Monthly Archives

3 Articles

Legal Tech News

Aufsichtsbehörde für Legal Tech angekündigt: Was erwartet uns?

Posted by Jacob Weizmann on
Aufsichtsbehörde für Legal Tech angekündigt: Was erwartet uns?

Diese Woche erklärte Justizsenator Dirk Behrendt im Handelsblatt, die Justizministerkonferenz erwäge, eine Aufsichtsbehörde für Legal Tech zu schaffen. Der Aufschrei aus der Legal Tech Szene ließ nicht lange auf sich warten. Versiert konterten Fiedler, Grupp und Schimang aus Frankfurt. Auch Legal Tech Papst Markus Hartung von der Bucerius Law School brachte sein Unverständnis auf Twitter zum Ausdruck.

Stand der Diskussion über die Aufsichtsbehörde für Legal Tech

Lagerbildung

Die Fronten sind damit geklärt. Ich will es einmal etwas karikiert ausdrücken. Auf der einen Seite stehen technophobe Handakten-Anwälte und Großkanzlei-Veteranen mit Liebe fürs Diktiergerät, aber wenig Sinn für Automatisierung, die ihnen am Ende noch ihre 500 € Stundensätze fürs Paraphrasieren aus Gesetzeskommentaren kaputtmacht. Der Tendenz nach zählen zu ihrer Gruppe auch diejenigen, die die Gesetze schreiben, wenn ein Ministerium das nicht selbst schafft. Man lehnt sich insofern nicht weit aus dem Fenster, wenn man feststellt, dass diese Gruppe gewisse Beziehungen zur Politik unterhält. Wie weit sie reichen, will ich nicht beurteilen. Mit ziemlicher Sicherheit kann man allerdings sagen, dass solche Beziehungen immerhin vorhanden sind.

Nicht behaupten lässt sich das im Gegensatz dazu vom Verhältnis zwischen Politik und der Legal Tech Szene. Sie steht mit ihrem Innovationsoptimismus konventionellen Strukturen der Anwaltschaft gegenüber. In Deutschland dürfte sich der Jahresumsatz der gesamten Branche allerdings noch deutlich unter 100 Millionen Euro bewegen. Für die Regierung einer Volkswirtschaft mit einem BIP von 3,14 Milliarden Euro ist das zu unerheblich, als dass sie regelmäßig die Nähe zu Exponenten dieses Marktes sucht.

Meinungen

Was sich da also in dem Streit um die Aufsichtsbehörde für Legal Tech andeutet, ist eine Auseinandersetzung, die bildgewaltige Assoziationen weckt. Zumindest bei den Diskussionsteilnehmern auf Twitter. Assoziationen zum Kampf von David gegen Goliath, von Uber gegen die Taxi-Industrie, von Airbnb gegen die Hotelketten. Das hat die Legal Tech Szene im Kopf und ich gebe zu, das waren auch meine ersten Gedanken.

Genauso vorhersehbar und plump fiel die Reaktion der mitdebattierenden Handakten-Anwälte aus. Schließlich würde doch jede Branche reguliert und schließlich dürften diese Legal Tech Anarchos da keine Ausnahme machen. Da könnt ja jeder kommen.

Einzelne warnten dann noch vor der Überreaktion und gingen davon aus, Justizsenator Behrendt und die regulierungsaffinen konventionellen Juristen würden den digitalen Markt einfach falsch einschätzen. Schließlich sei es doch so, dass Legal Tech ohnehin nur ersetzt, wofür es heute keine Anwälte braucht. Eine These, die sogar das Gütesiegel von Herrn Hartung höchstselbst beanspruchen darf. Niemand nehme also jemand anderem etwas weg, keiner müsse Konkurrenz befürchten, der Konflikt beruhe auf einem einzigen Missverständnis.

Reflexion

Mit ein bisschen Abstand gewinnt die Diskussion mehr Tiefe. Ich behaupte, die Thesen aller drei erwähnten Positionen sind auf ihre Weise falsch.

Die Mär von der friedlichen Koexistenz

Die Auffassung, Legal Tech und konventionelle Anwälte würden nicht konkurrieren, hat den Charme, dass sie niemandem auf die Füße tritt. Jeder kann sich darin wiederfinden. Eine Aufsichtsbehörde für Legal Tech wäre obsolet. Stattdessen kooperieren alle harmonisch.

Genau deshalb befürchte ich aber, dass hier eher der Wunsch Vater des Gedankens ist. Denn Legal Tech löst bei bestimmten Arbeitsschritten schon heute Anwälte ab. Und das eher mit zunehmender als mit abnehmender Tendenz. Beispiel Due Diligence. Man kann vor allem in den USA seit der Finanzkrise beobachten, wie Kanzleien die Durchsicht von Verträgen aus menschlichen Händen nehmen und einer E-Discovery-Software überantworten. Die verlangt keine Lohnnebenkosten, keine Bürofläche, keinen bezahlten Jahresurlaub. Die Software ist nie krank und sie arbeitet Verträge gründlicher und schneller durch als jede menschliche Arbeitskraft.

Das Gegenargument der Koexistenztheoretiker ist natürlich bekannt. Die Due Diligence Anwälte erledigen dafür künftig einfach nur noch die Schokoladenseite des Anwaltsjobs. Empathie zeigen, mit Menschen arbeiten, Strategien entwerfen, so in etwa die Vision. Das scheint mir aber zu sehr vom Ergebnis her gedacht und weniger aus tatsächlichen ökonomischen Erwägungen. Wer eine Kanzlei mit Gewinnerzielungsabsicht führt, setzt die freigewordenen Due Diligence Anwälte nicht alle zur Förderung der Kundenbeziehung bei Kaffee und Kuchen ein. Und er zahlt ihnen auch nicht das gleiche Gehalt für weniger Arbeit. Realistischer ist, dass er ihnen die Arbeitszeit und den Lohn kürzt oder sie ganz entlässt.

Die so ge-„offboardeten“ Juristen können sich dann natürlich immer noch auf eine der Stellen bewerben, die die Software entwickeln, die sie selbst wegautomatisiert hat. Aber ist das dann nicht schon wieder Legal Tech? Lautete die These nicht, dass Legal Tech genug von der konventionellen Anwaltstätigkeit übrig lässt, dass alle wie gehabt in diesem Bereich weiterarbeiten können?

Wachsende Konkurrenz

Übrigens: Dieses Phänomen der direkten Konkurrenz von klassischer Anwälte und Legal Tech wird nicht bei E-Discovery stehenbleiben. Dass momentan Legal Tech Unternehmen wie Ersatz-Pilot vorwiegend leicht automatisierbare Massenverfahren automatisieren, liegt nicht etwa daran, dass rechtliche Prüfungen ansonsten nicht rentabel automatisierbar sind. Der Grund dürfte vor allem darin bestehen, dass Märkte mit schematischen Standardfällen sich für den Einstieg so gut eignen. Für entsprechende Algorithmen genügt auch das bisher dürftige Startkapital.

Aber je mehr Entwicklungsaufwand ein Legal Tech Unternehmen stemmen kann, desto eher geraten daneben juristische Prüfungen aus der konventionellen anwaltlichen Praxis in den Fokus. Ein interessantes Beispiel ist insofern Abfindungsheld, ein Startup, das sich an gekündigte Arbeitnehmer richtet, die alternativ einen Anwalt für Arbeitsrecht beauftragen könnten.

Niemand hat die Absicht, überkommene Geschäftsmodelle zu protegieren

Verbraucherschutz?

Es wäre vor diesem Hintergrund sehr nachvollziehbar, wollten Anwälte wie vor ihnen etwa die Taxi- und die Hotelindustrie Regulierungen nutzen, um die digitale Konkurrenz auszubremsen. Aber vielleicht ist das ja wirklich nicht der Hauptimpuls hinter der jetzt angedachten Aufsichtsbehörde für Legal Tech. Vielleicht handeln die verantwortlichen Politiker nur aus dem Bedürfnis heraus, einer jungen Industrie Leitplanken zu setzen, damit sie keine öffentliche Interessen wie den Verbraucherschutz gefährdet. Solche Erwägungen führte sogar Justizsenator Behrendt an, als er die Risiken von Flightright und Co. als Begründung für die Aufsichtsbehörde anführte.

Und stimmt es denn nicht, dass die Fluggastportale sich für ihre Dienste eine erhebliche Marge von den Entschädigungen einbehalten, die sie für ihre Kunden beitreiben? Wäre es nicht gerechter, Gerichte würden Fluggästen den vollständigen Betrag zusprechen?

Ja das wäre es. Aber dann müssten diese Fluggäste dafür selbstständig vor Gericht ziehen, ihre Entschädigung allein durchsetzen und in Vorleistung treten. Das ist nicht jedermanns Sache und gerade deswegen existieren die Fluggastportale. Es beruht also auf dem freien Entschluss der Verbraucher, sich für einen der Fluggastentschädiger zu entscheiden. Sie dabei zu reglementieren, hieße sehr bald, Verbraucher vor sich selbst zu schützen.

Oder Protektionismus?

Das gilt erst recht, weil sich Verbraucher vor allem über digitale Produkte transparenter denn je mithilfe anderer Kundenbewertungen informieren können. Wo genau die Aufsichtsbehörde darüber hinaus einen Beitrag zum Verbraucherschutz leisten will, erschließt sich mir nicht. Ich verstehe deshalb, dass Legal Tech Unternehmen befürchten, es gehe bei der angedachten Aufsichtsbehörde für Legal Tech nur beiläufig um Verbraucher- und primär um Konkurrenzschutz.

Denn die Hauptleidtragenden der Legal Technology sind unbestreitbar konventionelle Anwälte. Ihnen, die sie mühsam nach über sieben Jahren zwei Examina erworben haben, wollen nun ein paar juppige Startups den Rang ablaufen?! Das kann ja wohl nicht angehen.

Es braucht keine Verschwörungstheorien, um zu mutmaßen, dass nicht zuletzt dieser Geist aus den angekündigten Regulierungen atmet. Insbesondere, weil die mit der Formulierung der Vorschriften betrauten Referenten vermutlich selbst Juristen sind.

Aufsichtsbehörde für Legal Tech: nicht Goliath, sondern ein Zyklop

Trotzdem fällt mein Fazit optimistisch aus. Aus folgender Überlegung:

Gemessen an der Marktkapitalisierung beschreibt zwar am ehesten der Vergleich zwischen David und Goliath das bevorstehende Kräftemessen zwischen Legal Tech und konventioneller Anwaltschaft. So mächtig wie Goliath ist letztere dann aber doch nicht.

Denn es kommt nicht von ungefähr, dass die Rechtspflege eine der letzten Branchen ist, die sich digitalisiert. Die Mühlen der juristischen Zunft mahlen langsam. Und es wäre eigenartig, wenn ausgerechnet die innovationsaversen Kräfte agiler den Fortschritt verhindern, als IT-affine Unternehmen ihn vorantreiben. Ins Bild passt insofern, dass die Justizministerkonferenz typischerweise erst nach zweijähriger Beratung eine Handlungsempfehlung vorlegt. Es steht also nicht zu befürchten, dass der Legal Tech Industrie bereits allzu schnell ein Riegel vorgeschoben wird.

Und selbst wenn es überhaupt dazu kommt, hinkt der Vergleich zur Reglementierung von Uber und Airbnb noch an einem weiteren Punkt. Das Produkt Rechtsberatung ist noch weniger greifbar als das Produkt Unterkunfts- oder Transportvermittlung. Automatische Rechtsdienstleistungen können nahezu ortsunabhängig erbracht werden.

Und mehr noch: Genau wie auf der Seite der Regulierer studierte Experten der Regeln sitzen, sitzen typischerweise auf der Seite der Regulierten studierte Meister der Ausnahmen. Flightright leistet unter § 2 RDG Rechtsdienstleistungen für andere und bedürfte einer Anwaltszulassung? Schön, dann kauft Ersatz-Pilot eben die Forderungen selbst und leistet zulässige Rechtsdienstleistungen für sich selbst. Oder ein Fluggastentschädiger wickelt seine Fälle über eine Anwalts-GmbH ab. Es besteht wenig Zweifel, dass Juristen dieses Katz- und Mausspiel perfektionieren werden.

Was mich hoffnungsvoll stimmt, ist deshalb die Vermutung, dass Legal Tech es im anstehenden Konkurrenzkampf vermutlich nicht mit Goliath, sondern mit einem Zyklopen zu tun hat. Mächtig, aber zu ungelenk, um agile digitale Nachwuchsunternehmen ernsthaft aus der Bahn zu werfen.

Legal Tech News

„Riding the Hype-Cycle“ – Legal.Tech-nically auf Twitter

Posted by Jacob Weizmann on
„Riding the Hype-Cycle“ – Legal.Tech-nically auf Twitter

Irgendwer sagte wohl auf der Bucerius Herbsttagung und dann bei Twitter, man müsse bei Legal Tech heutzutage den „Hype-Cycle“ reiten. Als nüchterne Spektanten der Entwicklung passt das natürlich nicht ganz zu unserem Motto. Ich bin trotzdem seit einigen Wochen auf Twitter unterwegs, um dort zwischendurch ein bisschen Input zu aktuellen Entwicklungen zu geben.

Berechtigte Frage: Muss das sein? Muss man sich wirklich öffentlich der täglichen „Seelenblähung“ (Ole von Beust dixit) entledigen? Natürlich nicht. Aber es sind einige Umstände zusammengekommen, die für uns den Ausschlag gegeben haben, es mit Twitter einmal zu versuchen.

Grund 1: Da das Projekt DiRiSo Fahrt aufnimmt, kann ich nicht versprechen, dass ich jede Woche einen neuen Beitrag abliefern kann. Ein paar Beiträge auf Twitter sind da leichter beizusteuern.

Grund 2: Man kann dort jetzt 280 Zeichen pro Tweet nutzen. Und das gestattet ja zumindest schon mal zwei Gedanken am Stück. Für uns als „sowohl als auch“-Kommentatoren ist das ein willkommenes Mindestmaß zur Differenzierung.

Grund 3: Wenn sich die Legal Tech Szene mal nicht an Buffets auf Branchenevents tummelt, ist sie häufig auf Twitter unterwegs. Und wenn man wie wir über sie schreibt, dann sollte man das aus nächster Nähe tun. Nirgendwo sonst bekommt man ein so gutes Verständnis für das Lebensgefühl einer Subkultur, die in der permanenten Erwartungshaltung lebt, morgen bräche Deepminds Inferno der Künstlichen Intelligenz und der Blockchain Lawyer über uns herein.

Übrigens. Also nur, damit wir uns nicht falsch verstehen. Natürlich überzeichne und pauschalisiere ich in dieser Hinsicht stark. Aber ich empfinde es als durchaus heilsam für alle Beteiligten der Legal Tech Szene, zu der wir ja irgendwo auch gehören, wenn man sich nicht todernst nimmt und in der Lage ist, sich zur Abwechslung gelegentlich selbst zu karikieren. Es ist nicht jedermanns Humor, insbesondere nicht derjenige der hartnäckigsten AI-Apologeten der Legal Technology, für den es die reinste Häresie darstellen muss. Aber zum Glück muss auch nicht jedermann Gefallen an diesem Blog finden; es reicht, wenn’s der eine oder andere tut.

Legal Tech News

Warum wir nicht zur 7. Herbsttagung an der Bucerius Law School gehen

Posted by Jacob Weizmann on
Warum wir nicht zur 7. Herbsttagung an der Bucerius Law School gehen

Das Legal Tech Großevent in diesem Monat ist ohne Zweifel die 7. Herbsttagung an der Bucerius Law School. Für uns trifft sich das im Prinzip gut, zumal die DiRiSo in der Hamburg Area ihren Sitz hat und unser Team dort Legal Tech Veranstaltungen routinemäßig mitnimmt. Insbesondere diejenigen mit anständigem Buffet, wie die Legal Tech Meetups. Nun zweifeln wir keineswegs daran, dass die Law School in der Lage ist, einen akzeptablen Caterer aufzutreiben und für das leibliche Wohl zu sorgen. Für den Überseeclub, wo der Begrüßungsabend steigt, gilt das sowieso. Trotzdem gehen wir nicht zur 7. Herbsttagung. Wieso?

Das Schlüsselwort lautet Verhältnismäßigkeit oder besser: Unverhältnismäßigkeit. Sportliche 490 € kostet ein Ticket für den Haupttag und dafür bekommt man ein paar Vorträge, gecatertes Mittagessen und etwas Networking inklusive 2-3 Gratis-Kaffees. Ich weiß nicht, was die knapp 300 Gäste der 7. Herbsttagung an diesem Angebot finden, aber da, wo ich herkomme, kann man sein Geld besser anlegen.

Die Alternative zur 7. Herbsttagung

Zum Beispiel könnte ich mir den interessantesten Redner aus dem Line-Up greifen und für den aufgerufenen Betrag in ein Sterne-Restaurant seiner Wahl einladen.

Das bessere Essen

Das hätte erstens den angenehmen Nebeneffekt, dass das Essen vortrefflich ist. Catering-Mahlzeiten in allen Ehren, man kann fraglos auch am Buffet Fantastisches auffahren, wie unsere Freunde von Hogan Lovells es routinemäßig tun. Aber trotzdem: In einer ganz anderen Liga spielt natürlich ein Sieben-Gänge-Menü mit, sagen wir, Hasenfilet in Whiskey-Marinade in einem der Hauptgänge und Lavendelblüteneis zum Dessert.

Der bessere Vortrag

Und weil das so ist, habe ich bei einem solchen Abendessen auch eher die Gelegenheit, einer interessanten Legal Tech Persönlichkeit mehr als nur ein paar Gemeinplätze zu entlocken. Gemeinplätze, wie sie die 300 Gäste der 7. Herbsttagung en masse zu hören bekommen, wenn Freshfields Partner und Manager von den vielen tollen Disruptions und Opportunities der Legal Technolgy schwafeln berichten. Die zugehörigen polierten Powerpoint-Slides lässt hingegen selbst der distinguierteste Speaker daheim, wenn man ihm beim Abendessen gegenübersitzt und der Laptop mit Pitchdeck dem Teller mit den Garnelen im Orangen-Chili-Mantel weicht. Ebenso außen vor bleiben dann meist die Plattitüden, das Offensichtliche, Oberflächliche, Massenkompatible. Stattdessen hat man sieben Gänge lang Zeit, einmal die interessanteren Ansichten der jeweiligen Person abzuklopfen.

Will sagen: Man hat Gelegenheit zu Fragen, die das neuste Buch des Speakers offen lässt und sein Vortrag bestenfalls anteasert. So ein aktuelles Buch von den Ausrichtern der 7. Herbsttagung kostet übrigens 79 € auf Amazon. Am Rande erwähnt: Es ist einigermaßen peinlich, dass die Legal Tech Avantgarde es für diesen Preis nicht einmal hinbekommt, ihr Werk als E-Book bereitzustellen. Wichtiger ist an dieser Stelle allerdings der Umstand, dass man in den meisten Sterne-Restaurants günstig genug wegkommt, um für den Tagungspreis nicht bloß das Abendessen, sondern gleich noch das Buch des Speakers zu zahlen. Zugegebenermaßen kann das Buch kein Catering-Lunch kredenzen, aber dafür entfaltet es die Überlegungen der Speaker deutlich tiefgründiger als ihr jeweiliger Redebeitrag. Und für das Essen verbleibenden einem ja die restlichen 411 €.

Das bessere Netzwerk

Bleibt also noch das Networken. Das müsste doch am Stehtisch auf der 7. Herbsttagung besser klappen als im Sterne-Lokal. So legt es zumindest jeder Werbeprospekt für derlei Events nahe. Meine eigenen Erfahrungen weichen davon nichtsdestotrotz ab. Und zwar nicht bloß gradweise, sondern diametral. Mit der Größe der Tagung steigt die Anonymität. Natürlich gibt es trotzdem Gespräche am Buffet und, ja, man lernt dabei weit mehr als eine neue Person kennen.

Nur kann ich mich kaum an Gespräche auf solchen Kongressen erinnern, die über bloßen Small-Talk hinausgingen. Ebenso wenig legen nach meiner Erinnerung Konferenz-Kaffeepause den Grundstein für eine nennenswerte Zahl an Freundschaften fürs Leben oder Geschäftspartnerschaften für das nächste Unicorn. Mondäne Abendessen in angenehmer Atmosphäre haben dagegen schon eher Kontakte befördert, die über ein paar lose Linkedin-Bekanntschaften hinausgehen. Und genau weil das so ist, bin ich am 17. November anderweitig verplant.

Schluss

Man kann mir vorhalten, meine reservierte Haltung zur 7. Herbsttagung sei dennoch vorschnell, überzogen, undifferenziert. Und selbstverständlich bin ich immer gerne bereit, mich eines Besseren belehren zu lassen. Und wer weiß, vielleicht widerlegt das Event ja all meine Befürchtungen. Wenn ich mir allerdings den vor Sponsored Content triefenden Promoblog  Newsblog des Veranstalters anschaue, habe ich daran so meine Zweifel. Dafür nehme ich es in Kauf, wegen meiner Vorliebe für die Sterneküche statt für Herbsttagungen vermessen genannt zu werden. Kopflos 500 € Kanzleigelder für eine seminützliche Tagung mit rhetorischem Legal Tech Theaterdonner zu expensen, ist es aber vermutlich mindestens genauso.