Warum wir nicht zur 7. Herbsttagung an der Bucerius Law School gehen

Warum wir nicht zur 7. Herbsttagung an der Bucerius Law School gehen

Das Legal Tech Großevent in diesem Monat ist ohne Zweifel die 7. Herbsttagung an der Bucerius Law School. Für uns trifft sich das im Prinzip gut, zumal die DiRiSo in der Hamburg Area ihren Sitz hat und unser Team dort Legal Tech Veranstaltungen routinemäßig mitnimmt. Insbesondere diejenigen mit anständigem Buffet, wie die Legal Tech Meetups. Nun zweifeln wir keineswegs daran, dass die Law School in der Lage ist, einen akzeptablen Caterer aufzutreiben und für das leibliche Wohl zu sorgen. Für den Überseeclub, wo der Begrüßungsabend steigt, gilt das sowieso. Trotzdem gehen wir nicht zur 7. Herbsttagung. Wieso?

Das Schlüsselwort lautet Verhältnismäßigkeit oder besser: Unverhältnismäßigkeit. Sportliche 490 € kostet ein Ticket für den Haupttag und dafür bekommt man ein paar Vorträge, gecatertes Mittagessen und etwas Networking inklusive 2-3 Gratis-Kaffees. Ich weiß nicht, was die knapp 300 Gäste der 7. Herbsttagung an diesem Angebot finden, aber da, wo ich herkomme, kann man sein Geld besser anlegen.

Die Alternative zur 7. Herbsttagung

Zum Beispiel könnte ich mir den interessantesten Redner aus dem Line-Up greifen und für den aufgerufenen Betrag in ein Sterne-Restaurant seiner Wahl einladen.

Das bessere Essen

Das hätte erstens den angenehmen Nebeneffekt, dass das Essen vortrefflich ist. Catering-Mahlzeiten in allen Ehren, man kann fraglos auch am Buffet Fantastisches auffahren, wie unsere Freunde von Hogan Lovells es routinemäßig tun. Aber trotzdem: In einer ganz anderen Liga spielt natürlich ein Sieben-Gänge-Menü mit, sagen wir, Hasenfilet in Whiskey-Marinade in einem der Hauptgänge und Lavendelblüteneis zum Dessert.

Der bessere Vortrag

Und weil das so ist, habe ich bei einem solchen Abendessen auch eher die Gelegenheit, einer interessanten Legal Tech Persönlichkeit mehr als nur ein paar Gemeinplätze zu entlocken. Gemeinplätze, wie sie die 300 Gäste der 7. Herbsttagung en masse zu hören bekommen, wenn Freshfields Partner und Manager von den vielen tollen Disruptions und Opportunities der Legal Technolgy schwafeln berichten. Die zugehörigen polierten Powerpoint-Slides lässt hingegen selbst der distinguierteste Speaker daheim, wenn man ihm beim Abendessen gegenübersitzt und der Laptop mit Pitchdeck dem Teller mit den Garnelen im Orangen-Chili-Mantel weicht. Ebenso außen vor bleiben dann meist die Plattitüden, das Offensichtliche, Oberflächliche, Massenkompatible. Stattdessen hat man sieben Gänge lang Zeit, einmal die interessanteren Ansichten der jeweiligen Person abzuklopfen.

Will sagen: Man hat Gelegenheit zu Fragen, die das neuste Buch des Speakers offen lässt und sein Vortrag bestenfalls anteasert. So ein aktuelles Buch von den Ausrichtern der 7. Herbsttagung kostet übrigens 79 € auf Amazon. Am Rande erwähnt: Es ist einigermaßen peinlich, dass die Legal Tech Avantgarde es für diesen Preis nicht einmal hinbekommt, ihr Werk als E-Book bereitzustellen. Wichtiger ist an dieser Stelle allerdings der Umstand, dass man in den meisten Sterne-Restaurants günstig genug wegkommt, um für den Tagungspreis nicht bloß das Abendessen, sondern gleich noch das Buch des Speakers zu zahlen. Zugegebenermaßen kann das Buch kein Catering-Lunch kredenzen, aber dafür entfaltet es die Überlegungen der Speaker deutlich tiefgründiger als ihr jeweiliger Redebeitrag. Und für das Essen verbleibenden einem ja die restlichen 411 €.

Das bessere Netzwerk

Bleibt also noch das Networken. Das müsste doch am Stehtisch auf der 7. Herbsttagung besser klappen als im Sterne-Lokal. So legt es zumindest jeder Werbeprospekt für derlei Events nahe. Meine eigenen Erfahrungen weichen davon nichtsdestotrotz ab. Und zwar nicht bloß gradweise, sondern diametral. Mit der Größe der Tagung steigt die Anonymität. Natürlich gibt es trotzdem Gespräche am Buffet und, ja, man lernt dabei weit mehr als eine neue Person kennen.

Nur kann ich mich kaum an Gespräche auf solchen Kongressen erinnern, die über bloßen Small-Talk hinausgingen. Ebenso wenig legen nach meiner Erinnerung Konferenz-Kaffeepause den Grundstein für eine nennenswerte Zahl an Freundschaften fürs Leben oder Geschäftspartnerschaften für das nächste Unicorn. Mondäne Abendessen in angenehmer Atmosphäre haben dagegen schon eher Kontakte befördert, die über ein paar lose Linkedin-Bekanntschaften hinausgehen. Und genau weil das so ist, bin ich am 17. November anderweitig verplant.

Schluss

Man kann mir vorhalten, meine reservierte Haltung zur 7. Herbsttagung sei dennoch vorschnell, überzogen, undifferenziert. Und selbstverständlich bin ich immer gerne bereit, mich eines Besseren belehren zu lassen. Und wer weiß, vielleicht widerlegt das Event ja all meine Befürchtungen. Wenn ich mir allerdings den vor Sponsored Content triefenden Promoblog  Newsblog des Veranstalters anschaue, habe ich daran so meine Zweifel. Dafür nehme ich es in Kauf, wegen meiner Vorliebe für die Sterneküche statt für Herbsttagungen vermessen genannt zu werden. Kopflos 500 € Kanzleigelder für eine seminützliche Tagung mit rhetorischem Legal Tech Theaterdonner zu expensen, ist es aber vermutlich mindestens genauso.