Erfahrung mit Flightright: Provision, Bezahldauer & Kundenbewertung

Erfahrung mit Flightright: Provision, Bezahldauer & Kundenbewertung

Erfahrung mit Flightright haben inzwischen zehntausende Fluggäste gesammelt. Schließlich verhilft das Fluggastportal Reisenden bei Flugunregelmäßigkeiten seit fast zehn Jahren zu einer Entschädigung. Mittlerweile stellen aber auch etliche Konkurrenten ähnliche Dienste bereit. Daher stellt sich die Frage, ob Flightright betroffenen Fluggästen weiterhin den besten verfügbaren Service bietet. Um dies zu beantworten, prüft der Beitrag systematisch die Konditionen des Unternehmens und die Erfahrung mit Flightright, die Kunden bisher machen.

Untersucht wird dazu,

  1. wie viel Entschädigung Flightright unterm Strich auszahlt bzw. wie viel Provision das Unternehmen einbehält,
  2. wie lange ein Verfahren bis zur Auszahlung der Entschädigung dauert,
  3. welcher Aufwand dem Kunden entsteht, um den Dienst zu nutzen,
  4. was Kunden nach ihrer Erfahrung mit Flightright besonders schätzen und was sie negativ bewerten (systematische Auswertung der Einträge auf Bewertungsportalen).

Auf dieser Basis lässt sich abschließend beurteilen, wie das Unternehmen in der Gesamtbewertung abschneidet (5.). Einen Vergleich mit anderen Fluggastportalen haben wir übrigens hier veröffentlicht.

1. Höhe der Entschädigung und Provision

Art. 7 Abs. 1 FluggastrechteVO gewährt Flugreisenden für bestimmte Flugunregelmäßigkeiten

  • 250 € auf Kurzstrecken,
  • 400 € auf Mittelstrecken und
  • 600 € auf Langstrecken.

Setzt man solche Forderungen mit Flightright durch, behält das Unternehmen für seine Dienste 20 bis 30 % zzgl. Mwst. davon als Provision. Unterm Strich erhält ein Kunde also

  • 160,75 € bis 190,50 € bei Kurzstreckenflügen,
  • 257,20 € bis 304,80 € bei Mittelstreckenflügen und
  • 385,80 € bis 457,20 € bei Langstreckenflügen.

Flightright gibt keine Auskunft darüber, wann und wie häufig das Unternehmen eher hohe und wann eher niedrige Provisionen berechnet. Ein greifbarer Richtwert für die übliche Höhe der Provision ergibt sich jedoch zumindest, wenn man vom arithmetischen Mittel ausgeht, also von 25 % zuzüglich Mehrwertsteuer. Nach Hinzurechnung der Mehrwertsteuer beläuft sich die Provision hier effektiv auf knapp 30 Prozent; etwas mehr als 70 Prozent seines Forderungswerts erhält der Fluggast. In Eurobeträgen beläuft sich die die Auszahlungssumme auf

  • 175,63 € bei Kurzstreckenflügen,
  • 281 € bei Mittelstreckenflügen und
  • 421,50 € bei Langstreckenflügen.

Damit liegt Flightright in Puncto Entschädigungshöhe im Vergleich zu Konkurrenten im oberen Mittelfeld. Gerade von den Sofortentschädigern zahlen viele (aber nicht alle) erheblich weniger. Umgekehrt bieten manche Fluggastportale häufig einige dutzend Euro mehr pro Anspruch.

2. Dauer bis zur Entschädigung

Wer schon einmal Erfahrung mit Flightright  gemacht hat, weiß: Es handelt sich um einen so genannten Inkasso-Dienstleister. Für Kunden bedeutet das vor allem, dass das Unternehmen eine Entschädigung erst auszahlt, wenn der Anspruch eines Fluggastes gegen die jeweilige Airline durchgesetzt wurde. Je nach Fall und Fluggesellschaft variieren die Auszahlungszeiten also deutlich. In manchen Konstellationen zeigen sich Airlines kooperativ und leisten auf erstes Anfordern. Wenn Flightright den Betrag dann noch zeitnah auskehrt, entstehen dem Kunden Wartezeiten von „nur“ drei bis fünf Wochen zwischen Antrag und Zahlungseingang auf seinem Konto.

Das ist allerdings der Idealfall. Den Bewertungen zufolge treten daneben oftmals Fälle auf, die die außergerichtliche Hinzuziehung eines Anwalts verlangen oder gar ein Gerichtsverfahren.

Eine außergerichtliche Verfolgung des Anspruchs durch einen Anwalt dauert dabei ein bis drei Monate. Sie kann außerdem erst beginnen, wenn Flightright sie für erforderlich halten muss. Andernfalls darf Flightright der Airline nämlich nicht die Anwaltsgebühren aufbürden, sondern muss sie selbst begleichen. Erforderlich ist eine anwaltliche Rechtsdurchsetzung jedoch frühestens, wenn eine Airline einer Zahlungsaufforderung ohne Anwalt nicht nachkommt. Deren Frist muss also erst verstreichen und ggf. noch eine Fristverlängerung, die die Airline zur Bearbeitung erbittet. Muss also überhaupt ein Anwalt eingeschaltet werden, folgen für den Kunden Wartezeiten von zwei bis vier Monaten.

Schließt sich hiernach ein Gerichtsverfahren an, dauert es noch länger. Wie lange genau richtet sich danach, ob die verklagte Fluggesellschaft in Deutschland, im EU-Ausland oder einem Drittstaat ihren Sitz hat. Gegen deutsche Airlines können Verfahren nämlich auf Deutsch geführt werden; ansonsten muss hingegen jeder Schriftsatz übersetzt werden. Das kostet zusätzliche Zeit. Dauern Prozesse gegen inländische Airlines bis zur Zahlung typischerweise vier bis zehn Monate, können sie sich gegen ausländische Fluggesellschaften über Jahre ziehen. In den Kundenbewertungen liest man manchmal von Prozessen, die erst nach über zwei oder drei Jahren in ein Urteil münden.

Gemessen am öffentlichen Feedback von Kunden dauert die Auszahlung bei Flightright auch durchschnittlich einige Monate. Im Vergleich mit Alternativanbietern belegt das Unternehmen damit einen hinteren Platz. Gerade Sofortentschädiger punkten hingegen damit, dass nach ihrem Geschäftsmodell binnen weniger Tage Zahlungen an die Kunden fließen.

3. Aufwand für Kunden

Ein zentrales Verkaufsargument von Flightright vorweg: Ein Kostenrisiko entsteht dem Kunden nicht. Er braucht für nichts in Vorleistung treten – weder für Flightrights Tätigkeit noch für Anwaltsgebühren noch für Gerichtskosten. Stattdessen zahlt ein Fluggast nur die Provision im Erfolgsfall. Fairerweise garantieren dies aber auch alle anderen Fluggastportale.

Hervor sticht nach unserer Erfahrung mit Flightright demgegenüber vor allem das Online-Formular des Unternehmens. Dieses untersucht Anfragen deutlich genauer als Systeme der allermeisten Konkurrenten – einmal abgesehen von denen Fairplanes und Ersatz-Pilots. Zudem vollführt das Online-Modul einen Abgleich der Eingaben mit Einträgen in Flugdatenbanken, sodass der Nutzer den Vorfall auf seinem Flug häufig gar nicht mehr händisch schildern muss. Die Systematik des Online-Formulars gestattet zudem eine Beauftragung direkt online und erübrigt etliche Rückfragen im Nachgang. Das beschränkt den Aufwand des Nutzers für die Erfassung seines Falls auf 5 bis 10 Minuten.

Ein geringer Zusatzaufwand entsteht Kunden freilich im Nachgang gerade dort noch, wo ein Anwalt zur Durchsetzung beauftragt werden muss. Hierfür ist gesondert jedenfalls noch eine Vollmacht auszustellen.

Insgesamt reduziert Flightright den Kundenaufwand somit verhältnismäßig weit. Auf demselben Niveau ebnen im Vergleich lediglich zwei andere Fluggastportale den Weg zur Entschädigung.

4. Kundenbewertungen zur Erfahrung mit Flightright

Flightright bezeichnet sich selbst als „die Nummer 1 in Europa“. Aber was sagen die Kunden? Auf dem Bewertungsportal Trustpilot erzielt das Unternehmen eine Bewertung von insgesamt 9,1/10 Punkten (Stand: 25.05.2018). Insgesamt berichten dort mehr als 3.000 Kunden über ihre Erfahrung. Auch bei Google erhielt das Unternehmen bisher ca. 500 Bewertungen, die durchschnittlich etwas mehr als viereinhalb von fünf Sternen verleihen. Die Kunden scheinen also überwiegend sehr zufrieden, wenngleich sich vereinzelt kritische Zwischentöne einreihen. Der Vergleich mit alternativen Anbieter legt jedoch nahe, dass Flightright innerhalb der Branche damit durchaus einen hinteren Platz belegt.

Nachstehend werten wir das Feedback im Einzelnen aus.

Positive Erfahrungen

Zum einen loben Kunden wenig verwunderlich das unkomplizierte Online-Formular und die relativ hohen Entschädigungssummen.

Ganz überwiegend gelingt es Flightright zudem, positiv im Online-Formular geprüfte Forderungen durchzusetzen. Kunden können insofern davon ausgehen, dass die Beauftragung Flightrights im Regelfall zu einer Zahlung führt.

Erfreulich finden Rezensenten laut ihrer Erfahrung mit Flightright die Beharrlichkeit des Anbieters. So liest man teilweise von Verfahren, in denen Flightright selbst langwierige Prozesse nicht scheut. Dass das Unternehmen sich ausschließlich „Filetstücken“ herausgreift und in komplizierteren Fällen die Bearbeitung verweigert, stimmt zumindest nicht pauschal.

Zudem überbrückt Flightright die Wartezeit bis zur Durchsetzung, indem Kunden regelmäßig Statusupdates per E-Mail erhalten und im Intranet einsehen können. Das würdigen zahlreiche Erfahrungsberichte.

Positiv fällt Kunden ferner auf, dass Flightright Entschädigungsbeträge nach Zahlung durch die Fluggesellschaft zügig auskehrt. Die Wartezeit von Kunden erhöht sich also nicht zusätzlich durch etwaige interne Verzögerungen in der Buchhaltung des Unternehmens.

Außerdem kommt Flightright zugute, dass das Unternehmen über ein weitreichendes Netzwerk von Partneranwälten in Europa verfügt und daher notfalls auch Forderungen im EU-Ausland durchsetzen kann. Eingeschränkt wird dieses Lob jedoch durch die Erfahrung mancher Kunden, wonach Flightright nachträglich bemerkt, dass im konkreten Fall doch kein Partneranwalt im jeweiligen Land des Gerichtsstandes bereitsteht.

Negative Erfahrungen

Bemängelt werden hauptsächlich die langen Wartezeiten, die die Natur des Geschäftsmodells mit sich bringt. Gewiss liegt es nicht an Flightright, wenn zahlungsunwillige Airlines es auf ein Gerichtsverfahren ankommen lassen und sich eine Entscheidung hinauszögert. Umgekehrt zeigen Sofortentschädiger, dass es durchaus möglich ist, Kunden die Geduld bis zur Auszahlung zu ersparen. In den Vorwürfen schwingt insoweit mit, dass Flightright demgegenüber das Risiko der Vorauszahlung nicht eingeht. Hinzu kommt, dass Flightright in gleichgelagerten Fällen laut manchen Kundenaussagen erst taktisch eine Klage für eine Forderung voranschiebt. Erst nach der gerichtlichen Entscheidung über diese folgt dann die Durchsetzung der übrigen Ansprüche. Das verringert zwar das Prozesskostenrisiko, verlängert zum Ärger der Fluggäste aber das Verfahren und trübt die Erfahrung mit Flightright.

Darüber hinaus kritisieren einige Kunden, Flightright breche gelegentlich Verfahren wider erwartend ab, wenn sich herausstellt, dass die Durchsetzung schwieriger fällt als anfangs angenommen. Bemängelt wird vor allem die Widersprüchlichkeit der Aussagen. So erkennt das Unternehmen manchmal erst im laufenden Verfahren die Aussichtslosigkeit, nachdem es entsprechende Fälle anfangs noch positiv bewertet hatte. Das stößt auf Unverständnis. Betroffene Kunden fragen sich, wieso sie sich überhaupt die Mühe einer Beauftragung gemacht haben und nicht schon im ersten Schritt eine zureichende Aufklärung stattfand.

Auch die selten individualisierte Kundenkommunikation in solchen Konstellationen nehmen diverse Rezensenten negativ auf. Anscheinend geht Flightright zuweilen nicht näher auf die Gründe ein, die dazu veranlassen, einzelne Fälle nicht weiter zu bearbeiten. Bezeichnenderweise reagiert Flightright auf entsprechende Bewertungen offenbar nicht individuell, sondern platziert meistens nur standardisierte Kommentare.

Wiederholt beargwöhnen Kunden außerdem, wie Flightright mit Vergleichsvorschlägen der Fluggesellschaften umgeht. Wird anfangs die volle Entschädigungssumme zugesichert, kommt es häufig vor, dass Airlines versuchen, sich bloß auf eine anteilige Zahlung zu verständigen. Nach mehrfacher Kundendarstellung rät Flightright zur Annahme solcher Angebote und begründet dies entgegen vorheriger Einschätzungen mit dem Risiko, andernfalls leer auszugehen. Zur Entscheidung erhalten Fluggäste zudem nur ein äußerst knapp bemessenes Zeitfenster von wenigen Tagen. In der Kritik steht dabei zudem, dass Flightright in derartigen Konstellationen die Provision dennoch in voller Höhe vereinnahmt, sodass Betroffenen nur ein Bruchteil verbleibt.

Zur Aussagekraft der Erfahrungsberichte

Die Anzahl der Bewertungen klingt im ersten Moment beachtlich; sie erlaubt ein aussagekräftiges Urteil auf Basis eines reichen Fundus von Eindrücken. Anzumerken ist dennoch, dass die Menge im Verhältnis zur Gesamtkundenzahl ziemlich gering ausfällt. Nach eigener Aussage verfolgte Flightright nämlich schon Entschädigungsansprüche im Wert von über 150.000.000 €. Unterstellt man eine durchschnittliche Höhe von 400 € pro beigetriebener Forderung, entspricht das mindestens 375.000 Stück. Selbst wenn man teilweise Mehrfachnutzungen des Dienstes durch dieselben Fluggäste unterstellt, hinterließ nicht einmal jeder hundertste Nutzer eine Bewertung.

Es wirft zumindest die Frage auf: Warum äußern sich 99% der Kunden nicht weiter? Hierfür gibt es gewiss mehrere Erklärungen. Feststehen dürfte aber zumindest, dass die allermeisten schweigenden Kunden weder so begeistert noch verärgert sind, dass sie das Bedürfnis verspüren, ihre Erfahrungen öffentlich kundzutun. Eine mögliche Schlussfolgerung daraus lautet, dass die allermeisten Nutzer durchschnittlich zufrieden sind. Sie schäumen zwar nicht über vor Enthusiasmus über den Service; ihnen widerfuhren umgekehrt aber auch keine größeren Unannehmlichkeiten.

5. Flightright in der Gesamtbewertung

Im Gesamtbild fällt die Erfahrung mit Flightright nach unserer Einschätzung durchschnittlich aus. Das Online-Formular Flightrights zählt zwar zu den fortschrittlichsten der Branche. Gleichwohl überbietet das Unternehmen Mitbewerber weder bei der Entschädigungshöhe noch bei der Dauer bis zur Auszahlung noch bei den Kundenbewertungen. In unserer Gegenüberstellung schneiden Alternativanbieter mitunter deutlich besser ab – teilweise sogar in allen Kategorien (z.B. Ersatz-Pilot). Vor der Entscheidung für einen der Dienste empfehlen wir Fluggästen daher einen Blick auf unseren Vergleich sämtlicher Fluggastportale, den wir hier vorgenommen haben.