Erfahrung mit Fairplane: Bezahldauer, Provision & Kundenbewertungen

Erfahrung mit Fairplane: Bezahldauer, Provision & Kundenbewertungen

Etliche Reisende haben inzwischen Erfahrung mit Fairplane gemacht. Immerhin ist es eines der ältesten Fluggastportale, das Fluggästen bei Ausfall oder Verspätung zu einer Entschädigung verhilft. Mittlerweile bieten aber ebenso zahlreiche Konkurrenten vergleichbare Dienste. Hat Fairplane am Markt also noch die Nase vorn? Um eine Antwort hierauf zu finden, untersucht der Artikel den Service des Unternehmens in allen Einzelheiten und wertet die Erfahrung mit Fairplane aus, die Kunden bisher sammeln.

Dazu wird geprüft,

  1. wie viel Provision Fairplane für sich behält und welche Entschädigung unterm Strich ausgezahlt wird,
  2. wie lange Fairplanes Prozedere bis zur Auszahlung der Entschädigung dauert,
  3. welcher Aufwand einem Kunden entsteht, um den Dienst zu beanspruchen,
  4. was Kunden nach ihrer Erfahrung mit Fairplane vor allem schätzen und was ihnen negativ auffällt (umfassende Sichtung der Einträge auf Bewertungsportalen).

Auf dieser Grundlage ermittelt der Beitrag abschließend, wie sich Fairplane in der Gesamtbewertung schlägt (5.). Unseren Vergleich mit allen anderen Fluggastportalen finden Sie übrigens hier.

1. Provision und Entschädigungshöhe

Art. 7 Abs. 1 FluggastrechteVO verleiht Flugreisenden für erhebliche Flugunregelmäßigkeiten einen Anspruch auf

  • 250 € bei Flugdistanzen von unter 1.500 km,
  • 400 € auf Flugdistanzen bis 3.500 km und
  • 600 € auf Flugdistanzen von mehr als 3.500 km.

Setzt man solche Forderungen mit Fairplane durch, behält das Unternehmen davon für seine Dienste einschließlich Mehrwertsteuer 29 % als Provision. Unterm Strich erhält ein Kunde also

  • 177,50 € bei Kurzstreckenflügen,
  • 284 € bei Mittelstreckenflügen und
  • 426 € bei Langstreckenflügen.

Gleichwohl sind dies nur die Werte bei vollumfänglicher Durchsetzung eines Anspruchs. Gelingt es Fairplane nur, einen Vergleich mit der Airline zu schließen, bewegt sich der ausgezahlte Betrag darunter. Scheitert die erfolgreiche Verfolgung von Forderungen wie in ca. jedem 50. Verfahren vollends, geht der Fluggast sogar völlig leer aus.

Im Hinblick auf die Höhe der Entschädigung rangiert Fairplane im Vergleich zu Konkurrenten eher auf einem vorderen Platz, allerdings nicht an der Spitze. Gerade von den Sofortentschädigern zahlen viele (aber nicht alle) erheblich weniger. Umgekehrt versprechen manche Fluggastportale sogar einige dutzend Euro mehr pro Anspruch.

2. Dauer des Verfahrens zur Entschädigung

Wer schon Erfahrung mit Fairplane hat, weiß: Das Fluggastportal agiert vornehmlich als Inkasso-Dienstleister. Seine Tätigkeit besteht weniger in einer Sofortentschädigung gegen Forderungsabtretung, sondern in der Verfolgung von Ansprüchen des Kunden. Infolgedessen überweist Fairplane eine Entschädigung erst, nachdem die Fluggesellschaft eine Forderung anerkannt und ausgeglichen hat. Abhängig von der Airline und der Lage des Einzelfalls unterscheiden sich die Auszahlungszeiten also deutlich. In manchen Konstellationen leisten Airlines zeitnah nach anfänglichen Aufforderungen. Leitet Fairplane den Beitrag zudem zügig weiter, beläuft sich die Wartezeit eines Kunden auf „bloß“ drei bis fünf Wochen zwischen Beauftragung Fairplanes und Zahlungseingang auf seinem Konto.

Das beschreibt jedoch den Best Case. Laut Kundenbewertungen ereignen sich daneben häufig Fälle, in denen Fairplane Anwälte hinzuziehen oder gar klagen muss.

Eine außergerichtliche Verfolgung des Anspruchs durch einen Anwalt dauert hierbei 1-3 Monate. Sie beginnt außerdem frühestens, sobald Fairplane sie für erforderlich halten muss. Andernfalls darf das Unternehmen einer Fluggesellschaft nämlich keine Anwaltskosten aufbürden, sondern hat sie eigenständig auszugleichen. Als notwendig gilt eine anwaltliche Rechtsverfolgung jedoch erst, nachdem eine Airline einer Zahlungsaufforderung ohne Anwalt nicht Folge leistet. Deren Frist muss also zunächst ablaufen und ggf. sogar eine Fristverlängerung, die die Airline zur Bearbeitung erbittet. Ist also ein Anwalt heranzuziehen, ergeben sich für Kunden effektiv Wartezeiten von 2-4 Monaten.

Bleibt die Fluggesellschaft weiterhin hartnäckig und lässt sie es auf ein Gerichtsverfahren ankommen, ist mehr Geduld gefragt. Auf welche genaue Dauer sich Fluggäste einstellen müssen, richtet sich danach, ob die verklagte Airline in Deutschland, im EU-Ausland oder einem Drittstaat angesiedelt ist. Gegen deutsche Airlines können Verfahren nämlich auf Deutsch geführt werden; ansonsten muss hingegen üblicherweise jeder Schriftsatz übersetzt werden. Das nimmt Zeit in Anspruch. Ziehen sich Prozesse gegen inländische Fluggesellschaften bis zur Zahlung in der Regel über 4-10 Monate, dauern sie gegen ausländische Airlines teilweise über Jahre. Kundenbewertungen erwähnen mitunter Gerichtsverfahren, in denen erst nach 2-3 Jahren ein Urteil ergeht.

Im Durchschnitt dauert die Auszahlung gemessen an der bisherigen Erfahrung mit Fairplane einige Monate. Damit belegt das Unternehmen im Vergleich mit Alternativanbietern einen hinteren Platz. Gerade Sofortentschädiger punkten hingegen dadurch, dass nach ihrem Geschäftsmodell binnen weniger Tage Zahlungen an die Kunden fließen.

3. Aufwand eines Kunden

Ein zentraler Pluspunkt der Erfahrung mit Fairplane gleich zu Beginn: Keinem Kunden entsteht ein Kostenrisiko. Man braucht also für keinen Teilschritt der Rechtsverfolgung in Vorleistung treten – weder für Fairplanes Aktivitäten noch für Anwaltskosten noch für Gerichtsgebühren. Nur im Erfolgsfall überlässt ein Fluggast Fairplane eine Provision. Fairerweise sei ergänzt: Dasselbe garantieren auch die anderen Fluggastportale.

Hervor sticht nach der jüngeren Erfahrung mit Fairplane demgegenüber vor allem das Online-Formular des Unternehmens. Dieses untersucht Anfragen präziser als Abfragemodule der meisten Mitbewerber – einmal abgesehen von denen Flightrights und Ersatz-Pilots. Zugleich vollführt das Online-Modul einen Abgleich der Eingaben mit Einträgen in Flugdatenbanken. Die angeschlossenen Datenbanken scheinen zwar alles andere als vollständig. Aber zumindest teilweise muss der Nutzer den Vorfall auf seinem Flug gar nicht mehr manuell darstellen. Der Aufbau der Online-Abfrage erlaubt zudem die direkte Beauftragung im Internet und erspart diverse nachträgliche Rückfragen. Das beschränkt den Aufwand des Nutzers für die Erfassung seines Falls auf ca. 8-10 Minuten.

Ein geringer Zusatzaufwand entsteht Kunden freilich im Nachgang gerade dort noch, wo ein Anwalt zur Durchsetzung beauftragt werden muss. Hierfür ist gesondert jedenfalls noch eine Vollmacht auszustellen.

Somit minimiert Fairplane den Aufwand für Kunden relativ weitreichend. Auf etwas höherem Niveau ebnen im Vergleich nur zwei andere Anbieter den Weg zur Ausgleichszahlung.

4. Kundenbewertungen zur Erfahrung mit Fairplane

Fairplane verweist darauf, dass das Unternehmen in mehreren Rankings Spitzenplätze erreicht hat. Aber was sagen die Kunden? Auf dem Bewertungsportal Ausgezeichnet.org erzielt Fairplane eine Bewertung von insgesamt 4,89/5 Punkten (Stand: 02.06.2018). Insgesamt berichten dort mehr als 6.000 Kunden über ihre Erfahrung. Bei Google erhält das Unternehmen demgegenüber nur eine Durchschnittsbewertung von 3,6 Sternen – allerdings hat hier nur eine Handvoll Kunden eine Beurteilung hinterlassen. Nutzer des Fluggastportals wirken also überwiegend zufrieden, obgleich vereinzelt kritische Zwischentöne zu vernehmen sind. Der Vergleich mit alternativen Anbieter stellt heraus, dass Fairplane innerhalb der Branche damit eher einen mittleren Platz belegt.

Nachstehend betrachten wir das Feedback im Einzelnen.

Gute Erfahrungen

Die veröffentlichte Erfahrung mit Fairplane spiegelt zunächst die allgemeine Freude der Kunden darüber wider, dass sie überhaupt eine Entschädigung erlangen. Das erhebt Fairplane für sich genommen noch nicht über Mitbewerber; die Häufigkeit des Lobes ist eher Ausdruck der Größe und Bekanntheit des Portals. Im Besonderen begrüßen Kunden darüber hinaus wenig verwunderlich das unkomplizierte Online-Formular und die relativ hohen Entschädigungssummen.

Ganz überwiegend verfolgt der Anbieter ausweislich der ausgewerteten Erfahrung mit Fairplane positiv im Online-Formular geprüfte Forderungen erfolgreich. Kunden können somit erwarten, dass die Beauftragung Fairplanes im Regelfall zu einer Zahlung führt.

Erfreulich finden Rezensenten bei ihrer Erfahrung mit Fairplane ferner die Beharrlichkeit des Unternehmens. So scheut Fairplane auch langwierige Verfahren durchaus nicht per se. Dass das Fluggastportal sich ausschließlich „Rosinen herauspickt“ und kompliziertere Fälle tendenziell ablehnt, stimmt zumindest nicht pauschal.

Positiv heben Kunden zusätzlich hervor, dass Fairplane Entschädigungsbeträge nach Zahlung durch die Airlines rasch auskehrt. Die Wartezeit von Kunden verzögert sich also nicht zusätzlich durch lange Kommunikationsschleifen innerhalb des Unternehmens.

Im Übrigen unterhält Fairplane ein weites Netzwerk von Partneranwälten in Europa und kann daher auch Forderungen im EU-Ausland durchsetzen. Das erhöht das Spektrum der Fälle, die Fairplane bearbeiten kann, und führt zu selteneren Abweisungen wegen einer unzugänglichen Jurisdiktion.

Schlechte Erfahrungen

Auf Unmut stoßen vor allem die langen Wartezeiten, die das Wesen des Geschäftsmodells Fairplanes mit sich bringt. Zwar trifft Fairplane keine Schuld, wenn es zahlungsunwillige Fluggesellschaften auf eine Klage anlegen und der Verfahrensausgang sich hinausschiebt. Gleichwohl zeigen Sofortentschädiger, dass es durchaus möglich ist, Kunden die Geduld bis zur Auszahlung zu ersparen. In den Vorwürfen schwingt insoweit mit, dass Fairplane trotz einer Provision von 29 % das Risiko eines offenen Verfahrensausgangs nicht bereitwillig schultert. Das Problem vergrößert sich außerdem, weil Fairplane offenbar in gleichgelagerten Fällen laut manchen Kundenaussagen erst taktisch eine Klage für eine Forderung voranschiebt. Erst infolge der gerichtlichen Entscheidung über diese beginnt die Durchsetzung der übrigen Ansprüche. Das reduziert zwar das Prozesskostenrisiko, verlängert aber die Verfahren zum Nachteil der Fluggäste und trübt ihre Erfahrung mit Fairplane.

Darüber hinaus bemängeln einige Kunden, Fairplane breche gelegentlich Verfahren wider Erwarten ab, falls sich herausstellt, dass die Durchsetzung schwerer fällt als anfangs angenommen. Bemängelt wird vor allem die Widersprüchlichkeit der Aussagen. So bemerkt der Anbieter gelegentlich erst im laufenden Verfahren die Aussichtslosigkeit, während er entsprechende Fälle anfangs noch als erfolgsträchtig eingestuft hatte. Das führt zu Unverständnis. Betroffene Kunden wundern sich, weshalb sie sich überhaupt die Mühe einer Beauftragung gemacht haben und nicht schon im ersten Schritt eine genauere Untersuchung ihrer Fälle erfolgte. Verstärkt wird dieser unangenehme Eindruck noch, weil sich etliche Flugreisende in einer solchen Situation nachträglich an ein anderes Portal wandten und dieses ihre Forderungen oftmals erfolgreich durchsetzen konnte.

Zudem kritisiert der eine oder andere Kunde, dass bei Fairplane gelegentlich Statusupdates zum Stand des Verfahrens fehlen. Als verwirrend empfinden es einige Nutzer außerdem, dass ihnen im Falle einer anwaltlichen Forderungsdurchsetzung zwei Ansprechpartner gegenüberstehen: Fairplane und eine Kanzlei. Das erhöht zugleich den Kommunikationsaufwand.

Wiederholt beargwöhnen Kunden außerdem die Qualität einiger Partneranwälte und im Besonderen deren unzureichende Kommunikationskompetenz. Weiterhin kommt es zuweilen zu Problemen in der Buchhaltung von Partnerkanzleien Fairplanes. Offensichtlich werden Zahlungen der Airlines manchmal erst auf Nachfrage weitergeleitet.

Wie repräsentativ sind die gesichteten Bewertungen?

Die Menge verfügbarer Erfahrungsberichte scheint auf den ersten Blick beeindruckend; sie ermöglicht ein gefestigtes Urteil, das sich auf ein breites Spektrum von Einzelmeinungen stützt. Dennoch fällt auf, dass der Fundus öffentlicher Bewertungen im Verhältnis zur Kundenzahl insgesamt wie eine bloße Stichprobe wirkt. Nach eigenem Bekunden gelang es Fairplane nämlich, allein 2017 für Kunden über 36.000 Verfahren erfolgreich zu führen. Zugleich erfährt man auf dem Firmenprofil unter Ausgezeichnet.org, dass der Anbieter binnen 12 Monaten bloß etwas mehr als 600 Bewertungen sammelt. Kaum jeder sechzigste Nutzer der Plattform tut also seine Meinung kund.

Das provoziert die Frage: Weshalb geben ~98,5% der Kunden keine Bewertung ab? Hierfür kommt gewiss mehr als ein einzelner Grund in Betracht. Allerdings liegt es nahe, dass die allermeisten schweigenden Kunden immerhin weder so fasziniert noch verstimmt sind, dass sie den Wunsch haben, ihre Erfahrungen öffentlich zu schildern. Eine denkbare Folgerung hieraus besagt, dass die allermeisten Nutzer recht zufrieden sind. Sie schäumen zwar nicht über vor Begeisterung über den Service; umgekehrt erlebten sie aber auch keine nennenswerten Unannehmlichkeiten.

5. Gesamtbewertung

In der Gesamtbetrachtung legt die Erfahrung mit Fairplane unseres Erachtens ein durchschnittliches Urteil nahe. Fairplane hat sein Online-Formular zwar inzwischen überarbeitet, reicht aber nicht an den Standard von Flightright und Ersatz-Pilot heran. Gleichzeitig überragt das Fluggastportal Konkurrenten weder bei der Entschädigungshöhe noch bei den Kundenbewertungen noch bei der Dauer bis zur Auszahlung. In unserer Gegenüberstellung belegen manche Alternativanbieter bessere Plätze – einige sogar in sämtlichen Kategorien (z.B. Ersatz-Pilot). Vor der Auswahl eines Dienstes lohnt sich für Flugreisende daher ein Blick auf unseren Vergleich sämtlicher Anbieter, den wir hier veröffentlicht haben.