Legal.Tech-nically – Legal Tech aus der Innenperspektive

Legal.Tech-nically – Legal Tech aus der Innenperspektive

Hintergrund des Blogs: Legal Tech im Jahr 2017

Die Gründung der DiRiSo passt zur allgemeinen Aufbruchsstimmung, wie man sie seit geraumer Zeit im „Legal Tech“-Segment der Rechtsbranche wahrnimmt. Man könnte auch sagen: Wir springen schlichtweg auf den Zug derjenigen auf, die Folgendes verinnerlicht haben:

  1. Rechtsnormen knüpfen Rechtsfolgen an Rechtsvoraussetzungen. Sie funktionieren insofern nach einem Wenn-Dann-Schema.
  2. Ein Wenn-Dann-Schema lässt sich hervorragend in Code abbilden.
  3. Rechtliche Prüfungen sind somit einer IT-gestützten Automatisierung sehr zugänglich.

Solche Überlegungen wirken fast schon banal. Dennoch teilt unter Juristen bislang nur eine Minderheit die besagte Einschätzung. In der Lebenswirklichkeit der meisten Berufsträger und Aspiranten spielt Legal Tech jedenfalls keine ernstzunehmende Rolle:In der Ausbildung sind Legal Tech Kurse 2017 noch immer ein Randphänomen.

Das ist nur konsequent, mündet das Studium doch ins erste juristische Staatsexamen, dessen zentrale Herausforderung darin besteht, sich eine respekteinflößende Stoffmenge ins Hirn zu repetieren. Eben diese in Klausuren ohne Hilfsmittel außer dem Gesetzestext aus der Erinnerung zu holen, ist zwar ohne Frage eine äußerst disziplinierte Gedächtnisleistung. Dennoch stellt sich im 21. Jahrhundert die Frage nach dem ökonomischen Mehrwert solcher Memorierfertigkeiten, wenn jeder Zweitsemesterstudent ebenso gut auf juristischen Datenbanken wie Beck-Online weit mehr als das gesamte examensrelevante Fachwissen in Sekundenschnelle abrufen kann – und zwar lückenloser, als es irgendein Prädikatskandidat aus seinem Erinnerungsvermögen hervorzukramen im Stande wäre.

Trotzdem wäre es falsch zu behaupten, dass die erste Staatsprüfung nicht auf den Anwaltsberuf vorbereitet. Schließlich passt das Anforderungsprofil des Examens gut zu einem Berufsalltag, in dem etliche Anwälte selbst im Umgang mit Office-Programmen bestenfalls Grundfunktionen beherrschen. Und in der Tat: Im juristischen Mikrokosmos entspricht etwas Erfahrung mit MS Word sicherlich noch dem Gold-Standard der IT-Kompetenz. Nichtsdestotrotz fällt solche Technikferne im Vergleich zur restlichen Wirtschaftswelt völlig aus der Zeit, wenn gleichzeitig anderswo Bots für Presseagenturen über Unternehmensentwicklungen berichten, IBM Watson Krankheiten diagnostiziert und Therapien empfiehlt und Pkw wie Lkw bald autonom fahren. So viel zum technologischen Anachronismus der konventionellen Jurisprudenz.

Ebenso irrlichternd scheint auf der anderen Seite aber zuweilen auch das Eigenleben, das die Legal-Tech-Avantgarde fernab der zentralen juristischen Diskursräume führt: So sehr manche Digitalisierungsvorreiter beispielsweise bereits das Zeitalter der vollwertig humanoiden künstlichen Intelligenz herbeischreiben, so weit sind wir bei bodenständiger Betrachtung von solchen Wunderwerken noch entfernt.

Haltung des Blogs zu Legal Tech

Dieser Blog geht einen Mittelweg – zwischen der alteingesessenen Technophobie der Anwaltszunft und dem Legal Tech Hype manches überdynamischen Start-Up-Entrepreneurs. Wir wollen einerseits die Entwicklung im Bereich Legal Tech nüchtern aufarbeiten. Zudem möchten wir Geschäftsideen der Branche kritisch auf den Prüfstand stellen, ohne sie zu zerreden. Außerdem wollen wir ohne Scheuklappen ausloten, wie disruptiv sich die Digitalisierung von Rechtsdienstleistungen auswirkt, ohne sie blindlings hochzuschreiben.

Bei alledem sind wir natürlich keine vollkommen distanzierten Betrachter des Geschehens. Da wir selbst Legal Tech Anwendungen entwickeln, können und wollen wir nur die Perspektive eines Marktteilnehmers einnehmen. Was heißt das?Unvermeidbar legen wir unseren Analysen gewisse Vorannahmen zugrunde; etwa, dass sich diverse Rechtsdienstleistungen tatsächlich gewinnbringend automatisieren lassen. Auch gebietet es der faire Wettbewerb, den Blog weder zur Bemäkelung der direkten Konkurrenz noch zur Eigenwerbung zu instrumentalisieren.

Themen des Blogs

Da wir selbst in der Branche tätig sind, profitieren wir gleichwohl davon, dass sich unsere Analysen auf direkte Eigenerfahrungen stützen. Wir haben Referenzwerte dafür vor Augen, was die Zielgruppe für bestimmte Legal Tech Produkte zu zahlen bereit ist, wie arbeitsintensiv die Entwicklung bestimmter Tools ist, wie komplex juristische Fragen ausfallen, deren Prüfung automatisiert werden soll usf. Gerade solche Daten, die man gern als „Branchenkenntnis“ verschlagwortet, bereiten wir für Leser auf – und zwar in drei Rubriken: Einerseits kommentieren wir in der Kategorie Legal Tech News Neuigkeiten zu den Unternehmen, die sich der Digitalisierung des Rechtsmarktes widmen. Vor allem möchten wir dabei Ereignisse aus der Legal Tech Szene in die Gesamtentwicklung der Branche einordnen.

Außerdem nehmen wir uns in regelmäßigen Beiträgen bestehende Geschäftsmodelle vor und untersuchen kritisch-konstruktiv ihre Erfolgsträchtigkeit (Kategorie: Legal Tech Reviews).

Darüber hinaus präsentieren wir gelegentlich Digitalisierungsideen, die bislang noch überhaupt kein Unternehmen realisiert (Kategorie: Legal Tech Ideas). Ansonsten ist es aber auch gut möglich, dass sich im Laufe des Blogbetriebs weitere Themenfelder erschließen.