlung.

4. Kundenbewertungen zur Erfahrung mit Fairplane

Fairplane verweist darauf, dass das Unternehmen in mehreren Rankings Spitzenplätze erreicht hat. Aber was sagen die Kunden? Auf dem Bewertungsportal Ausgezeichnet.org erzielt Fairplane eine Bewertung von insgesamt 4,89/5 Punkten (Stand: 02.06.2018). Insgesamt berichten dort mehr als 6.000 Kunden über ihre Erfahrung. Bei Google erhält das Unternehmen demgegenüber nur eine Durchschnittsbewertung von 3,6 Sternen – allerdings hat hier nur eine Handvoll Kunden eine Beurteilung hinterlassen. Nutzer des Fluggastportals wirken also überwiegend zufrieden, obgleich vereinzelt kritische Zwischentöne zu vernehmen sind. Der Vergleich mit alternativen Anbieter stellt heraus, dass Fairplane innerhalb der Branche damit eher einen mittleren Platz belegt.

Nachstehend betrachten wir das Feedback im Einzelnen.

Gute Erfahrungen

Die veröffentlichte Erfahrung mit Fairplane spiegelt zunächst die allgemeine Freude der Kunden darüber wider, dass sie überhaupt eine Entschädigung erlangen. Das erhebt Fairplane für sich genommen noch nicht über Mitbewerber; die Häufigkeit des Lobes ist eher Ausdruck der Größe und Bekanntheit des Portals. Im Besonderen begrüßen Kunden darüber hinaus wenig verwunderlich das unkomplizierte Online-Formular und die relativ hohen Entschädigungssummen.

Ganz überwiegend verfolgt der Anbieter ausweislich der ausgewerteten Erfahrung mit Fairplane positiv im Online-Formular geprüfte Forderungen erfolgreich. Kunden können somit erwarten, dass die Beauftragung Fairplanes im Regelfall zu einer Zahlung führt.

Erfreulich finden Rezensenten bei ihrer Erfahrung mit Fairplane ferner die Beharrlichkeit des Unternehmens. So scheut Fairplane auch langwierige Verfahren durchaus nicht per se. Dass das Fluggastportal sich ausschließlich „Rosinen herauspickt“ und kompliziertere Fälle tendenziell ablehnt, stimmt zumindest nicht pauschal.

Positiv heben Kunden zusätzlich hervor, dass Fairplane Entschädigungsbeträge nach Zahlung durch die Airlines rasch auskehrt. Die Wartezeit von Kunden verzögert sich also nicht zusätzlich durch lange Kommunikationsschleifen innerhalb des Unternehmens.

Im Übrigen unterhält Fairplane ein weites Netzwerk von Partneranwälten in Europa und kann daher auch Forderungen im EU-Ausland durchsetzen. Das erhöht das Spektrum der Fälle, die Fairplane bearbeiten kann, und führt zu selteneren Abweisungen wegen einer unzugänglichen Jurisdiktion.

Schlechte Erfahrungen

Auf Unmut stoßen vor allem die langen Wartezeiten, die das Wesen des Geschäftsmodells Fairplanes mit sich bringt. Zwar trifft Fairplane keine Schuld, wenn es zahlungsunwillige Fluggesellschaften auf eine Klage anlegen und der Verfahrensausgang sich hinausschiebt. Gleichwohl zeigen Sofortentschädiger, dass es durchaus möglich ist, Kunden die Geduld bis zur Auszahlung zu ersparen. In den Vorwürfen schwingt insoweit mit, dass Fairplane trotz einer Provision von 29 % das Risiko eines offenen Verfahrensausgangs nicht bereitwillig schultert. Das Problem vergrößert sich außerdem, weil Fairplane offenbar in gleichgelagerten Fällen laut manchen Kundenaussagen erst taktisch eine Klage für eine Forderung voranschiebt. Erst infolge der gerichtlichen Entscheidung über diese beginnt die Durchsetzung der übrigen Ansprüche. Das reduziert zwar das Prozesskostenrisiko, verlängert aber die Verfahren zum Nachteil der Fluggäste und trübt ihre Erfahrung mit Fairplane.

Darüber hinaus bemängeln einige Kunden, Fairplane breche gelegentlich Verfahren wider Erwarten ab, falls sich herausstellt, dass die Durchsetzung schwerer fällt als anfangs angenommen. Bemängelt wird vor allem die Widersprüchlichkeit der Aussagen. So bemerkt der Anbieter gelegentlich erst im laufenden Verfahren die Aussichtslosigkeit, während er entsprechende Fälle anfangs noch als erfolgsträchtig eingestuft hatte. Das führt zu Unverständnis. Betroffene Kunden wundern sich, weshalb sie sich überhaupt die Mühe einer Beauftragung gemacht haben und nicht schon im ersten Schritt eine genauere Untersuchung ihrer Fälle erfolgte. Verstärkt wird dieser unangenehme Eindruck noch, weil sich etliche Flugreisende in einer solchen Situation nachträglich an ein anderes Portal wandten und dieses ihre Forderungen oftmals erfolgreich durchsetzen konnte.

Zudem kritisiert der eine oder andere Kunde, dass bei Fairplane gelegentlich Statusupdates zum Stand des Verfahrens fehlen. Als verwirrend empfinden es einige Nutzer außerdem, dass ihnen im Falle einer anwaltlichen Forderungsdurchsetzung zwei Ansprechpartner gegenüberstehen: Fairplane und eine Kanzlei. Das erhöht zugleich den Kommunikationsaufwand.

Wiederholt beargwöhnen Kunden außerdem die Qualität einiger Partneranwälte und im Besonderen deren unzureichende Kommunikationskompetenz. Weiterhin kommt es zuweilen zu Problemen in der Buchhaltung von Partnerkanzleien Fairplanes. Offensichtlich werden Zahlungen der Airlines manchmal erst auf Nachfrage weitergeleitet.

Wie repräsentativ sind die gesichteten Bewertungen?

Die Menge verfügbarer Erfahrungsberichte scheint auf den ersten Blick beeindruckend; sie ermöglicht ein gefestigtes Urteil, das sich auf ein breites Spektrum von Einzelmeinungen stützt. Dennoch fällt auf, dass der Fundus öffentlicher Bewertungen im Verhältnis zur Kundenzahl insgesamt wie eine bloße Stichprobe wirkt. Nach eigenem Bekunden gelang es Fairplane nämlich, allein 2017 für Kunden über 36.000 Verfahren erfolgreich zu führen. Zugleich erfährt man auf dem Firmenprofil unter Ausgezeichnet.org, dass der Anbieter binnen 12 Monaten bloß etwas mehr als 600 Bewertungen sammelt. Kaum jeder sechzigste Nutzer der Plattform tut also seine Meinung kund.

Das provoziert die Frage: Weshalb geben ~98,5% der Kunden keine Bewertung ab? Hierfür kommt gewiss mehr als ein einzelner Grund in Betracht. Allerdings liegt es nahe, dass die allermeisten schweigenden Kunden immerhin weder so fasziniert noch verstimmt sind, dass sie den Wunsch haben, ihre Erfahrungen öffentlich zu schildern. Eine denkbare Folgerung hieraus besagt, dass die allermeisten Nutzer recht zufrieden sind. Sie schäumen zwar nicht über vor Begeisterung über den Service; umgekehrt erlebten sie aber auch keine nennenswerten Unannehmlichkeiten.

5. Gesamtbewertung

In der Gesamtbetrachtung legt die Erfahrung mit Fairplane unseres Erachtens ein durchschnittliches Urteil nahe. Fairplane hat sein Online-Formular zwar inzwischen überarbeitet, reicht aber nicht an den Standard von Flightright und Ersatz-Pilot heran. Gleichzeitig überragt das Fluggastportal Konkurrenten weder bei der Entschädigungshöhe noch bei den Kundenbewertungen noch bei der Dauer bis zur Auszahlung. In unserer Gegenüberstellung belegen manche Alternativanbieter bessere Plätze – einige sogar in sämtlichen Kategorien (z.B. Ersatz-Pilot). Vor der Auswahl eines Dienstes lohnt sich für Flugreisende daher ein Blick auf unseren Vergleich sämtlicher Anbieter, den wir hier veröffentlicht haben.

Legal Tech Reviews

Erfahrung mit Flightright: Provision, Bezahldauer & Kundenbewertung

Posted by Jacob Weizmann on
Erfahrung mit Flightright: Provision, Bezahldauer & Kundenbewertung

Erfahrung mit Flightright haben inzwischen zehntausende Fluggäste gesammelt. Schließlich verhilft das Fluggastportal Reisenden bei Flugunregelmäßigkeiten seit fast zehn Jahren zu einer Entschädigung. Mittlerweile stellen aber auch etliche Konkurrenten ähnliche Dienste bereit. Daher stellt sich die Frage, ob Flightright betroffenen Fluggästen weiterhin den besten verfügbaren Service bietet. Um dies zu beantworten, prüft der Beitrag systematisch die Konditionen des Unternehmens und die Erfahrung mit Flightright, die Kunden bisher machen.

Untersucht wird dazu,

  1. wie viel Entschädigung Flightright unterm Strich auszahlt bzw. wie viel Provision das Unternehmen einbehält,
  2. wie lange ein Verfahren bis zur Auszahlung der Entschädigung dauert,
  3. welcher Aufwand dem Kunden entsteht, um den Dienst zu nutzen,
  4. was Kunden nach ihrer Erfahrung mit Flightright besonders schätzen und was sie negativ bewerten (systematische Auswertung der Einträge auf Bewertungsportalen).

Auf dieser Basis lässt sich abschließend beurteilen, wie das Unternehmen in der Gesamtbewertung abschneidet (5.). Einen Vergleich mit anderen Fluggastportalen haben wir übrigens hier veröffentlicht.

1. Höhe der Entschädigung und Provision

Art. 7 Abs. 1 FluggastrechteVO gewährt Flugreisenden für bestimmte Flugunregelmäßigkeiten

  • 250 € auf Kurzstrecken,
  • 400 € auf Mittelstrecken und
  • 600 € auf Langstrecken.

Setzt man solche Forderungen mit Flightright durch, behält das Unternehmen für seine Dienste 20 bis 30 % zzgl. Mwst. davon als Provision. Unterm Strich erhält ein Kunde also

  • 160,75 € bis 190,50 € bei Kurzstreckenflügen,
  • 257,20 € bis 304,80 € bei Mittelstreckenflügen und
  • 385,80 € bis 457,20 € bei Langstreckenflügen.

Flightright gibt keine Auskunft darüber, wann und wie häufig das Unternehmen eher hohe und wann eher niedrige Provisionen berechnet. Ein greifbarer Richtwert für die übliche Höhe der Provision ergibt sich jedoch zumindest, wenn man vom arithmetischen Mittel ausgeht, also von 25 % zuzüglich Mehrwertsteuer. Nach Hinzurechnung der Mehrwertsteuer beläuft sich die Provision hier effektiv auf knapp 30 Prozent; etwas mehr als 70 Prozent seines Forderungswerts erhält der Fluggast. In Eurobeträgen beläuft sich die die Auszahlungssumme auf

  • 175,63 € bei Kurzstreckenflügen,
  • 281 € bei Mittelstreckenflügen und
  • 421,50 € bei Langstreckenflügen.

Damit liegt Flightright in Puncto Entschädigungshöhe im Vergleich zu Konkurrenten im oberen Mittelfeld. Gerade von den Sofortentschädigern zahlen viele (aber nicht alle) erheblich weniger. Umgekehrt bieten manche Fluggastportale häufig einige dutzend Euro mehr pro Anspruch.

2. Dauer bis zur Entschädigung

Wer schon einmal Erfahrung mit Flightright  gemacht hat, weiß: Es handelt sich um einen so genannten Inkasso-Dienstleister. Für Kunden bedeutet das vor allem, dass das Unternehmen eine Entschädigung erst auszahlt, wenn der Anspruch eines Fluggastes gegen die jeweilige Airline durchgesetzt wurde. Je nach Fall und Fluggesellschaft variieren die Auszahlungszeiten also deutlich. In manchen Konstellationen zeigen sich Airlines kooperativ und leisten auf erstes Anfordern. Wenn Flightright den Betrag dann noch zeitnah auskehrt, entstehen dem Kunden Wartezeiten von „nur“ drei bis fünf Wochen zwischen Antrag und Zahlungseingang auf seinem Konto.

Das ist allerdings der Idealfall. Den Bewertungen zufolge treten daneben oftmals Fälle auf, die die außergerichtliche Hinzuziehung eines Anwalts verlangen oder gar ein Gerichtsverfahren.

Eine außergerichtliche Verfolgung des Anspruchs durch einen Anwalt dauert dabei ein bis drei Monate. Sie kann außerdem erst beginnen, wenn Flightright sie für erforderlich halten muss. Andernfalls darf Flightright der Airline nämlich nicht die Anwaltsgebühren aufbürden, sondern muss sie selbst begleichen. Erforderlich ist eine anwaltliche Rechtsdurchsetzung jedoch frühestens, wenn eine Airline einer Zahlungsaufforderung ohne Anwalt nicht nachkommt. Deren Frist muss also erst verstreichen und ggf. noch eine Fristverlängerung, die die Airline zur Bearbeitung erbittet. Muss also überhaupt ein Anwalt eingeschaltet werden, folgen für den Kunden Wartezeiten von zwei bis vier Monaten.

Schließt sich hiernach ein Gerichtsverfahren an, dauert es noch länger. Wie lange genau richtet sich danach, ob die verklagte Fluggesellschaft in Deutschland, im EU-Ausland oder einem Drittstaat ihren Sitz hat. Gegen deutsche Airlines können Verfahren nämlich auf Deutsch geführt werden; ansonsten muss hingegen jeder Schriftsatz übersetzt werden. Das kostet zusätzliche Zeit. Dauern Prozesse gegen inländische Airlines bis zur Zahlung typischerweise vier bis zehn Monate, können sie sich gegen ausländische Fluggesellschaften über Jahre ziehen. In den Kundenbewertungen liest man manchmal von Prozessen, die erst nach über zwei oder drei Jahren in ein Urteil münden.

Gemessen am öffentlichen Feedback von Kunden dauert die Auszahlung bei Flightright auch durchschnittlich einige Monate. Im Vergleich mit Alternativanbietern belegt das Unternehmen damit einen hinteren Platz. Gerade Sofortentschädiger punkten hingegen damit, dass nach ihrem Geschäftsmodell binnen weniger Tage Zahlungen an die Kunden fließen.

3. Aufwand für Kunden

Ein zentrales Verkaufsargument von Flightright vorweg: Ein Kostenrisiko entsteht dem Kunden nicht. Er braucht für nichts in Vorleistung treten – weder für Flightrights Tätigkeit noch für Anwaltsgebühren noch für Gerichtskosten. Stattdessen zahlt ein Fluggast nur die Provision im Erfolgsfall. Fairerweise garantieren dies aber auch alle anderen Fluggastportale.

Hervor sticht nach unserer Erfahrung mit Flightright demgegenüber vor allem das Online-Formular des Unternehmens. Dieses untersucht Anfragen deutlich genauer als Systeme der allermeisten Konkurrenten – einmal abgesehen von denen Fairplanes und Ersatz-Pilots. Zudem vollführt das Online-Modul einen Abgleich der Eingaben mit Einträgen in Flugdatenbanken, sodass der Nutzer den Vorfall auf seinem Flug häufig gar nicht mehr händisch schildern muss. Die Systematik des Online-Formulars gestattet zudem eine Beauftragung direkt online und erübrigt etliche Rückfragen im Nachgang. Das beschränkt den Aufwand des Nutzers für die Erfassung seines Falls auf 5 bis 10 Minuten.

Ein geringer Zusatzaufwand entsteht Kunden freilich im Nachgang gerade dort noch, wo ein Anwalt zur Durchsetzung beauftragt werden muss. Hierfür ist gesondert jedenfalls noch eine Vollmacht auszustellen.

Insgesamt reduziert Flightright den Kundenaufwand somit verhältnismäßig weit. Auf demselben Niveau ebnen im Vergleich lediglich zwei andere Fluggastportale den Weg zur Entschädigung.

4. Kundenbewertungen zur Erfahrung mit Flightright

Flightright bezeichnet sich selbst als „die Nummer 1 in Europa“. Aber was sagen die Kunden? Auf dem Bewertungsportal Trustpilot erzielt das Unternehmen eine Bewertung von insgesamt 9,1/10 Punkten (Stand: 25.05.2018). Insgesamt berichten dort mehr als 3.000 Kunden über ihre Erfahrung. Auch bei Google erhielt das Unternehmen bisher ca. 500 Bewertungen, die durchschnittlich etwas mehr als viereinhalb von fünf Sternen verleihen. Die Kunden scheinen also überwiegend sehr zufrieden, wenngleich sich vereinzelt kritische Zwischentöne einreihen. Der Vergleich mit alternativen Anbieter legt jedoch nahe, dass Flightright innerhalb der Branche damit durchaus einen hinteren Platz belegt.

Nachstehend werten wir das Feedback im Einzelnen aus.

Positive Erfahrungen

Zum einen loben Kunden wenig verwunderlich das unkomplizierte Online-Formular und die relativ hohen Entschädigungssummen.

Ganz überwiegend gelingt es Flightright zudem, positiv im Online-Formular geprüfte Forderungen durchzusetzen. Kunden können insofern davon ausgehen, dass die Beauftragung Flightrights im Regelfall zu einer Zahlung führt.

Erfreulich finden Rezensenten laut ihrer Erfahrung mit Flightright die Beharrlichkeit des Anbieters. So liest man teilweise von Verfahren, in denen Flightright selbst langwierige Prozesse nicht scheut. Dass das Unternehmen sich ausschließlich „Filetstücken“ herausgreift und in komplizierteren Fällen die Bearbeitung verweigert, stimmt zumindest nicht pauschal.

Zudem überbrückt Flightright die Wartezeit bis zur Durchsetzung, indem Kunden regelmäßig Statusupdates per E-Mail erhalten und im Intranet einsehen können. Das würdigen zahlreiche Erfahrungsberichte.

Positiv fällt Kunden ferner auf, dass Flightright Entschädigungsbeträge nach Zahlung durch die Fluggesellschaft zügig auskehrt. Die Wartezeit von Kunden erhöht sich also nicht zusätzlich durch etwaige interne Verzögerungen in der Buchhaltung des Unternehmens.

Außerdem kommt Flightright zugute, dass das Unternehmen über ein weitreichendes Netzwerk von Partneranwälten in Europa verfügt und daher notfalls auch Forderungen im EU-Ausland durchsetzen kann. Eingeschränkt wird dieses Lob jedoch durch die Erfahrung mancher Kunden, wonach Flightright nachträglich bemerkt, dass im konkreten Fall doch kein Partneranwalt im jeweiligen Land des Gerichtsstandes bereitsteht.

Negative Erfahrungen

Bemängelt werden hauptsächlich die langen Wartezeiten, die die Natur des Geschäftsmodells mit sich bringt. Gewiss liegt es nicht an Flightright, wenn zahlungsunwillige Airlines es auf ein Gerichtsverfahren ankommen lassen und sich eine Entscheidung hinauszögert. Umgekehrt zeigen Sofortentschädiger, dass es durchaus möglich ist, Kunden die Geduld bis zur Auszahlung zu ersparen. In den Vorwürfen schwingt insoweit mit, dass Flightright demgegenüber das Risiko der Vorauszahlung nicht eingeht. Hinzu kommt, dass Flightright in gleichgelagerten Fällen laut manchen Kundenaussagen erst taktisch eine Klage für eine Forderung voranschiebt. Erst nach der gerichtlichen Entscheidung über diese folgt dann die Durchsetzung der übrigen Ansprüche. Das verringert zwar das Prozesskostenrisiko, verlängert zum Ärger der Fluggäste aber das Verfahren und trübt die Erfahrung mit Flightright.

Darüber hinaus kritisieren einige Kunden, Flightright breche gelegentlich Verfahren wider erwartend ab, wenn sich herausstellt, dass die Durchsetzung schwieriger fällt als anfangs angenommen. Bemängelt wird vor allem die Widersprüchlichkeit der Aussagen. So erkennt das Unternehmen manchmal erst im laufenden Verfahren die Aussichtslosigkeit, nachdem es entsprechende Fälle anfangs noch positiv bewertet hatte. Das stößt auf Unverständnis. Betroffene Kunden fragen sich, wieso sie sich überhaupt die Mühe einer Beauftragung gemacht haben und nicht schon im ersten Schritt eine zureichende Aufklärung stattfand.

Auch die selten individualisierte Kundenkommunikation in solchen Konstellationen nehmen diverse Rezensenten negativ auf. Anscheinend geht Flightright zuweilen nicht näher auf die Gründe ein, die dazu veranlassen, einzelne Fälle nicht weiter zu bearbeiten. Bezeichnenderweise reagiert Flightright auf entsprechende Bewertungen offenbar nicht individuell, sondern platziert meistens nur standardisierte Kommentare.

Wiederholt beargwöhnen Kunden außerdem, wie Flightright mit Vergleichsvorschlägen der Fluggesellschaften umgeht. Wird anfangs die volle Entschädigungssumme zugesichert, kommt es häufig vor, dass Airlines versuchen, sich bloß auf eine anteilige Zahlung zu verständigen. Nach mehrfacher Kundendarstellung rät Flightright zur Annahme solcher Angebote und begründet dies entgegen vorheriger Einschätzungen mit dem Risiko, andernfalls leer auszugehen. Zur Entscheidung erhalten Fluggäste zudem nur ein äußerst knapp bemessenes Zeitfenster von wenigen Tagen. In der Kritik steht dabei zudem, dass Flightright in derartigen Konstellationen die Provision dennoch in voller Höhe vereinnahmt, sodass Betroffenen nur ein Bruchteil verbleibt.

Zur Aussagekraft der Erfahrungsberichte

Die Anzahl der Bewertungen klingt im ersten Moment beachtlich; sie erlaubt ein aussagekräftiges Urteil auf Basis eines reichen Fundus von Eindrücken. Anzumerken ist dennoch, dass die Menge im Verhältnis zur Gesamtkundenzahl ziemlich gering ausfällt. Nach eigener Aussage verfolgte Flightright nämlich schon Entschädigungsansprüche im Wert von über 150.000.000 €. Unterstellt man eine durchschnittliche Höhe von 400 € pro beigetriebener Forderung, entspricht das mindestens 375.000 Stück. Selbst wenn man teilweise Mehrfachnutzungen des Dienstes durch dieselben Fluggäste unterstellt, hinterließ nicht einmal jeder hundertste Nutzer eine Bewertung.

Es wirft zumindest die Frage auf: Warum äußern sich 99% der Kunden nicht weiter? Hierfür gibt es gewiss mehrere Erklärungen. Feststehen dürfte aber zumindest, dass die allermeisten schweigenden Kunden weder so begeistert noch verärgert sind, dass sie das Bedürfnis verspüren, ihre Erfahrungen öffentlich kundzutun. Eine mögliche Schlussfolgerung daraus lautet, dass die allermeisten Nutzer durchschnittlich zufrieden sind. Sie schäumen zwar nicht über vor Enthusiasmus über den Service; ihnen widerfuhren umgekehrt aber auch keine größeren Unannehmlichkeiten.

5. Flightright in der Gesamtbewertung

Im Gesamtbild fällt die Erfahrung mit Flightright nach unserer Einschätzung durchschnittlich aus. Das Online-Formular Flightrights zählt zwar zu den fortschrittlichsten der Branche. Gleichwohl überbietet das Unternehmen Mitbewerber weder bei der Entschädigungshöhe noch bei der Dauer bis zur Auszahlung noch bei den Kundenbewertungen. In unserer Gegenüberstellung schneiden Alternativanbieter mitunter deutlich besser ab – teilweise sogar in allen Kategorien (z.B. Ersatz-Pilot). Vor der Entscheidung für einen der Dienste empfehlen wir Fluggästen daher einen Blick auf unseren Vergleich sämtlicher Fluggastportale, den wir hier vorgenommen haben.

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Fluggastportale im Vergleich – Überblick über die Flugrechte-Dienstleister

Posted by Jacob Weizmann on
Fluggastportale im Vergleich – Überblick über die Flugrechte-Dienstleister

Mittlerweile verhelfen etliche Fluggastportale Reisenden unkompliziert zu einer Entschädigung nach der EU-FluggastrechteVO, wenn sich ihr Flug verspätet oder ausfällt. Bei Flugausfall, über dreistündiger Flugverspätung oder verpasstem Anschlussflug kommen Fluggäste dadurch leichter denn je an eine Ersatzzahlung für entstandene Unannehmlichkeiten. Doch wann genau besteht Anspruch auf Entschädigung? Und welches der Fluggastportale hilft in solchen Fällen am besten weiter? Der Beitrag gibt Antworten.

Was sind Fluggastportale und wann gibt es Entschädigung?

Häufig zahlen Airlines Reisenden eine Entschädigung nicht freiwillig. Daher lohnt sich die Selbstdurchsetzung nur selten, wie wir bereits an anderer Stelle ausführlich erläutert haben. Um Fluggastrechte dennoch zuverlässig und komfortabel durchzusetzen, können Reisende sich jedoch an eines der vielen Fluggastportale wenden. Über standardisierte Abfragen auf Ihren Websites lässt sich anhand einiger Angaben feststellen, ob für einen bestimmten Flug voraussichtlich eine Entschädigungsberechtigung besteht. Wann eine Flugverspätung oder ein Flugausfall konkret zur Entschädigung berechtigt, lässt sich deshalb am schnellsten und leichtesten mithilfe eines Online-Formulars prüfen. Jeder Anbieter stellt ein solches unverbindlich und kostenlos bereit. Man muss einen Fluggastrechte-Dienstleister also nicht beauftragen, um zu erfahren, ob er im individuellen Fall einen Entschädigungsanspruch erkennt. Wer das komfortabelste Online-Formular für die Ermittlung der Entschädigung zur Verfügung stellt, werte ich weiter unten in der Rubrik „Aufwand des Fluggastes“ aus.

Außerdem bieten sämtliche Fluggastportale Fluggästen an, ihre Ansprüche aus der FluggastrechteVO gegenüber den Fluggesellschaften durchzusetzen. Betroffene erhalten so die ihnen zustehende Entschädigung von bis zu 600 € abzüglich einer Provision.

Hier hören die Gemeinsamkeiten der Fluggastportale dann aber schon auf. Die verschiedenen Online-Anbieter zahlen Entschädigungen unterschiedlich schnell aus, berechnen für ihre Dienste unterschiedliche Kosten und verlangen von Fluggästen unterschiedlich viel Mithilfe bei der Durchsetzung ihrer Fluggastrechte. Um hier noch den Überblick zu behalten und für sich den richtigen Anbieter zu finden, zieht dieser Beitrag einen längst überfälligen Vergleich.

Übersicht über die Fluggastportale

Es gibt natürlich unzählige Kriterien, anhand derer man die Fluggastportale vergleichen kann. Wer sich als betroffener Fluggast zwischen den verschiedenen Dienstleistern für einen entscheiden möchte, berücksichtigt allerdings in der Regel vor allem folgende Auswahlkriterien:

  1. Wie schnell komme ich zu meiner Entschädigung?
  2. Welcher Aufwand entsteht mir dafür?
  3. Wie viel Entschädigung verbleibt mir nach Abzug der Provision für den Dienstleister unterm Strich?
  4. Welche Erfahrungen machen Fluggäste mit den Anbietern? Was sagen die Kundenbewertungen?

Unter diesen Gesichtspunkten ergibt sich, Stand 26. Mai 2018, zusammengefasst folgender Vergleich zwischen den wesentlichen deutschsprachigen Anbietern, Compensation2GoErsatz-PilotEUClaim, EUFlight, Fairplane, Flightright, refund.me und Wir kaufen deinen Flug.

Tabelle Vergleich Fluggastportale

Um den Befund in den Unterkriterien etwas besser einzuordnen, erläutere ich nachstehend, wie die zentralen Unterschiede zustande kommen. Den beiden größten Anbietern am Markt widmet sich außerdem jeweils ein gesonderter Artikel im Detail: Einer geht hier auf Flightright ein, der anderere hier auf Fairplane. Zudem befasst sich dieser Beitrag noch eingehender mit Wir kaufen deinen Flug.

Zuvor aber noch ein Hinweis der Vollständigkeit halber: Die genannten Fluggastportale sind bei Weitem nicht alle auf dem deutschen Markt. Im Monatsrhythmus kommen neue hinzu und verabschieden sich einige wieder aus dem Netz. Uns bekannt sind noch Myflyright, Ifdelayed, EU-Rights, Flug-verspätet.de, Flightcomp, Claim FlightsAirhelp und Flugrückerstattung.de. Sicher gibt es darüber hinaus noch dutzende weitere mehr oder weniger ernsthaft betriebene Plattformen. Aus Gründen der Übersichtlichkeit beschränken wir uns aber auf die Darstellung der tabellarisch gelisteten. Soweit wir es abschätzen können, handelt es sich jeweils um die vier größten Anbieter für Inkasso-Leistungen einerseits und Sofortentschädigungen andererseits. Da die sonstigen kleineren Fluggastportale in keiner Disziplin besser abschneiden, gehen wir hier nicht weiter auf sie ein.

1. Dauer bis zur Entschädigung

Entschädigungsgeschwindigkeit Fluggastportale im Vergleich

Ein erheblicher Klassenunterschied zwischen den verschiedenen Anbietern besteht bei der Wartezeit ihrer Nutzer bis zur Auszahlung der Entschädigung. Man differenziert hier zwischen so genannten Inkasso-Dienstleistern und Sofortentschädigern. Inkasso-Dienstleister wie Flightright und Fairplane zahlen erst aus, wenn sie die Entschädigungsforderung eines Fluggastes erfolgreich durchgesetzt haben. Gelingt die Durchsetzung außergerichtlich, dauert es bis zur Entschädigung gemessen am Kundenfeedback einige Wochen bzw. etwa einen Monat. Des Öfteren weigert sich eine Airline aber, ohne Beanstandungen zu zahlen. Dann sind mindestens einige Monate Geduld gefragt, bis ein Gericht die Fluggesellschaft zur Zahlung verurteilt. Ist eine Klage im Ausland erforderlich oder das zuständige Amtsgericht überlastet, verzögert sich die Verfahrensdauer mitunter sogar auf über ein Jahr.

Sofortentschädiger wie Ersatz-Pilot und EUFlight punkten mit Schnelligkeit. Sie gewähren Fluggästen direkt nach erfolgreicher Online-Prüfung einer Entschädigungsberechtigung die Auszahlung gegen Abtretung des Anspruchs. Damit gehen sie gewissermaßen in Vorleistung und tragen das Risiko, dass sich der Anspruch des Nutzers am Ende doch nicht durchsetzen lässt – so wie etwa gegen die insolvente Fluggesellschaft Air Berlin. Behalten kann der Fluggast die unverzüglich gewährte Entschädigung so oder so. Wer Wert auf eine prompte Abwicklung und Auszahlung legt, dem kommen somit vor allem die Sofortentschädiger entgegen.

2. Aufwand des Fluggastes

Komfort der Fluggastportale

Grundsätzliches

Im Prinzip brauchen alle Fluggastentschädiger dieselben Daten zum Flug, um Fluggastrechte zu prüfen, durchzusetzen und Fluggästen weiterzuhelfen. Die Entschädigungsberechtigung richtet sich schließlich immer nach der gleichen Rechtsordnung mit den gleichen Rechtsvoraussetzungen. Die nötigen Daten zur Fallerfassung muss naturgemäß der Fluggast liefern, dem die Flugunregelmäßigkeit widerfahren ist, die womöglich zur Entschädigung berechtigt.

Man könnte also auf den ersten Blick meinen, der Mitwirkungsaufwand des Fluggastes sei bei allen Anbietern ähnlich hoch. Das stimmt allerdings nur fast. Denn je nachdem wie ausgefeilt ein Webformular zur Fallerfassung ist, desto weniger Angaben erfragt ein Dienstleister erst manuell im Nachgang der Online-Prüfung telefonisch oder per E-Mail.

Fluggastportale im Vergleich

Besonders systematisch prüfen nach unserer Einschätzung vor allem die Online-Formulare von Flightright (Inkasso-Dienst) und Ersatz-Pilot (Sofortentschädiger) die Fälle der Nutzer ab. Hier sind demnach im Regelfall am seltensten Rückfragen im Nachgang der Online-Prüfung zu erwarten. Dadurch dauert der Abfrageprozess zwar ein paar Minuten länger, macht das Anfordern einer Entschädigung aber ansonsten so einfach wie eine Warenbestellung in einem Webshop. Mit Abschicken des Online-Formulars hat der Nutzer meistens schon alles Nötige getan.

Bei anderen Anbietern wie EUClaim (Inkasso-Dienst) und Compensation2Go (Sofortentschädiger) ist der Online-Abfrageprozess dagegen etwas kürzer. Dies geschieht aber zu dem Preis, dass diverse Faktoren erst einmal außer Acht bleiben. Hierzu ein Beispiel: Compensation2Go und Wir kaufen deinen Flug erfragen online, soweit ersichtlich, nur Start- und Zielflughafen, nicht aber die Flugnummer. Auf Strecken, an denen täglich zwischen Start und Ziel mehr als ein Flug verkehrt, gestatten diese Informationen allein noch keine eindeutige Identifikation des betroffenen Fluges. Dies erlaubt erst die Flugnummer, die also noch gesondert zu ermitteln ist. In etlichen Fällen müssen solche Lücken also spätestens bei der Durchsetzung von Fluggastrechten geschlossen werden. Spätestens dann meldet sich ein Dienstleister in der Regel mit Rückfragen, die mehr Zeit in Anspruch nehmen, als wenn stattdessen nur eine weitere Checkbox im Online-Formular anzukreuzen war.

Denkbar sind mögliche Rückfragen übrigens grundsätzlich eher bei den Inkasso-Diensten wie Flightright. Ergeben sich hier während des Rechtsstreits mit der Airline Rückfragen, muss sich der Fluggast ausführlich äußern. Andernfalls gefährdet er den Erfolg des Verfahrens und auch seiner Auszahlung, die ja erst nach gewonnenem Prozess folgt.

Gesetzlich erforderlicher Extra-Aufwand bei Flightright & Co.

Zu bedenken ist noch ein weiterer Aspekt, der das Verfahren bei Flightright, Fairplane und EUClaim mitunter zwangsläufig aufwändiger gestaltet. Verbleibt die Forderung beim Fluggast und soll Flightright sie nur durchsetzen, tritt bei einem womöglich notwendigen Gerichtsverfahren auch der Kunde selbst als Kläger auf. Natürlich übernehmen die Fluggastportale in diesem Fall die Verfahrenskosten. Den Anwalt bevollmächtigt hingegen naturgemäß der Kläger, also der Fluggast. Hierfür verlangt § 80 S. 1 ZPO Schriftform. Das bedeutet: Spätestens wenn ein Gerichtsverfahren zur Beitreibung der Entschädigung nötig wird, muss der Kunde eines Inkasso-Dienstes eine Vollmachtsvorlage händisch unterschreiben und postalisch verschicken.

Aus diesem rechtlichen Umstand folgt, dass es überhaupt nur Sofortentschädigern durchgehend möglich ist, den Aufwand des Kunden auf das Ausfüllen des Online-Formulars zu beschränken. Somit punkten an dieser Stelle Ersatz-Pilot und Co. Dadurch dass sie direkt auszahlen, bekommt hier der Fluggast von einem etwaigen Gerichtsverfahren nichts mit, da in diesem die Fluggastportale als Kläger auftreten.

3. Entschädigungshöhe und Provision

Entschädigungsgeschwindigkeit Fluggastportale im Vergleich

Eins vorab: Alle uns bekannten Fluggastportale erbringen ihren Dienst erfolgsunabhängig. Das heißt: Keines der verglichenen Portale berechnet Fluggästen irgendwelche Gebühren, solange der Fluggast nicht auch eine Entschädigung hält. Stattdessen verrechnen alle Anbieter ihre Provision mit der Entschädigungszahlung. Spannend ist aber die Frage: Was bleibt dem Nutzer jeweils unterm Strich?

In der Tendenz stellt man fest, dass Inkasso-Dienste wie EUClaim von Fluggästen eine niedrigere Provision verlangen als Sofortentschädiger. Fluggastportale wie Wir kaufen deinen Flug berechnen inkl. Mehrwehrtsteuer eine Provision von über 40%. Von der gesetzlichen Entschädigungshöhe bei Langstreckenflügen (600 €) bleiben dem Kunden unterm Strich also bloß ~ 350 €. Das erklärt sich daraus, dass Sofortentschädiger in Vorleistung treten und deshalb in ihren Gebühren das Ausfallrisiko einpreisen müssen, das sich etwa mit der Insolvenz von Air Berlin verwirklicht hat.

Ein Anbieter trotzt diesem Trend jedoch. Der relativ junge Dienstleister Ersatz-Pilot bietet seine Direktzahlungen zu Konditionen an, die weitgehend mit denen der Inkasso-Unternehmen vergleichbar sind. Bei Flugunregelmäßigkeiten auf Langstreckenflügen zahlt der Sofortentschädiger zum Beispiel 426-450 € aus – mehr als selbst eingesessene Inkasso-Dienste wie Flightright. Auf Kurz- und Mittelstrecken zahlt EUClaim pro Person ca. 10-20 € mehr, dafür aber anders als Ersatz-Pilot nicht sofort, sondern wie gesagt erst nach erfolgreicher Durchsetzung.

4. Kundenbewertungen und Erfahrungen

Kundenzufriedenheit Fluggastportale im Vergleich

Allgemeines

Bei den Kundenbewertungen erzielen alle Fluggastportale außer refund.me Spitzenergebnisse. Gemessen an den Erfahrungsberichten halten sämtliche Anbieter Wort und können den allermeisten Nutzern helfen. Besonders gute Bewertungen erhalten dabei vor allem Sofortentschädiger wie Ersatz-Pilot. Ausweislich ihres Feedbacks kommt ihnen zugute, dass sie Entschädigungen prompt auszahlen.

Umgekehrt spiegelt sich gerade in den Bewertungen von Flightright wider, dass es dort gelegentlich zu Fällen kommt, in denen sich das Verfahren zur Durchsetzung und damit auch die Auszahlung übermäßig hinauszögert. Hier bemängeln Kunden außerdem, dass des Öfteren Konstellationen anfänglich als aussichtsreich bewertet werden, später die Rechtsverfolgung aber abgebrochen wird, weil bei der Durchsetzung Schwierigkeiten auftreten. Da Sofortentschädiger zu diesem Zeitpunkt bereits eine Zahlung an Kunden geleistet haben, erfahren sie im Vergleich an dieser Stelle keine Kritik. Zwar liegt es in der Natur des Geschäftsmodells der Inkasso-Unternehmen, dass Kunden nach Beauftragung bis zur erfolgreichen Durchsetzung ein Restrisiko verbleibt. Kosten tragen sie zwar dank der Fluggastportale in keinem Fall. Ob sie aber tatsächlich eine Entschädigung erlangen, hängt allerdings weiterhin davon ab, ob Flightright & Co. Verfahren abbrechen oder verlieren.

Selten, aber überaus strapaziös sind ferner Verfahren, die vor Gericht bis in die Berufung führen oder sogar verloren gehen. An den Selbstaussagen und dem Kundenfeedback von EUClaim und den anderen Inkassodiensten kann man ablesen, dass in ca. 97-98% der Verfahren Fluggastrechte erfolgreich durchgesetzt werden können. Das bedeutet im Umkehrschluss aber auch, dass jedes fünfzigste Verfahren, das angestrengt wird, verloren geht. Dass sich dieses Risiko manchmal verwirklicht, fließt bei Inkasso-Diensten natürlich anteilig in die Erfahrungsberichte ein. Sofortentschädiger ernten an diesem Punkt hingegen keine Kritik ihrer Nutzer. Ihre Mehrleistung besteht ja gerade darin, Fluggästen die Gefahr einer erfolglosen Durchsetzung abzunehmen und sie direkt auszuzahlen.

Besondere Kritikpunkte

Neben solchen eher strukturellen Vorzügen und Nachteilen der Fluggastportale ergeben sich aus den Bewertungen und Erfahrungsberichten der Kunden darüber hinaus noch eine Reihe konkreter Kritikpunkte gegenüber bestimmten Anbietern. Aufschluss hierüber gibt ein Blick auf die einzelnen Reviews auf Trustpilot und anderen Bewertungsplattformen.

Dauer bei Inkasso-Fluggastportalen

Kunden werfen Inkasso-Unternehmen und insbesondere Flightright gelegentlich vor, sie würden nur zaghaft Klagen anstrengen, stattdessen nur routinemäßig an Forderungen erinnern und der Airline dadurch kulanzweise mehrere Monate Zeit zur Bearbeitung der Ansprüche lassen. Welchen Grund diese zögerliche Vorgehensweise hat, lässt sich nicht abschließend klären.

Vielfach begründet die reine Arbeitsökonomie eine kulante Rechtsverfolgung. Denn solange erfahrungsgemäß zumindest in einem Teil der Fälle eine außergerichtliche Zahlung erfolgt, lohnt es sich für Flightright, diese abzuwarten. Direkt die gerichtliche Durchsetzung anzustrengen, hieße nämlich oftmals, unnötigerweise den ungleich aufwendigeren Weg zu wählen – und zwar ohne, dass Kunden hiervon profitieren. Denn ein angerufenes Gericht fällt sein Urteil erfahrungsgemäß frühestens nach drei Monaten. Zahlt die Fluggesellschaft in der Zwischenzeit freiwillig, erhält auch der Fluggast seine Auszahlung im Vergleich schneller, als wenn ein Verfahren angestrengt worden wäre. Ärgerlich ist das Zuwarten natürlich für all solche Kunden, bei denen eine außergerichtliche Klärung ausbleibt. Hier addiert sich das vergebliche Zuwarten zur ohnehin anfallenden Dauer eines Gerichtsverfahrens.

Fest steht allerdings auch: Für Inkasso-Unternehmen sind Verfahrensverzögerungen weniger unangenehm als für Fluggäste, die auf ihre Entschädigung warten. Schließlich kommen Verzugszinsen nicht den Kunden der Inkasso-Unternehmen zugute, sondern diesen selbst. Und je länger sich eine Entschädigung hinauszögert, desto höhere Verzugskosten lassen sich abrechnen. Zwar erlangen sofortentschädigende Fluggastportale diese ebenfalls. Jedoch zahlen sie Fluggäste im Vergleich dazu schneller aus, sodass ihnen keine übermäßigen Wartezeiten aufgebürdet werden.

Flüge mit Start und Ziel außerhalb Deutschlands bei Sofortentschädigern

Kleinere und jüngere Fluggastportale sind in der Regel noch keine Kooperationen mit Partnerkanzleien im EU-Ausland eingegangen. Solche braucht es allerdings, um Fluggastrechte auch dann durchzusetzen, wenn weder der Start- noch der Zielflughafen in Deutschland liegt und ein deutscher Gerichtsstand damit ausscheidet. Gerade bei Sofortentschädigern sind deshalb Direktzahlungen nur dort zuverlässig möglich, wo ein entschädigungsberechtigter Flug in Deutschland startete oder landete.

Der Entschädigungsrechner von Ersatz-Pilot zeigt immerhin direkt zu Beginn einer Prüfung an, ob für eine bestimmte Flugverbindung eine Entschädigung ausscheidet. Bei anderen Sofortentschädigern wie EUFlight und Compensation2Go sortiert dagegen nicht schon die Online-Prüfung lückenlos Fälle aus, die nicht bearbeitet werden können. Dies führt bei Kunden zuweilen zu Ernüchterung, weil sie das Formular letztlich umsonst vollständig ausfüllen.

And the winner is…?

Ich verzichte an dieser Stelle bewusst auf eine klare Empfehlung. Ich denke, die hier zusammengetragenen Daten versetzen jeden Fluggast in die Lage, sich selbstständig den individuell passenden Dienstleister auszuwählen. Wer sich ansonsten vertieft über die Fluggastportale informieren möchte, sei ermuntert, auf die Links zu den einzelnen Anbietern zu klicken.

Legal Tech Reviews

Advocado – lohnenswertes Legal Tech Investment?

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Advocado – lohnenswertes Legal Tech Investment?

Eigentlich hat das Startup Advocado gar nicht so viele Alleinstellungsmerkmale, die es rechtfertigen, es gesondert zu exponieren. Es bietet kostenlose Ersteinschätzungen von Fällen im Netz und Anwaltsleistungen zum Festpreis. Das war’s.

…? Ja nicht ganz. Der Grund, wieso ich mich hier näher mit Advocado befassen muss möchte, erklärt sich aus einer Besonderheit, die das Startup trotz seiner eher profanen Dienstleistung herausstechen lässt. Advocado ist es gelungen, in der letzten Finanzierungsrunde von Investoren über eine Millionen Euro einzusammeln. So berichtet es zumindest der Legal Tech Blog.

Ob sich die Investition für Geldgeber wie die Mittelständische Beteiligungsgesellschaft Mecklenburg-Vorpommern mbH rentiert, kann ich zu wenig beurteilen. Das hängt sehr stark von dem Verhältnis ab, in dem die Fixkosten des Online-Vermittlungsdienstes von Advocado die Vermittlungsprovisionen über- oder unterschreiten. Zu einigen Bemerkungen will ich mich aber unabhängig davon versteigen.

  1. Das Geschäftsmodell von Advocado hat mit Legal Technology im engeren Sinne kaum etwas zu tun.
  2. Advocado kann erfolgreich sein, bloß eben nicht so wie ein Unicorn vom Format Airbnb, sondern eher wie ein gewöhnliches Vermittlungsportal für Hotels oder Flüge. Dienstleister des letzteren Typus werden übrigens gerade von Google Flights überrollt.

Damit wir uns verstehen: Ich kann mir gut vorstellen, dass Advocado ein robustes Unternehmen ist. Nur halte ich den ganzen Hype um Technologisierung und Disruptionspotenzial des Startups für verfehlt – und zwar aus folgenden Gründen.

Advocados Technologisierung

Auch wenn bereits bloße technische Hilfsmittel für juristische Dienstleistungen als Legal Technology bezeichnet werden, sind sie das bestenfalls im weitesten Sinne. Ich würde ja auch nicht auf die Idee kommen, Microsoft Word als Legal Tool zu bezeichnen. Ansonsten wäre jede Kanzlei mit Textverarbeitungsprogramm, also wirklich jede Kanzlei, irgendwo ein Legal Tech Unternehmen. Das würde den Begriff bis zur Bedeutungslosigkeit verwässern. Wenn man damit hingegen einen gesteigerten Technologiebezug von Rechtsdienstleistungen adeln will, muss man Legal Tech enger fassen. Man muss dann verlangen, dass die eingesetzte Technologie entweder besonders fortgeschritten ist („Technology“) oder wenigstens besonders juristischentypisch („legal“).

Der Kern von Advocados Geschäftsmodell ist weder das eine noch das andere. Die Vergütungsmodalität „Festpreis“ mag ein Billable-Hour-Anwalt revolutionär nennen – auch wenn er dasselbe vermutlich über die Vergütungsgrenzen des RVG sagen würde, deren Vorgängerregeln in der BRAGO aus dem Jahr 1957 datieren. Auch dass Advocado Mandanten für eine kostenlose Ersteinschätzung zu verschiedenen Anwälten lotst und nicht bloß zu einer ganz bestimmten Kanzlei, ist zwar marktwirtschaftlich ein Gewinn, hat aber nicht per se etwas mit Technologie zu tun. Natürlich verwendet Advocado zur Umsetzung dieses Konzepts eine Online-Plattform. Darin erschöpft sich dann aber bereits der Bereich, in dem das Startup auf Technologie setzt.

Im Grunde kann man von einem Webportal zur Mandatsanbahnung sprechen. Nicht weniger, vor allem aber nicht mehr. Schon nach der Beauftragung endet nämlich die Korrespondenz über das Portal. Eine besondere Automatisierung einzelner Teile der Rechtsdienstleistung findet nicht statt. Der Beitrag der IT zum Geschäftsmodell besteht darin, einen Ausschnitt aus einem analogen Branchenbuch ins Netz zu verfrachten und die Kontaktanbahnung und Ersteinschätzung übers Internet statt über Telefon und persönliches Gespräch zu ermöglichen. Das ist ein Fortschritt und im 21. Jahrhundert längst überfällig. Doch genau deswegen wirkt es ein Jahrzehnt nach Craigslist so, als würde die Rechtsbranche damit bloß ein Stück weit in die Gegenwart geholt, statt in die Zukunft katapultiert. Nicht weniger verspricht man sich demgegenüber jedoch von der Legal Technology.

Disruptionspotenzial von Advocado

Und wie sieht es bei Advocado mit Legal Innovation aus? Festpreis? Kostenlose Ersteinschätzung im Internet? Ist das nicht innovativ? Nun ja. Festpreise kennen BRAGO respektive RVG wie gesagt seit Jahrzehnten. Zwar konkurrieren damit Abrechnungsmodelle nach billable hours. Damit werden allerdings vornehmlich komplexere Beratungsleistungen abgegolten, für die Advocado gar keine Ersteinschätzung anbietet. Die dort gelisteten juristischen Standardprodukte erledigt bislang typischerweise der ortsansässige Einzelanwalt zum RVG-Tarif. Neu ist bei Anbietern wie Advocado gegenüber solchen Haus- und Hofanwälten lediglich, dass letztere es mit der Kostenaufklärung in der Vergangenheit nicht immer ganz genau genommen haben. Die konventionelle Praxis in dieser Domäne liefert die gebotene Transparenz zuweilen gern auch erst mit Rechnungslegung nach (, um Mandanten vorher nicht abzuschrecken).

Umgekehrt beeilt sich zur Mandatsakquise jeder Wald- und Wiesenadvokat, eine kostenlose Ersteinschätzung anzubieten. Doch auch hier bewirkt Advocados Rückgriff auf das Internet immerhin insofern einen Zugewinn, als dem potenziellen Mandanten dabei ach Ersteinschätzung de facto noch eher die freie Wahl bleibt, ob er den Auftrag erteilt. Im Besprechungszimmer des Anwalts verzichtet man nach genossenen Keksen und Kaffee ungern auf den Rechtsbeistand des Gastgebers, selbst wenn man von seiner Kompetenz nicht hundertprozentig überzeugt ist.

Gleichwohl ist Advocados zeitgemäße Transparenz und Unverbindlichkeit weder weltweit noch in Deutschland besonders originell. In den USA bietet Legal Zoom den gleichen Service bereits seit 1999. In Deutschland verbinden Portale wie anwalt.de Verbraucher mit einer Vielzahl von Anwälten bereits seit . Dass die Plattformen solange fortbestehen, spricht dafür, dass ihr Betrieb mehr Einnahmen einspielt, als Ausgaben verursacht. Dass indes kein Webportal davon ansatzweise einen Unternehmenswert von einer Milliarde Euro aufweist oder zum Dreh- und Angelpunkt der Branche avanciert, belegt wiederum, dass sich ihr Disruptionspotenzial trotzdem in Grenzen hält. Denn alternativ zur Nutzung von Advocado kann ich ebenso transparent und unverbindlich für eine Ersteinschätzung kostenlosen Rechtsrat ergooglen oder anhand von Google-Reviews geeignete Anwälte vorselektieren. Das macht Advocados Spielart zur Mandatsanbahnung sicherlich nicht überflüssig. Der Konkurrenz enteilt sie deswegen trotzdem nicht.

Schlusswort

Um die Ausgangsfrage aus der Überschrift also abschließend zu beantworten: Investitionen in Advocado mögen sich – je nach den betriebswirtschaftlichen Kenngrößen – lohnen. Dann aber nicht wegen besonders innovativer Legal Technology, sondern einfach wegen eines soliden Business Plans.

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Legal Tech für Fluggastrechte: Etikettenschwindel?

Posted by Jacob Weizmann on
Legal Tech für Fluggastrechte: Etikettenschwindel?

Dass Legal Tech für Fluggastrechte besonders häufig entwickelt wird, ist kein Zufall. Kaum eine anderes Rechtsgebiet bietet so dankbare Einstiegsvoraussetzungen für Legal Tech Applikationen. Die Rechtsmaterie erfüllt alle idealtypischen Bedingungen für eine rentable Automatisierung mit niedrigen Einstiegskosten. Das macht das Reiserecht zu einem ersten Einsatzgebiet der Legal Technology, das dem Endverbraucher nahesteht. Hier zeigt sich also schon heute, welchen Mehrwert die neue Technologie letztlich für den Kunden verspricht.

Was der Kunde von Legal Tech erwarten darf (die Hoffnung)

Ist der Aufwand für die Entwicklung eines Legal Tech Tools einmal aufgebracht, senken die eingerichteten Automatismen zur Rechtsdurchsetzung deren Kosten drastisch. Je weiter der Algorithmus die menschliche Prüfung und Korrespondenz übernimmt, desto weniger Personalkosten fallen noch an. Gleichzeitig dünnen sich die einmaligen Fixkosten der IT-Entwicklung bei wachsender Kundenzahl zunehmend auf die einzelnen Fälle aus. Unterm Strich besteht die Verheißung und damit auch das Disruptionspotenzial der Legal Technology schließlich darin, dass ihr Einsatz die Kosten für Rechtsdienstleistungen drastisch senkt. Legal Tech für Fluggastrechte, das heißt verkürzt, das Prinzip der Industrialisierung auf ein erstes Gebiet juristischer Massenverfahren anzuwenden. Economies auf Scale für den Rechtsmarkt.

Man sollte deshalb meinen, dass die Kostenersparnisse der Legal Tech für Fluggastrechte sich gerade auf Seiten der Kunden bemerkbar machen. Das gilt insbesondere, als beispielsweise das Fluggastportal Fairplane davon ausgeht, dass 90% der Flugreisenden ihren Anspruch auf Entschädigung nicht durchsetzen (siehe Screenshot mit dem Kommafehler in der Überschrift von Fairplanes Website). Gerade um aus diesem Reservoir neue Kunden zu gewinnen, wären attraktiv niedrige Kosten für entsprechende Rechtsdienstleistungen doch ein unschlagbares Verkaufsargument.

Laut Fairplane erreichen Fluggastportale bislang 90% der Betroffenen nicht.

Die Wirklichkeit 2017

Beachtliche Margen trotz Legal Tech für Fluggastrechte

Allein: So richtig preiswert sind die Leistungen der etablierten Fluggastentschädiger nicht. Die meisten Inkasso-Dienste behalten sich eine Erfolgsprovision von 25% zzgl. Mwst. ein, also knapp 30% des Wertes der Ausgleichsansprüche, die sie durchsetzen. So genannte Sofortentschädiger ersparen Betroffenen dagegen zwar immerhin die Wartezeit bis zur erfolgreichen Durchsetzung. Die Direktzahlungen, die sie Fluggästen anbieten, unterschreiten deren nominelle Entschädigungsforderungen allerdings in der Regel um ganze 35% plus Mehrwertsteuer. Unterm Strich bleiben dem Fluggast von seinem ursprünglichen Anspruchswert je nach Wartezeit bis zur Auszahlung nur 60-70%. Freuen darf sich dagegen das Fluggastportal über eine üppige Marge von 25-35%.

Das wirft eine Frage auf. Wie kommt ein solcher Preis für Rechtsdienstleistungen zustande, die vollkommen schematisiert ablaufen und sich fast vollständig automatisieren lassen? Mir fallen zwei Antworten ein. Entweder die Entschädigungsplattformen stützen sich gar nicht so sehr auf Legal Technology, wie in Interviews gern behauptet wird. Das ist eine Geschichte für ein anderes Mal. Wenn wir hingegen unterstellen, dass Legal Tech für Fluggastrechte nahezu bis zur Vollautomatisierung gediehen ist, dann gibt es für die derzeitige Marge nur einen plausiblen Grund, nämlich (kurzfristige) Gewinnmaximierung.

Es geht auch anders

Damit das nicht nur eine kühne Behauptung bleibt, hat die DiRiSo mit dem Portal Ersatz-Pilot den Beweis angetreten. Ersatz-Pilot gewährt etwa auf der Langstrecke Direktentschädigungen von 450 €; das entspricht 75% des nominellen Ausgleichsanspruchs eines Fluggastes. Und das ist erst der Anfang.

Dass die Differenz zur nominellen Forderungshöhe noch 25% entspricht, liegt daran, dass Ersatz-Pilot gerade erst damit anfängt, das Geschäftsmodell größer zu skalieren. Gerade für noch unvorhergesehene Komplikationen soll hierbei eine Liquiditätsreserve vorgehalten werden. Je mehr Fluggastrechte aber durchgesetzt werden, desto weiter kann Ersatz-Pilot die Marge zwischen Direktzahlung und Höhe des tatsächlichen Ausgleichsanspruchs abschmelzen.

Warum begnügen sich Kunden trotzdem mit hohen Service-Gebühren?

Derweil ist die Konkurrenz wahlweise immer noch auf etliche kostenintensive manuelle Arbeitsschritte angewiesen oder streicht die Vorteile der Legal Tech lieber selbst ein, als sie an Kunden weiterzugeben. Warum aber vertrauen sich solchen Anbietern trotzdem zahlreiche Kunden an? Mein erster Gedanke war: Alternativlosigkeit. Lieber 350 € von Compensation2Go oder dergleichen als 0 € von der Airline nach vergeblichen eigenständigen Durchsetzungsversuchen.

Dann fiel mir aber ein, dass dieses Bild doch recht pessimistisch gezeichnet ist. Außer in zweifelhaften Fällen und bei einigen hartnäckigen Airlines können Verbraucher ihre Forderungen durchaus erfolgsversprechend selbst durchsetzen. Oft ohne Gerichtsverfahren und mit einem Aufwand, der zwar durchaus hoch ist, aber für den es gewisse Hilfestellungen gibt. So führt beispielsweise eine kurze Google-Suche zu einer Vorlage für ein Aufforderungsschreiben gegen die Airline.

Ersatz-Pilot hat hierzu auf dem Unternehmensblog unlängst ein relativ ehrliches Rechenbeispiel präsentiert, wann es sich lohnt, Forderungen auf eigene Faust durchzusetzen, und ab welcher Höhe eher eine Sofortentschädigung Sinn ergibt. Daraus geht zwar auch hervor, dass ein eigener Aufwand dort nicht gerechtfertigt ist, wo die Direktzahlung nur geringfügig hinter der vollen nominellen Forderung zurückbleibt. Genau das ist aber bei den etablierten Fluggastportalen gerade nicht der Fall. Hier entgehen dem Kunden horrende Anteile seines Ausgleichsanspruchs. Warum lässt er sich trotzdem darauf ein?

Irreführende Werbung

Eine vollständige Antwort kann ich nicht leisten. Vermutlich spielt aber der Umstand eine gewisse Rolle, dass die allermeisten die eben skizzierten Details gar nicht kennen. Und dafür tragen viele der selbsterklärt verbraucherschützenden Fluggastportale eine Mitschuld. Streckenweise gewinnt man den Eindruck, was an attraktiven Konditionen fehlt, wird durch irreführende Werbung kompensiert. Um zu verdeutlichen, woran ich das festmache, habe ich nachstehend eine Collage von Werbeaussagen führender Anbieter zusammengetragen. Alle Screenshots wurden am 22. September 2017 aufgenommen.

600 € Fluggastentschädigung?

Besonders beliebt ist in der Werbung etlicher Fluggastportale die Halbwahrheit, Fluggästen stünden bis zu 600 € Entschädigung zu. Halbwahr ist das insofern, als 600 € zwar der nominellen Höhe eines Ausgleichsanspruchs entspricht, alle Anbieter, die damit werben, aber hiervon natürlich 20-40 % Provision zzgl. Mwst. abziehen.

Besonders perfide ist die Adwords-Werbung von Fairplane, wo es heißt „Nicht mit 400€ zufrieden geben – Bei uns sogar bis zu 600 € zurück“. Auf der Seite selbst erfährt man hingegen, dass Kunden von Fairplane aufgrund einer Provision von 176,40 € auch bei entschädigungsberechtigten Langstreckenflügen nur maximal 423,60 € erhalten. Aber ich vermute, „Nicht mit 400€ zufrieden geben – Bei uns sogar bis zu 423,60 € zurück“ klingt einfach nicht mehr spektakulär genug.

Auszahlung in weniger als 24 Stunden?

Eine Spezialität der so genannten Sofortentschädiger besteht darin, dass sie mit Auszahlungen binnen 24 Stunden werben.

Auch das ist im besten Fall halbwahr und im ungünstigen Fall schlichtweg falsch. Halbwahr sind solche Darstellungen insofern, als die fraglichen 24 Stunden nicht etwa nach Abschicken des Online-Formulars zu laufen beginnen, sondern erst nach Bestätigung des Entschädigungsgesuchs. Bis wann eine solche zu ergehen hat, regeln die meisten „Sofortentschädiger“ nicht mit starren kurzen Fristen. Realistischer wäre es also, von einer Zahlung einige Tage nach erstmaliger Kontaktaufnahme durch den Fluggast zu sprechen. Dann allerdings könnte man sich wahrscheinlich nicht mehr mit dem Prädikat „Sofortentschädigung“ schmücken.

Im Übrigen verraten die AGB bei EU-Flight übrigens, dass mit einer Entschädigung auch nach deren Zusage nicht etwa binnen eines Tages, sondern binnen 14 Tagen zu rechnen ist.

Etwas sofortiger entschädigt hingegen laut AGB Compensation2Go. Hier räumt man sich nach Bestätigung des Entschädigungsantrags einen Werktag Zeit ein. Zumindest an Sonn- und Feiertagen wird es hingegen eng mit den beworbenen 24 Stunden.

Die angegebene Auszahlungsfrist einzuhalten, dürfte wirkaufendeinenflug.de sogar noch schwerer fallen. Der Sofortentschädiger geht sogar noch einen Schritt weiter und spricht gar von einer Auszahlung „in nur drei Stunden“.

Ich bin gespannt, ob um 4 Uhr nachts mein Geld angewiesen wird, wenn ich um 1 Uhr alle Unterlagen und Angaben für meinen entschädigungsberechtigten Flug einreiche. Deshalb verlängert man das Zeitfenster für die Auszahlung vorsorglich auf 24 Stunden. Ob sich zumindest dieser Rahmen durchgehend einhalten lässt? Wirkaufendeinenflug.de scheint sich hier selbst nicht so sicher zu sein und präsentiert weiter unten auf der Startseite im FAQ-Bereich andere Zahlen:

Statt eine „Sofortentschädigung“ zu bewerben, wäre es insofern ehrlicher, von einer zeitnahen Entschädigung zu sprechen. Das hingegen klingt womöglich nicht mehr so verlockend.

Anspruchsprüfung in nur zwei Minuten?

Unabhängig von Auszahlungshöhe und -wartezeit fallen Werbeaussage und Wirklichkeit noch in einem anderen Punkt auseinander. Heruntergespielt wird häufig der Aufwand, um das Entschädigungsformular online auszufüllen und weitere Rückfragen zu beantworten. Wirkaufendeinenflug.de spricht von zwei Minuten Prüfungsdauer im Online-Prozess (s.o.). So viel Zeit braucht der Otto-Normal-Bürger schon allein dafür, sein Ticket rauszusuchen, um die abgefragten Angaben treffen zu können. Dennoch wirbt selbst der Marktführer Flightright damit, die Eingabe würde nur zwei Minuten dauern.

Das ist gerade deshalb überraschend, weil Geschäftsführer Dr. Kadelbach selbst die Prüfungsdauer des Abfrageprozesses auf acht Minuten bezifferte, als das neue Prüfungstool vor einigen Monaten implementiert wurde. So ergibt es sich aus einer Pressemitteilung, die auch vom Legal Startups-Blog aufgegriffen wurde. Diese Zeitangabe deckt sich auch in etwa mit der Dauer, die es braucht, um probehalber einen Fall mit Flightrights Entschädigungsrechner durchzuprüfen und das Formular zu vervollständigen.

Flightright hat das im Frühjahr angekündigte eigene Sofortentschädigungskonzept Flightright Now offenbar nie realisiert. Deshalb bleibt es im Übrigen auch nicht einmal bei der achtminütigen Vervollständigung des Online-Formulars. Bis eine Forderung nämlich nach dem Inkasso-Modell durchgesetzt und ausgezahlt wird, vergehen Wochen bis Monate, in denen ein Kunde über die erforderliche Korrespondenz mit Flightright (z.B. für Rückfragen) weiterhin mit der Angelegenheit befasst ist. Von bloßen zwei Minuten Aufwand kann also keineswegs die Rede sein.

Weitere Fundstücke

Unterm Strich bleibt die Wirklichkeit letztlich bei etlichen Fluggastportalen ernüchternd weit hinter den Werbeslogans zurück. Ausgezahlt wird weniger Entschädigung als suggeriert nach längerer Wartezeit als angedeutet und bei höherem Eigenaufwand als versprochen. Damit aber nicht genug. Auch an anderer Stelle übertreibt die Werbung gerne einmal oder stellt Umstände schlicht falsch dar.

Gerne stellen Fluggastportale Alleinstellungsmerkmale heraus, mit denen sie gar nicht so alleine dastehen. EUFlight berühmt sich beispielsweise, der einzige reine Sofortentschädiger zu sein. Dabei trifft das ebenso auf Compensation2Go und Ersatz-Pilot zu.

Besonders beeindruckend ist zuletzt die Seite „deinflugrecht.de“. Sie steht ganz offensichtlich dem Unternehmen Fairplane nahe, zumal alle Links zur Anspruchsprüfung auf Fairplanes Website verweisen.

Dass es sich bei deinflugrecht.de um ein ganz neutrales Vergleichsportal handelt, wird man vermutlich ausschließen können. Dafür lobt die Seite Fairplane zu einseitig, obwohl der Anbieter selbst in der Gegenüberstellung verschiedener Websites auf deinflugrecht.de keineswegs in allen Kategorien brilliert und beispielsweise nicht die niedrigste Provision verlangt. Aber wie nah steht deinflugrecht.de Fairplane genau? Das herauszufinden, ist gar nicht so einfach. Denn die Unterseiten zum Impressum und die Rubrik „Über Uns“ sind vollkommen leer. Ein Schelm, wer da an Affiliate Marketing denkt.

Etikettenschwindel statt echter Legal Tech für Fluggastrechte?

Wie muss man solche irreführenden bis falschen Werbeaussagen verstehen? Klar wird, dass viele Fluggastportale es beim Marketing offenbar mit der Wahrheit nicht übergenau nehmen. Natürlich sollte man den Befund gleichzeitig auch nicht überdramatisieren. Unachtsamkeiten passieren und selbst kalkulierte Verzerrungen sind zwar nicht immer anständig, aber eben trotz dessen zulässig. Also doch alles im Rahmen? Nun ja. Obwohl für das Marketing andere Maßstäbe als für die Wissenschaft gelten, stößt es doch aus zwei Gründen bitter auf, wenn statt wirklicher Legal Tech für Fluggastrechte auf diesem Markt Kunden eher mit halbwahren Versprechungen geködert werden.

Zum einen sind die Zielgruppe Verbraucher, denen Fluggastportale gerade deswegen Hilfe anbieten, weil bereits Fluggesellschaften ihr Unwissen ausnutzen, indem sie ihre Entschädigungsberechtigung oft verschweigen. Es wäre deshalb zu begrüßen, wenn die verbraucherschützenden Plattformen ein höheres Maß an Transparenz an den Tag legen. Zum Beispiel, indem sie Fluggästen von vorn herein ehrlich kommunizieren, wie viel Entschädigung sie wann erhalten und wie viel Aufwand ihnen dafür insgesamt tatsächlich entsteht. Sicherlich birgt das die Gefahr, dass etliche Kunden ihre Rechte stattdessen selbst durchsetzen, weil ihnen dann bewusster würde, dass die bisherigen Konditionen der meisten Anbieter doch nicht so attraktiv sind. Genau hierin besteht aber der zweite Grund, wieso die bisherige Werbepraxis so unangenehm wirkt. Denn eigentlich erhofft man sich gerade von Fluggastportalen, dass sie Kunden durch die Vorteile von Legal Tech für Fluggastrechte gewinnen und nicht durch Augenwischerei.

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Warum so viele Legal Tech Fluggastentschädiger?

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Warum so viele Legal Tech Fluggastentschädiger?

Legal Tech Fluggastentschädiger, besser bekannt als Fluggastentschädigungsplattformen, sind trotz ihrer Branche nicht für ihren Jetset-Lifestyle bekannt. Schon ihre Bezeichnung ist ein sprachliches Monstrum. Und auch die Branchenvertreter ähneln nicht gerade Rockstars. Nicht einmal nach dem Maßstab der Startup-Szene. Sieht man einmal von erlesenen Ausnahmen des Typus Dr. Kadelbach ab, brauchen sich Legal Tech Fluggastentschädiger keine Chancen auf schnelle Internet-Millionen ausrechnen.

Das Geschäftsmodell hat schon wegen des Nischencharakters des bearbeiteten Rechtsgebiets kein Unicorn-Potenzial. Auch besonders hip wirkt die Sache nicht. Durch eine EU-Verordnung erzeugte Mikroforderungen aufzukaufen, macht verspätungsgeplagten Flugreisenden das Leben etwas leichter. Disruption oder gar Weltrettung geht von diesem Konzept allerdings nicht aus.

Weshalb also gehen aus den Reihen der Entwickler von Legal Tech Fluggastentschädiger hervor und nicht in gleichem oder größerem Maße AI Labore oder Smart Contract Coder? Im ersten Moment gibt die Frage Rätsel auf. Bei näherem Hinsehen erschließt sich aber ein einleuchtender Grund dafür, wieso die ersten Anwendungsfälle der Legal Technology so häufig schnöde Fluggastrechte betreffen und so selten visionäre Projekte. Man vergleiche nur die Rahmenbedingungen, um das eine oder das andere Geschäftsmodell zum Erfolg zu führen.

Rahmenbedingungen der Legal Tech Fluggastentschädiger

Blickt man auf die juristische und wirtschaftliche Ausgangslage, zeichnen sich Fluggastentschädigungsplattformen vor allem dadurch aus, dass einerseits die Einstiegshürde für ihre Entwicklung niedrig ist und andererseits das Massengeschäft mit Flugunregelmäßigkeiten kalkulierbare Gewinne verspricht.

1. Der rechtliche Rahmen erleichtert die technische Umsetzung einer Automatisierung.

Voraussetzungen und Rechtsfolgen des Entschädigungsmechanismus gemäß FluggastrechteVO sind überschaubar. Die Komplexität des Prüfungsalgorithmus und damit sein Entwicklungsaufwand halten sich in Grenzen. Sämtlich lassen sich die Anspruchsbedingungen in einem schematisierten Abfrageprozess erfragen. Es fehlen im Übrigen subjektive Tatbestandsmerkmale, die sich einer Typisierung entziehen.

Dank gut gepflegter Flugdatenbanken mit API-Schnittstelle ist überdies die Beweiserhebung automatisierbar. Ohnehin genügt dank der Beweislastverteilung eine geringfügige Dokumentation, um Ansprüche auf Fluggastentschädigung zu plausibilisieren.

2. Auch die wirtschaftlichen Gegebenheiten begünstigen ein Geschäftsmodell zur automatisierten Anspruchsprüfung und -durchsetzung.

Die geringe Höhe der Entschädigungsforderungen einzelner Fluggäste macht eine klassische manuelle Rechtsverfolgung unlukrativ. Mitbewerber in diesem Segment der Rechtsdienstleistung sind ohnehin nur Anbieter, die wenigstens teilautomatisiert Forderungen bearbeiten.

Die pauschale Höhe der Ersatzansprüche und die Zahl der anspruchsbegründenden Flugunregelmäßigkeiten formen gleichzeitig einen Massenmarkt. Eine Standardisierung der Verfahren drängt sich auf.

Rahmenbedingungen für Entwickler fortgeschrittener Legal Tech

Demgegenüber versprechen Konzepte wie Smart Contracts und AI zwar weitaus phänomenalere Gewinne. Der nötige Aufwand bis zu ihrer Marktreife ist jedoch kaum überblickbar und auch im günstigen Fall hochgradig kostenintensiv. Diese immensen Entwicklungskosten ohne verlässliche Quantifizerbarkeit der Gewinne bedeuten für Investitionen und Moonshots eine unheilvolle Kombination. Anders als Mark Zuckerberg kann ich mich als Jurastudent nicht einfach für ein paar Monate an den Schreibtisch setzen und ein juristisches Pendant zu Facebook schaffen. Hatte die Urversion von Facebook nämlich bereits das Potenzial, von sich aus zu wachsen, hat beispielsweise ein erster exemplarischer Teilabschnitt einer Computersprache für Smart Contracts diesen Mehrwert noch nicht.

Es verhält sich damit halt eher so wie mit der Entwicklung der ersten motorisierten Flugmaschinen. Die Apparate der Gebrüder Wright versprachen auf absehbare Zeit noch keinen ROI. Dass sie sie dennoch über Jahre unbezahlt entwickelt haben, war dem Umstand geschuldet, dass sie sich diesem Vorhaben in ihrer Freizeit widmen konnten, während ihre Fahrradwerkstatt ihnen ihr reguläres Auskommen sicherte. Dabei ist leicht nachzuvollziehen, dass weniger Leute ihr Side Project zur Größe treiben, als Jungunternehmer eine Idee realisieren, deren Rentabilität in greifbarer Nähe liegt und die es deshalb erlaubt, ihr in Vollzeit nachzugehen.

Natürlich wird sich gelegentlich auch ein Investor finden, der selbst ein kühnes Geschäftsmodell finanziert, obwohl es eine jahrelange R&D-Phase voraussetzt, an deren Anfang völlig ungewiss ist, ob an ihrem Ende ein verwertbares Produkt steht. Zwar liefert gerade die Geschichte der Luftfahrt hierfür ein Beispiel. Dessen Ausnahmecharakter bestätigt aber eher die Regel. Business Angels waren damals die Streitkräfte der Großmächte, die das militärische Potenzial der Flugzeuge reizte und deren Kriegskassen es zuließen, verhältnismäßig futuristische Technologien zu fördern.

Expeditionsökonomie im Legal Tech Kosmos

In der Summe kann man aber feststellen, dass riskante, kostenintensive Investments in visionäre, jedoch allenfalls langfristig rentable Geschäftsmodelle eher Seltenheitswert haben. Die meisten Unicorns verdanken ihren Aufstieg hingegen der Tatsache, dass sie bereits mittelfristig überzeugende Geschäftszahlen vorlegen konnten. Auch ein Unternehmen wie Deepmind hätte wohl kaum Googles Aufmerksamkeit geweckt, wäre nicht als überzeugender Zwischenschritt das Spiel Space Invaders dominiert worden. Im juristischen Kosmos fehlt hingegen noch der Ansatz für eine Marsmission mit Zwischenlandung auf dem Mond. Wer seine juristische Vision verwirklichen will, dem bleibt bisweilen nur übrig, direkt zum roten Planeten zu fliegen.

Legal Tech Fluggastentschädiger bewegen sich hingegen auf überschaubarerem Terrain; sie sind die Space Shuttles der Legal Technology. Der Einsatz ist niedrig, die Rückflüsse sind berechenbar. Das dürfte der Grund sein, warum sich so viele Startups gerade auf diesen Markt drängen.

Aber auch wer in der Legal Tech Branche höher hinaus will, ist m.E. zunächst gut auf diesem Geschäftsfeld aufgehoben. Es ist eine Spielwiese, um an unterkomplexen Fallkonstellationen die Funktionsweise IT-gestützter rechtlicher Prüfungsprozesse kennen zu lernen. Derartiges Know-how dürfte sich auch bei ambitionierteren Projekten bezahlt machen. Genau deswegen hat die DiRiSo mit Ersatz-Pilot ebenfalls ein Pilotprojekt in den Wettbewerb der Legal Tech Fluggastentschädiger entsandt (wir berichteten). Immerhin gibt es für diese Vorgehensweise ein prominentes Vorbild. Einer ähnlichen Überlegung folgt SpaceX mit seinen Versorgungsflügen zur ISS, ehe Mond und Mars ins Auge gefasst werden.

Legal Tech Reviews

Was ist eigentlich ein Legal Tech Startup?

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Was ist eigentlich ein Legal Tech Startup?

Begriffe zu klären und beispielsweise ein Legal Tech Startup zu definieren, ist grundsätzlich keine Aufgabe dieses Blogs. Hierfür leisten Enzyklopädien wie die Wikipedia meist schon hervorragende Arbeit. Jedenfalls, wenn es um die Denotation eines Begriffs geht. Problematisch wird es nur, wenn die Konnotation Überhand nimmt. Doch genau das ist bei dem Label „Legal Tech Startup“ allmählich der Fall. Aber der Reihe nach.

Die Denotation

Wikipedia definiert ein Startup als „ein junges Unternehmen (…) , das vor allem durch zwei Besonderheiten gekennzeichnet wird: Es hat eine innovative Geschäftsidee bzw. Problemlösung – und die Unternehmensgründung erfolgt mit dem Ziel, stark zu wachsen und einen hohen Wert zu erreichen. Die Finanzierung wird dabei häufig wegen der Risiken nicht über klassische Banken organisiert, sondern über Förderbanken und innovative Finanzierungsformen wie etwa Venture- und Seed-Kapital und Crowdfunding.“

Wenn wir den Finanzierungsaspekt einmal ausblenden, dann ist zum Beispiel DiRiSo nach dieser Begriffsbestimmung ein Startup. Da DiRiSo Legal Tech Produkte anbietet, genauer gesagt ein Legal Tech Startup. Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt man mit der Definition der Plattform Gründerszene, zumal sie keine spezifische Finanzierungsart voraussetzt.

Was konnotiert der Begriff Legal Tech Startup?

Der Erklärungsansatz von Gründerszene lässt jedoch gleichzeitig durchscheinen, weshalb die Einordnung als Legal Tech Startup dennoch schwerfällt, selbst wenn die Denotation des Begriffs exakt auf ein Unternehmen zutrifft. So heißt es auf dem Portal: „Denkt man an ein Startup, existiert bei vielen das klischeehafte Bild im Kopf, wie potenzielle Gründer ihre großartigen Ideen während Nachtschichten in unauffälligen Garagen entwickeln, um sie anschließend auf den Markt zu bringen.“ Hier beginnt dann bereits die Konnotation des Begriffs Legal Tech Startup. Oder besser: Hier begann sie.

Failure Culture

Wenn mich mein Eindruck nicht täuscht, mobilisierte man das positive Bild der Garagentüftler Gates, Jobs & Co. in Deutschland zunächst in der New Economy Zeit in großem Stil. Das ergab damals durchaus Sinn, waren deutsche Startups doch bis dahin wahlweise nicht-existent oder noch unter dem medialen Radar. Was man hierzulande über Startups wusste, kannte man also aus dem Ausland (lies: USA). Und da die Geschichte typischerweise von den Siegern geschrieben wird, wusste man von Microsoft, Apple, Google und Amazon, nicht hingegen von der Legion schon damals gescheiterter Startups. Wer sich als Startup bezeichnete, konnte sich daher anfangs glaubhaft in die Traditionslinie von Gates, Page und Musk stellen.

Auch seit sich in Deutschland eine eigene Startup-Szene etabliert hat, liest man weitaus seltener von Pleiten als von Neugründungen. Aber das allein genügt, damit sich die öffentliche Wahrnehmung zu Startups nach meinem Empfinden anfängt zu drehen. Auf 100 Berichte zu Gründungen kommt im Folgejahr nur noch ein Bruchteil von Erfolgsberichten. Was mit den nicht erneut genannten Unternehmen passiert, kann man sich denken. Der Comedian Harry G brachte das Phänomen im vergangenen Jahr auf die Formel: „95 Prozent aller Startups san ein riesen Schei*dreck!“

Phrasendrescherei

Und nicht nur die Aura einer Tendenz zur Erfolglosigkeit umgibt inzwischen den Begriff Startup bzw. Legal Tech Startup. Auch die Wunderwaffen der Startup-Kultur lösen bei den meisten Betrachtern eher Kopfschütteln aus. Da ist zum einen der Hang zur Überhöhung vermeintlich innovativer, tatsächlich alteingesessener Modelle. Ein Pausenraum bleibt ein Pausenraum, auch wenn man ihn Break-Out-Room nennt. Ein Gemeinschaftsbüro verleiht den Insassen keine magischen Produktivkräfte, selbst wenn man es euphemistisch als Co-Working-Space tituliert. Die Bezeichnung Business Plan macht ein Unternehmenskonzept nicht schon wegen seiner Überschrift innovativer. Ein CEO ist nicht per se ein besserer Geschäftsführer. Und je mehr das dem Publikum auffällt, desto mehr blättert der Lack von den Anglizismen ab.

Voodoo als Form der Unternehmensführung

Ob aus Mut der Verzweiflung oder aus Experimentierfreude neigen Startups zudem zu unkonventionellen Arbeitsweisen, besser: zu kultähnlichen Handlungen bei der Arbeitsbewältigung. Nicht gemeint sind harmlose Beispiele wie der semi-fakultative Yoga-Kurs in der Pause als Zwangsmaßnahme zur Entspannung. Ich denke eher an Seminare zur „Fortbildung“ mit Gemeinplatz-Vorträgen obskurer Business-Coaches und kollektiven Happenings inklusive rhythmischer Trommeleinlagen der Belegschaft. Das ist – hoffe ich – eine Extremform. Weiter verbreitet dürften hingegen beispielsweise Brainstorming-Übungen sein, bei denen zwanzig Mitarbeiter einen Tag lang im Stuhlkreis sitzen und Ideen an Flipcharts pinnen. Was sich im ersten Moment spaßig anhört, steht in keinem Verhältnis zu den Kosten. Der Kunde oder das Firmenkonto wird begeistert sein, wenn für ein paar zusammengetragene Bullet Points 20×8 zu bezahlende Arbeitsstunden ins Kontor schlagen. Alternativ kann man die Kosten natürlich den Mitarbeitern aufbürden, indem man sie hierzu zu einem unvergüteten Wochenendsseminar bittet.

Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht. Aber wenn mir solche Konzepte als wegweisend präsentiert werden, habe ich immer eine gewisse Assoziation. Der Verschwörungstheoretiker Axel Stoll wurde bekannt durch seine unfreiwillig komische Sentenz: „Chemie ist Physik. Biologie ist Physik. Magie ist Physik durch Wollen.“ Für mich klingen Stuhlkreis, rhythmisches Trommeln und Flipcharts angelehnt daran immer sehr nach „Ökonomie durch Wollen“. Dabei will ich gar nicht ausschließen, dass es Unternehmen gibt, die solche Methoden durchaus erfolgreich anwenden. Aber in der überwiegenden Zahl der Fälle haben wir es doch bestenfalls mit einem Drittvariableneffekt zu tun. Selbst wenn ein Unternehmen mit Startup-Kult Erfolg hat, dann beruht er vermutlich auf den Überstunden nach der innovativen Ideenfindung, dem teambildenden Kickermatch oder dem monatlichen World Cáfe.

Legal Tech Startup ohne Konnotation?

Diese Negativaspekte der Startup-Szene sind natürlich unproblematisch, solange ein Legal Tech Startup zu benennen ist, was auch solche Merkmale aufweist. Schwieriger wird es bei Unternehmen wie DiRiSo, die der Definition nach als Legal Tech Startup gelten, sich von der konnotierten Kultur aber distanzieren. Sicherlich wird man hier immer noch im weiteren Sinne von einem Startup sprechen können. Adäquater scheint aber eine neue Begriffsprägung. Zumindest auf diesem Blog möchten wir deshalb auf die Bezeichnung „Legal Tech Unternehmen“ zurückgreifen, um DiRiSo & Co. zu beschreiben. Denn die Legal Technology verspricht schon ihrer Grundidee nach hohe Wachstumspotenziale und ihre Branche ist ohnehin so jung, sodass man begrifflich nicht gesondert darauf hinweisen muss. Mithin zerfällt die Legal Tech Szene gemäß unserer Begriffswahl in hippe Legal Tech Startups und Legal Tech Unternehmen mit einer traditionelleren Geschäftskultur. Man könnte auch sagen, mit Old Economy Tugenden in einem New Economy Geschäftsmodell.