Monthly Archives

6 Articles

Legal Tech Reviews

Legal Tech für Fluggastrechte: Etikettenschwindel?

Posted by Jacob Weizmann on
Legal Tech für Fluggastrechte: Etikettenschwindel?

Dass Legal Tech für Fluggastrechte besonders häufig entwickelt wird, ist kein Zufall. Kaum eine anderes Rechtsgebiet bietet so dankbare Einstiegsvoraussetzungen für Legal Tech Applikationen. Die Rechtsmaterie erfüllt alle idealtypischen Bedingungen für eine rentable Automatisierung mit niedrigen Einstiegskosten. Das macht das Reiserecht zu einem ersten Einsatzgebiet der Legal Technology, das dem Endverbraucher nahesteht. Hier zeigt sich also schon heute, welchen Mehrwert die neue Technologie letztlich für den Kunden verspricht.

Was der Kunde von Legal Tech erwarten darf (die Hoffnung)

Ist der Aufwand für die Entwicklung eines Legal Tech Tools einmal aufgebracht, senken die eingerichteten Automatismen zur Rechtsdurchsetzung deren Kosten drastisch. Je weiter der Algorithmus die menschliche Prüfung und Korrespondenz übernimmt, desto weniger Personalkosten fallen noch an. Gleichzeitig dünnen sich die einmaligen Fixkosten der IT-Entwicklung bei wachsender Kundenzahl zunehmend auf die einzelnen Fälle aus. Unterm Strich besteht die Verheißung und damit auch das Disruptionspotenzial der Legal Technology schließlich darin, dass ihr Einsatz die Kosten für Rechtsdienstleistungen drastisch senkt. Legal Tech für Fluggastrechte, das heißt verkürzt, das Prinzip der Industrialisierung auf ein erstes Gebiet juristischer Massenverfahren anzuwenden. Economies auf Scale für den Rechtsmarkt.

Man sollte deshalb meinen, dass die Kostenersparnisse der Legal Tech für Fluggastrechte sich gerade auf Seiten der Kunden bemerkbar machen. Das gilt insbesondere, als beispielsweise das Fluggastportal Fairplane davon ausgeht, dass 90% der Flugreisenden ihren Anspruch auf Entschädigung nicht durchsetzen (siehe Screenshot mit dem Kommafehler in der Überschrift von Fairplanes Website). Gerade um aus diesem Reservoir neue Kunden zu gewinnen, wären attraktiv niedrige Kosten für entsprechende Rechtsdienstleistungen doch ein unschlagbares Verkaufsargument.

Laut Fairplane erreichen Fluggastportale bislang 90% der Betroffenen nicht.

Die Wirklichkeit 2017

Beachtliche Margen trotz Legal Tech für Fluggastrechte

Allein: So richtig preiswert sind die Leistungen der etablierten Fluggastentschädiger nicht. Die meisten Inkasso-Dienste behalten sich eine Erfolgsprovision von 25% zzgl. Mwst. ein, also knapp 30% des Wertes der Ausgleichsansprüche, die sie durchsetzen. So genannte Sofortentschädiger ersparen Betroffenen dagegen zwar immerhin die Wartezeit bis zur erfolgreichen Durchsetzung. Die Direktzahlungen, die sie Fluggästen anbieten, unterschreiten deren nominelle Entschädigungsforderungen allerdings in der Regel um ganze 35% plus Mehrwertsteuer. Unterm Strich bleiben dem Fluggast von seinem ursprünglichen Anspruchswert je nach Wartezeit bis zur Auszahlung nur 60-70%. Freuen darf sich dagegen das Fluggastportal über eine üppige Marge von 25-35%.

Das wirft eine Frage auf. Wie kommt ein solcher Preis für Rechtsdienstleistungen zustande, die vollkommen schematisiert ablaufen und sich fast vollständig automatisieren lassen? Mir fallen zwei Antworten ein. Entweder die Entschädigungsplattformen stützen sich gar nicht so sehr auf Legal Technology, wie in Interviews gern behauptet wird. Das ist eine Geschichte für ein anderes Mal. Wenn wir hingegen unterstellen, dass Legal Tech für Fluggastrechte nahezu bis zur Vollautomatisierung gediehen ist, dann gibt es für die derzeitige Marge nur einen plausiblen Grund, nämlich (kurzfristige) Gewinnmaximierung.

Es geht auch anders

Damit das nicht nur eine kühne Behauptung bleibt, hat die DiRiSo mit dem Portal Ersatz-Pilot den Beweis angetreten. Ersatz-Pilot gewährt etwa auf der Langstrecke Direktentschädigungen von 450 €; das entspricht 75% des nominellen Ausgleichsanspruchs eines Fluggastes. Und das ist erst der Anfang.

Dass die Differenz zur nominellen Forderungshöhe noch 25% entspricht, liegt daran, dass Ersatz-Pilot gerade erst damit anfängt, das Geschäftsmodell größer zu skalieren. Gerade für noch unvorhergesehene Komplikationen soll hierbei eine Liquiditätsreserve vorgehalten werden. Je mehr Fluggastrechte aber durchgesetzt werden, desto weiter kann Ersatz-Pilot die Marge zwischen Direktzahlung und Höhe des tatsächlichen Ausgleichsanspruchs abschmelzen.

Warum begnügen sich Kunden trotzdem mit hohen Service-Gebühren?

Derweil ist die Konkurrenz wahlweise immer noch auf etliche kostenintensive manuelle Arbeitsschritte angewiesen oder streicht die Vorteile der Legal Tech lieber selbst ein, als sie an Kunden weiterzugeben. Warum aber vertrauen sich solchen Anbietern trotzdem zahlreiche Kunden an? Mein erster Gedanke war: Alternativlosigkeit. Lieber 350 € von Compensation2Go oder dergleichen als 0 € von der Airline nach vergeblichen eigenständigen Durchsetzungsversuchen.

Dann fiel mir aber ein, dass dieses Bild doch recht pessimistisch gezeichnet ist. Außer in zweifelhaften Fällen und bei einigen hartnäckigen Airlines können Verbraucher ihre Forderungen durchaus erfolgsversprechend selbst durchsetzen. Oft ohne Gerichtsverfahren und mit einem Aufwand, der zwar durchaus hoch ist, aber für den es gewisse Hilfestellungen gibt. So führt beispielsweise eine kurze Google-Suche zu einer Vorlage für ein Aufforderungsschreiben gegen die Airline.

Ersatz-Pilot hat hierzu auf dem Unternehmensblog unlängst ein relativ ehrliches Rechenbeispiel präsentiert, wann es sich lohnt, Forderungen auf eigene Faust durchzusetzen, und ab welcher Höhe eher eine Sofortentschädigung Sinn ergibt. Daraus geht zwar auch hervor, dass ein eigener Aufwand dort nicht gerechtfertigt ist, wo die Direktzahlung nur geringfügig hinter der vollen nominellen Forderung zurückbleibt. Genau das ist aber bei den etablierten Fluggastportalen gerade nicht der Fall. Hier entgehen dem Kunden horrende Anteile seines Ausgleichsanspruchs. Warum lässt er sich trotzdem darauf ein?

Irreführende Werbung

Eine vollständige Antwort kann ich nicht leisten. Vermutlich spielt aber der Umstand eine gewisse Rolle, dass die allermeisten die eben skizzierten Details gar nicht kennen. Und dafür tragen viele der selbsterklärt verbraucherschützenden Fluggastportale eine Mitschuld. Streckenweise gewinnt man den Eindruck, was an attraktiven Konditionen fehlt, wird durch irreführende Werbung kompensiert. Um zu verdeutlichen, woran ich das festmache, habe ich nachstehend eine Collage von Werbeaussagen führender Anbieter zusammengetragen. Alle Screenshots wurden am 22. September 2017 aufgenommen.

600 € Fluggastentschädigung?

Besonders beliebt ist in der Werbung etlicher Fluggastportale die Halbwahrheit, Fluggästen stünden bis zu 600 € Entschädigung zu. Halbwahr ist das insofern, als 600 € zwar der nominellen Höhe eines Ausgleichsanspruchs entspricht, alle Anbieter, die damit werben, aber hiervon natürlich 20-40 % Provision zzgl. Mwst. abziehen.

Besonders perfide ist die Adwords-Werbung von Fairplane, wo es heißt „Nicht mit 400€ zufrieden geben – Bei uns sogar bis zu 600 € zurück“. Auf der Seite selbst erfährt man hingegen, dass Kunden von Fairplane aufgrund einer Provision von 176,40 € auch bei entschädigungsberechtigten Langstreckenflügen nur maximal 423,60 € erhalten. Aber ich vermute, „Nicht mit 400€ zufrieden geben – Bei uns sogar bis zu 423,60 € zurück“ klingt einfach nicht mehr spektakulär genug.

Auszahlung in weniger als 24 Stunden?

Eine Spezialität der so genannten Sofortentschädiger besteht darin, dass sie mit Auszahlungen binnen 24 Stunden werben.

Auch das ist im besten Fall halbwahr und im ungünstigen Fall schlichtweg falsch. Halbwahr sind solche Darstellungen insofern, als die fraglichen 24 Stunden nicht etwa nach Abschicken des Online-Formulars zu laufen beginnen, sondern erst nach Bestätigung des Entschädigungsgesuchs. Bis wann eine solche zu ergehen hat, regeln die meisten „Sofortentschädiger“ nicht mit starren kurzen Fristen. Realistischer wäre es also, von einer Zahlung einige Tage nach erstmaliger Kontaktaufnahme durch den Fluggast zu sprechen. Dann allerdings könnte man sich wahrscheinlich nicht mehr mit dem Prädikat „Sofortentschädigung“ schmücken.

Inzwischen (Stand 25.01.2019) haben zumindest einige Anbieter wie Compensation2Go nachgerüstet und stellen jetzt per Verweis unter einer Fußnote richtig, unter welchen Umständen binnen 24 Stunden gezahlt werden kann:

Compensation2Go 600 Euro in 24 Stunden

Im Übrigen verraten die AGB bei EU-Flight übrigens, dass mit einer Entschädigung auch nach deren Zusage nicht etwa binnen eines Tages, sondern binnen 14 Tagen zu rechnen ist.

Etwas sofortiger entschädigt hingegen laut AGB Compensation2Go. Hier räumt man sich nach Bestätigung des Entschädigungsantrags einen Werktag Zeit ein. Zumindest an Sonn- und Feiertagen wird es hingegen eng mit den beworbenen 24 Stunden.

Die angegebene Auszahlungsfrist einzuhalten, dürfte wirkaufendeinenflug.de sogar noch schwerer fallen. Der Sofortentschädiger geht sogar noch einen Schritt weiter und spricht gar von einer Auszahlung „in nur drei Stunden“.

Ich bin gespannt, ob um 4 Uhr nachts mein Geld angewiesen wird, wenn ich um 1 Uhr alle Unterlagen und Angaben für meinen entschädigungsberechtigten Flug einreiche. Deshalb verlängert man das Zeitfenster für die Auszahlung vorsorglich auf 24 Stunden. Ob sich zumindest dieser Rahmen durchgehend einhalten lässt? Wirkaufendeinenflug.de scheint sich hier selbst nicht so sicher zu sein und präsentiert weiter unten auf der Startseite im FAQ-Bereich andere Zahlen:

Statt eine „Sofortentschädigung“ zu bewerben, wäre es insofern ehrlicher, von einer zeitnahen Entschädigung zu sprechen. Das hingegen klingt womöglich nicht mehr so verlockend.

Anspruchsprüfung in nur zwei Minuten?

Unabhängig von Auszahlungshöhe und -wartezeit fallen Werbeaussage und Wirklichkeit noch in einem anderen Punkt auseinander. Heruntergespielt wird häufig der Aufwand, um das Entschädigungsformular online auszufüllen und weitere Rückfragen zu beantworten. Wirkaufendeinenflug.de spricht von zwei Minuten Prüfungsdauer im Online-Prozess (s.o.). So viel Zeit braucht der Otto-Normal-Bürger schon allein dafür, sein Ticket rauszusuchen, um die abgefragten Angaben treffen zu können. Dennoch wirbt selbst der Marktführer Flightright damit, die Eingabe würde nur zwei Minuten dauern.

Das ist gerade deshalb überraschend, weil Geschäftsführer Dr. Kadelbach selbst die Prüfungsdauer des Abfrageprozesses auf acht Minuten bezifferte, als das neue Prüfungstool vor einigen Monaten implementiert wurde. So ergibt es sich aus einer Pressemitteilung, die auch vom Legal Startups-Blog aufgegriffen wurde. Diese Zeitangabe deckt sich auch in etwa mit der Dauer, die es braucht, um probehalber einen Fall mit Flightrights Entschädigungsrechner durchzuprüfen und das Formular zu vervollständigen.

Flightright hat das im Frühjahr angekündigte eigene Sofortentschädigungskonzept Flightright Now offenbar nie realisiert. Deshalb bleibt es im Übrigen auch nicht einmal bei der achtminütigen Vervollständigung des Online-Formulars. Bis eine Forderung nämlich nach dem Inkasso-Modell durchgesetzt und ausgezahlt wird, vergehen Wochen bis Monate, in denen ein Kunde über die erforderliche Korrespondenz mit Flightright (z.B. für Rückfragen) weiterhin mit der Angelegenheit befasst ist. Von bloßen zwei Minuten Aufwand kann also keineswegs die Rede sein.

Weitere Fundstücke

Unterm Strich bleibt die Wirklichkeit letztlich bei etlichen Fluggastportalen ernüchternd weit hinter den Werbeslogans zurück. Ausgezahlt wird weniger Entschädigung als suggeriert nach längerer Wartezeit als angedeutet und bei höherem Eigenaufwand als versprochen. Damit aber nicht genug. Auch an anderer Stelle übertreibt die Werbung gerne einmal oder stellt Umstände schlicht falsch dar.

Gerne stellen Fluggastportale Alleinstellungsmerkmale heraus, mit denen sie gar nicht so alleine dastehen. EUFlight berühmt sich beispielsweise, der einzige reine Sofortentschädiger zu sein. Dabei trifft das ebenso auf Compensation2Go und Ersatz-Pilot zu.

Besonders beeindruckend ist zuletzt die Seite „deinflugrecht.de“. Sie steht ganz offensichtlich dem Unternehmen Fairplane nahe, zumal alle Links zur Anspruchsprüfung auf Fairplanes Website verweisen.

Dass es sich bei deinflugrecht.de um ein ganz neutrales Vergleichsportal handelt, wird man vermutlich ausschließen können. Dafür lobt die Seite Fairplane zu einseitig, obwohl der Anbieter selbst in der Gegenüberstellung verschiedener Websites auf deinflugrecht.de keineswegs in allen Kategorien brilliert und beispielsweise nicht die niedrigste Provision verlangt. Aber wie nah steht deinflugrecht.de Fairplane genau? Das herauszufinden, ist gar nicht so einfach. Denn die Unterseiten zum Impressum und die Rubrik „Über Uns“ sind vollkommen leer. Ein Schelm, wer da an Affiliate Marketing denkt.

Etikettenschwindel statt echter Legal Tech für Fluggastrechte?

Wie muss man solche irreführenden bis falschen Werbeaussagen verstehen? Klar wird, dass viele Fluggastportale es beim Marketing offenbar mit der Wahrheit nicht übergenau nehmen. Natürlich sollte man den Befund gleichzeitig auch nicht überdramatisieren. Unachtsamkeiten passieren und selbst kalkulierte Verzerrungen sind zwar nicht immer anständig, aber eben trotz dessen zulässig. Also doch alles im Rahmen? Nun ja. Obwohl für das Marketing andere Maßstäbe als für die Wissenschaft gelten, stößt es doch aus zwei Gründen bitter auf, wenn statt wirklicher Legal Tech für Fluggastrechte auf diesem Markt Kunden eher mit halbwahren Versprechungen geködert werden.

Zum einen sind die Zielgruppe Verbraucher, denen Fluggastportale gerade deswegen Hilfe anbieten, weil bereits Fluggesellschaften ihr Unwissen ausnutzen, indem sie ihre Entschädigungsberechtigung oft verschweigen. Es wäre deshalb zu begrüßen, wenn die verbraucherschützenden Plattformen ein höheres Maß an Transparenz an den Tag legen. Zum Beispiel, indem sie Fluggästen von vorn herein ehrlich kommunizieren, wie viel Entschädigung sie wann erhalten und wie viel Aufwand ihnen dafür insgesamt tatsächlich entsteht. Sicherlich birgt das die Gefahr, dass etliche Kunden ihre Rechte stattdessen selbst durchsetzen, weil ihnen dann bewusster würde, dass die bisherigen Konditionen der meisten Anbieter doch nicht so attraktiv sind. Genau hierin besteht aber der zweite Grund, wieso die bisherige Werbepraxis so unangenehm wirkt. Denn eigentlich erhofft man sich gerade von Fluggastportalen, dass sie Kunden durch die Vorteile von Legal Tech für Fluggastrechte gewinnen und nicht durch Augenwischerei.

Legal Tech Reviews

Warum so viele Legal Tech Fluggastentschädiger?

Posted by Jacob Weizmann on
Warum so viele Legal Tech Fluggastentschädiger?

Legal Tech Fluggastentschädiger, besser bekannt als Fluggastentschädigungsplattformen, sind trotz ihrer Branche nicht für ihren Jetset-Lifestyle bekannt. Schon ihre Bezeichnung ist ein sprachliches Monstrum. Und auch die Branchenvertreter ähneln nicht gerade Rockstars. Nicht einmal nach dem Maßstab der Startup-Szene. Sieht man einmal von erlesenen Ausnahmen des Typus Dr. Kadelbach ab, brauchen sich Legal Tech Fluggastentschädiger keine Chancen auf schnelle Internet-Millionen ausrechnen.

Das Geschäftsmodell hat schon wegen des Nischencharakters des bearbeiteten Rechtsgebiets kein Unicorn-Potenzial. Auch besonders hip wirkt die Sache nicht. Durch eine EU-Verordnung erzeugte Mikroforderungen aufzukaufen, macht verspätungsgeplagten Flugreisenden das Leben etwas leichter. Disruption oder gar Weltrettung geht von diesem Konzept allerdings nicht aus.

Weshalb also gehen aus den Reihen der Entwickler von Legal Tech Fluggastentschädiger hervor und nicht in gleichem oder größerem Maße AI Labore oder Smart Contract Coder? Im ersten Moment gibt die Frage Rätsel auf. Bei näherem Hinsehen erschließt sich aber ein einleuchtender Grund dafür, wieso die ersten Anwendungsfälle der Legal Technology so häufig schnöde Fluggastrechte betreffen und so selten visionäre Projekte. Man vergleiche nur die Rahmenbedingungen, um das eine oder das andere Geschäftsmodell zum Erfolg zu führen.

Rahmenbedingungen der Legal Tech Fluggastentschädiger

Blickt man auf die juristische und wirtschaftliche Ausgangslage, zeichnen sich Fluggastentschädigungsplattformen vor allem dadurch aus, dass einerseits die Einstiegshürde für ihre Entwicklung niedrig ist und andererseits das Massengeschäft mit Flugunregelmäßigkeiten kalkulierbare Gewinne verspricht.

1. Der rechtliche Rahmen erleichtert die technische Umsetzung einer Automatisierung.

Voraussetzungen und Rechtsfolgen des Entschädigungsmechanismus gemäß FluggastrechteVO sind überschaubar. Die Komplexität des Prüfungsalgorithmus und damit sein Entwicklungsaufwand halten sich in Grenzen. Sämtlich lassen sich die Anspruchsbedingungen in einem schematisierten Abfrageprozess erfragen. Es fehlen im Übrigen subjektive Tatbestandsmerkmale, die sich einer Typisierung entziehen.

Dank gut gepflegter Flugdatenbanken mit API-Schnittstelle ist überdies die Beweiserhebung automatisierbar. Ohnehin genügt dank der Beweislastverteilung eine geringfügige Dokumentation, um Ansprüche auf Fluggastentschädigung zu plausibilisieren.

2. Auch die wirtschaftlichen Gegebenheiten begünstigen ein Geschäftsmodell zur automatisierten Anspruchsprüfung und -durchsetzung.

Die geringe Höhe der Entschädigungsforderungen einzelner Fluggäste macht eine klassische manuelle Rechtsverfolgung unlukrativ. Mitbewerber in diesem Segment der Rechtsdienstleistung sind ohnehin nur Anbieter, die wenigstens teilautomatisiert Forderungen bearbeiten.

Die pauschale Höhe der Ersatzansprüche und die Zahl der anspruchsbegründenden Flugunregelmäßigkeiten formen gleichzeitig einen Massenmarkt. Eine Standardisierung der Verfahren drängt sich auf.

Rahmenbedingungen für Entwickler fortgeschrittener Legal Tech

Demgegenüber versprechen Konzepte wie Smart Contracts und AI zwar weitaus phänomenalere Gewinne. Der nötige Aufwand bis zu ihrer Marktreife ist jedoch kaum überblickbar und auch im günstigen Fall hochgradig kostenintensiv. Diese immensen Entwicklungskosten ohne verlässliche Quantifizerbarkeit der Gewinne bedeuten für Investitionen und Moonshots eine unheilvolle Kombination. Anders als Mark Zuckerberg kann ich mich als Jurastudent nicht einfach für ein paar Monate an den Schreibtisch setzen und ein juristisches Pendant zu Facebook schaffen. Hatte die Urversion von Facebook nämlich bereits das Potenzial, von sich aus zu wachsen, hat beispielsweise ein erster exemplarischer Teilabschnitt einer Computersprache für Smart Contracts diesen Mehrwert noch nicht.

Es verhält sich damit halt eher so wie mit der Entwicklung der ersten motorisierten Flugmaschinen. Die Apparate der Gebrüder Wright versprachen auf absehbare Zeit noch keinen ROI. Dass sie sie dennoch über Jahre unbezahlt entwickelt haben, war dem Umstand geschuldet, dass sie sich diesem Vorhaben in ihrer Freizeit widmen konnten, während ihre Fahrradwerkstatt ihnen ihr reguläres Auskommen sicherte. Dabei ist leicht nachzuvollziehen, dass weniger Leute ihr Side Project zur Größe treiben, als Jungunternehmer eine Idee realisieren, deren Rentabilität in greifbarer Nähe liegt und die es deshalb erlaubt, ihr in Vollzeit nachzugehen.

Natürlich wird sich gelegentlich auch ein Investor finden, der selbst ein kühnes Geschäftsmodell finanziert, obwohl es eine jahrelange R&D-Phase voraussetzt, an deren Anfang völlig ungewiss ist, ob an ihrem Ende ein verwertbares Produkt steht. Zwar liefert gerade die Geschichte der Luftfahrt hierfür ein Beispiel. Dessen Ausnahmecharakter bestätigt aber eher die Regel. Business Angels waren damals die Streitkräfte der Großmächte, die das militärische Potenzial der Flugzeuge reizte und deren Kriegskassen es zuließen, verhältnismäßig futuristische Technologien zu fördern.

Expeditionsökonomie im Legal Tech Kosmos

In der Summe kann man aber feststellen, dass riskante, kostenintensive Investments in visionäre, jedoch allenfalls langfristig rentable Geschäftsmodelle eher Seltenheitswert haben. Die meisten Unicorns verdanken ihren Aufstieg hingegen der Tatsache, dass sie bereits mittelfristig überzeugende Geschäftszahlen vorlegen konnten. Auch ein Unternehmen wie Deepmind hätte wohl kaum Googles Aufmerksamkeit geweckt, wäre nicht als überzeugender Zwischenschritt das Spiel Space Invaders dominiert worden. Im juristischen Kosmos fehlt hingegen noch der Ansatz für eine Marsmission mit Zwischenlandung auf dem Mond. Wer seine juristische Vision verwirklichen will, dem bleibt bisweilen nur übrig, direkt zum roten Planeten zu fliegen.

Legal Tech Fluggastentschädiger bewegen sich hingegen auf überschaubarerem Terrain; sie sind die Space Shuttles der Legal Technology. Der Einsatz ist niedrig, die Rückflüsse sind berechenbar. Das dürfte der Grund sein, warum sich so viele Startups gerade auf diesen Markt drängen.

Aber auch wer in der Legal Tech Branche höher hinaus will, ist m.E. zunächst gut auf diesem Geschäftsfeld aufgehoben. Es ist eine Spielwiese, um an unterkomplexen Fallkonstellationen die Funktionsweise IT-gestützter rechtlicher Prüfungsprozesse kennen zu lernen. Derartiges Know-how dürfte sich auch bei ambitionierteren Projekten bezahlt machen. Genau deswegen hat die DiRiSo mit Ersatz-Pilot ebenfalls ein Pilotprojekt in den Wettbewerb der Legal Tech Fluggastentschädiger entsandt (wir berichteten). Immerhin gibt es für diese Vorgehensweise ein prominentes Vorbild. Einer ähnlichen Überlegung folgt SpaceX mit seinen Versorgungsflügen zur ISS, ehe Mond und Mars ins Auge gefasst werden.

Legal Tech Reviews

Was ist eigentlich ein Legal Tech Startup?

Posted by Jacob Weizmann on
Was ist eigentlich ein Legal Tech Startup?

Begriffe zu klären und beispielsweise ein Legal Tech Startup zu definieren, ist grundsätzlich keine Aufgabe dieses Blogs. Hierfür leisten Enzyklopädien wie die Wikipedia meist schon hervorragende Arbeit. Jedenfalls, wenn es um die Denotation eines Begriffs geht. Problematisch wird es nur, wenn die Konnotation Überhand nimmt. Doch genau das ist bei dem Label „Legal Tech Startup“ allmählich der Fall. Aber der Reihe nach.

Die Denotation

Wikipedia definiert ein Startup als „ein junges Unternehmen (…) , das vor allem durch zwei Besonderheiten gekennzeichnet wird: Es hat eine innovative Geschäftsidee bzw. Problemlösung – und die Unternehmensgründung erfolgt mit dem Ziel, stark zu wachsen und einen hohen Wert zu erreichen. Die Finanzierung wird dabei häufig wegen der Risiken nicht über klassische Banken organisiert, sondern über Förderbanken und innovative Finanzierungsformen wie etwa Venture- und Seed-Kapital und Crowdfunding.“

Wenn wir den Finanzierungsaspekt einmal ausblenden, dann ist zum Beispiel DiRiSo nach dieser Begriffsbestimmung ein Startup. Da DiRiSo Legal Tech Produkte anbietet, genauer gesagt ein Legal Tech Startup. Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt man mit der Definition der Plattform Gründerszene, zumal sie keine spezifische Finanzierungsart voraussetzt.

Was konnotiert der Begriff Legal Tech Startup?

Der Erklärungsansatz von Gründerszene lässt jedoch gleichzeitig durchscheinen, weshalb die Einordnung als Legal Tech Startup dennoch schwerfällt, selbst wenn die Denotation des Begriffs exakt auf ein Unternehmen zutrifft. So heißt es auf dem Portal: „Denkt man an ein Startup, existiert bei vielen das klischeehafte Bild im Kopf, wie potenzielle Gründer ihre großartigen Ideen während Nachtschichten in unauffälligen Garagen entwickeln, um sie anschließend auf den Markt zu bringen.“ Hier beginnt dann bereits die Konnotation des Begriffs Legal Tech Startup. Oder besser: Hier begann sie.

Failure Culture

Wenn mich mein Eindruck nicht täuscht, mobilisierte man das positive Bild der Garagentüftler Gates, Jobs & Co. in Deutschland zunächst in der New Economy Zeit in großem Stil. Das ergab damals durchaus Sinn, waren deutsche Startups doch bis dahin wahlweise nicht-existent oder noch unter dem medialen Radar. Was man hierzulande über Startups wusste, kannte man also aus dem Ausland (lies: USA). Und da die Geschichte typischerweise von den Siegern geschrieben wird, wusste man von Microsoft, Apple, Google und Amazon, nicht hingegen von der Legion schon damals gescheiterter Startups. Wer sich als Startup bezeichnete, konnte sich daher anfangs glaubhaft in die Traditionslinie von Gates, Page und Musk stellen.

Auch seit sich in Deutschland eine eigene Startup-Szene etabliert hat, liest man weitaus seltener von Pleiten als von Neugründungen. Aber das allein genügt, damit sich die öffentliche Wahrnehmung zu Startups nach meinem Empfinden anfängt zu drehen. Auf 100 Berichte zu Gründungen kommt im Folgejahr nur noch ein Bruchteil von Erfolgsberichten. Was mit den nicht erneut genannten Unternehmen passiert, kann man sich denken. Der Comedian Harry G brachte das Phänomen im vergangenen Jahr auf die Formel: „95 Prozent aller Startups san ein riesen Schei*dreck!“

Phrasendrescherei

Und nicht nur die Aura einer Tendenz zur Erfolglosigkeit umgibt inzwischen den Begriff Startup bzw. Legal Tech Startup. Auch die Wunderwaffen der Startup-Kultur lösen bei den meisten Betrachtern eher Kopfschütteln aus. Da ist zum einen der Hang zur Überhöhung vermeintlich innovativer, tatsächlich alteingesessener Modelle. Ein Pausenraum bleibt ein Pausenraum, auch wenn man ihn Break-Out-Room nennt. Ein Gemeinschaftsbüro verleiht den Insassen keine magischen Produktivkräfte, selbst wenn man es euphemistisch als Co-Working-Space tituliert. Die Bezeichnung Business Plan macht ein Unternehmenskonzept nicht schon wegen seiner Überschrift innovativer. Ein CEO ist nicht per se ein besserer Geschäftsführer. Und je mehr das dem Publikum auffällt, desto mehr blättert der Lack von den Anglizismen ab.

Voodoo als Form der Unternehmensführung

Ob aus Mut der Verzweiflung oder aus Experimentierfreude neigen Startups zudem zu unkonventionellen Arbeitsweisen, besser: zu kultähnlichen Handlungen bei der Arbeitsbewältigung. Nicht gemeint sind harmlose Beispiele wie der semi-fakultative Yoga-Kurs in der Pause als Zwangsmaßnahme zur Entspannung. Ich denke eher an Seminare zur „Fortbildung“ mit Gemeinplatz-Vorträgen obskurer Business-Coaches und kollektiven Happenings inklusive rhythmischer Trommeleinlagen der Belegschaft. Das ist – hoffe ich – eine Extremform. Weiter verbreitet dürften hingegen beispielsweise Brainstorming-Übungen sein, bei denen zwanzig Mitarbeiter einen Tag lang im Stuhlkreis sitzen und Ideen an Flipcharts pinnen. Was sich im ersten Moment spaßig anhört, steht in keinem Verhältnis zu den Kosten. Der Kunde oder das Firmenkonto wird begeistert sein, wenn für ein paar zusammengetragene Bullet Points 20×8 zu bezahlende Arbeitsstunden ins Kontor schlagen. Alternativ kann man die Kosten natürlich den Mitarbeitern aufbürden, indem man sie hierzu zu einem unvergüteten Wochenendsseminar bittet.

Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht. Aber wenn mir solche Konzepte als wegweisend präsentiert werden, habe ich immer eine gewisse Assoziation. Der Verschwörungstheoretiker Axel Stoll wurde bekannt durch seine unfreiwillig komische Sentenz: „Chemie ist Physik. Biologie ist Physik. Magie ist Physik durch Wollen.“ Für mich klingen Stuhlkreis, rhythmisches Trommeln und Flipcharts angelehnt daran immer sehr nach „Ökonomie durch Wollen“. Dabei will ich gar nicht ausschließen, dass es Unternehmen gibt, die solche Methoden durchaus erfolgreich anwenden. Aber in der überwiegenden Zahl der Fälle haben wir es doch bestenfalls mit einem Drittvariableneffekt zu tun. Selbst wenn ein Unternehmen mit Startup-Kult Erfolg hat, dann beruht er vermutlich auf den Überstunden nach der innovativen Ideenfindung, dem teambildenden Kickermatch oder dem monatlichen World Cáfe.

Legal Tech Startup ohne Konnotation?

Diese Negativaspekte der Startup-Szene sind natürlich unproblematisch, solange ein Legal Tech Startup zu benennen ist, was auch solche Merkmale aufweist. Schwieriger wird es bei Unternehmen wie DiRiSo, die der Definition nach als Legal Tech Startup gelten, sich von der konnotierten Kultur aber distanzieren. Sicherlich wird man hier immer noch im weiteren Sinne von einem Startup sprechen können. Adäquater scheint aber eine neue Begriffsprägung. Zumindest auf diesem Blog möchten wir deshalb auf die Bezeichnung „Legal Tech Unternehmen“ zurückgreifen, um DiRiSo & Co. zu beschreiben. Denn die Legal Technology verspricht schon ihrer Grundidee nach hohe Wachstumspotenziale und ihre Branche ist ohnehin so jung, sodass man begrifflich nicht gesondert darauf hinweisen muss. Mithin zerfällt die Legal Tech Szene gemäß unserer Begriffswahl in hippe Legal Tech Startups und Legal Tech Unternehmen mit einer traditionelleren Geschäftskultur. Man könnte auch sagen, mit Old Economy Tugenden in einem New Economy Geschäftsmodell.

Legal Tech News

Ersatz-Pilot – mit Legal Tech zu maximaler Fluggastentschädigung

Posted by Jacob Weizmann on
Ersatz-Pilot – mit Legal Tech zu maximaler Fluggastentschädigung

Das Geschäft mit der Fluggastentschädigung – eine kurze Marktanalyse

Flightright und das Inkasso-Modell

Portale für Fluggastentschädigung gibt es eigentlich schon zuhauf. Pionierarbeit leistete Flightright im Jahr 2010 als erstes Inkasso-Portal. Das Geschäftsmodell: Anhand einiger Formularfragen im Web wird ermittelt, ob einem Fluggast Ansprüche zustehen. Wenn ja, kann er Flightright zum Nulltarif beauftragen. Flightright setzt dann die Forderungen des Fluggastes durch und trägt die Verfahrenskosten. Eine Vergütung behält sich Flightright nur im (erwartbaren) Erfolgsfall ein. Zur Auszahlung gegenüber dem Kunden kommt es gleichwohl auch erst, wenn dessen Airline die Fluggastentschädigung freigibt. Geboren war damit die erste wirklich aufwandsschonende Methode, um Fluggastrechte durchzusetzen. Betroffene mussten fortan nicht auf ihre rechtmäßige Fluggastentschädigung verzichten, auch wenn ihnen die eigenständige Auseinandersetzung mit der Airline zu anstrengend war.

Flightrights Dienstleistung wurde im Laufe der Jahre so populär, dass eine ganze Reihe von Trittbrettfahrern den Service kopierten und selbst anboten. Es gründeten sich allein im deutschsprachigen Raum alsbald Refund.me, Fairplane und Flugrecht.de, um nur einige Inkasso-Portale zu nennen, die ähnlich arbeiten wie Flightright.

Die Alternative der Sofort-Entschädiger

Einige aufmerksame Beobachter erkannten ihrerseits die Achillesverse von Flightright: Die Auszahlung braucht Zeit. Anders als Geschäftsführer Kadelbach behauptet dauert es bei Flightright eben nicht bloß 8 Minuten, um von Recht haben zu Recht bekommen zu gelangen. Zwar ist es richtig, dass man das Formular zur Beauftragung von Flightright binnen kurzer Zeit online ausfüllen kann. Die Mandatierung eines Inkasso-Dienstleisters macht aber selbst bei sorgfältiger Vorprüfung noch keinen Prozesserfolg. Jeder, der einmal in einem Gerichtsverfahren trotz Siegeszuversicht unterlag, wird hiervon zu berichten wissen. Insofern muss man auch zu Flightrights Inkasso-Service ehrlicherweise sagen: Recht bzw. Geld bekommt man nicht nach 8 Minuten, sondern nach etlichen Wochen oder Monaten.

Diese Überlegung machen sich seit einigen Jahren zahlreiche neue Anbieter zunutze: die so genannten Sofortentschädiger. Sie setzen die Forderungen der Fluggäste nicht bloß durch. Stattdessen lassen sie sich deren Ansprüche auf Fluggastentschädigung gegen Direktzahlung abtreten und verfolgen sie für eigene Rechnung. Bisherige Exponenten dieser Gruppe von Fluggastportalen sind vor allem WirkaufendeinenFlug, EUFlight und Compensation2Go.

Man könnte meinen: Damit hat ein betroffener Fluggast doch eine Fülle bereitwilliger Helfer, wenn es darum geht, seine Flugverspätung zu Geld zu machen. Oder nicht?

Der Platz für Ersatz-Pilots Fluggastentschädigung am Markt

Zutreffend ist, dass der Sache nach wie dargestellt bereits die Dienstleistungen angeboten werden, die es braucht, um Verbraucherrechte komfortabel durchzusetzen. Allein, die konkrete Gestaltung der bisherigen Angebote hat einige Schönheitsfehler. Bei Flightright und Co. stört die lange Wartezeit. Nichts anderes erklärt den Erfolg der Sofortentschädiger. Diese haben allerdings selbst noch einen größeren Malus. Denn im Gegenzug dafür, dass sie mit der Auszahlung nicht abwarten, ziehen sie vom Nennwert der gekauften Forderungen allesamt eine bemerkenswerte 35%ige-Servicepauschale zzgl. Mwst. ab. Bei einem Langstreckenflug bleiben einem Fluggast von seiner Fluggastentschädigung i.H.v. de jure 600 € de facto gerade einmal 350 €. Das hat uns dazu veranlasst, einmal nachzurechnen. Braucht es in Zeiten von Legal Technology tatsächlich 250 € Bearbeitungskosten, um simple Standardforderungen automatisiert im Massenverfahren abzuwickeln?

Die Antwort: nein. Um genau das unter Beweis zu stellen, ist mit Ersatz-Pilot 2017 ein Konkurrent zu den bestehenden Fluggastportalen entstanden. Auf der neuen Plattform erhalten Fluggäste für den Verkauf ihres Entschädigungsanspruchs wegen eines Langstreckenflugs zum Beispiel 450 €. Das sind nicht nur 350 € mehr, als die übrigen Sofortentschädiger zahlen. Auch die klassischen Inkassoportale unterschreiten solche Entschädigungsquoten in der Regel. Auf eine Formel gebracht lautet Ersatz-Pilots Angebot deshalb: So viel Fluggastentschädigung wie bei Flightright, so schnell wie bei EUFlight.

Insofern dürfte es schon im Eigeninteresse der meisten Fluggäste liegen, sich dies zu Nutzen zu machen. Umgekehrt ist Ersatz-Pilot aber gar nicht auf eine bestimmte Zahl von Kunden angewiesen. Das Fluggastportal wurde von den Gründern als Nebenprojekt entwickelt, ohne dafür Kredite aufnehmen oder Investoren gewinnen zu müssen. Anders als vermutlich bei der Konkurrenz rechnet sich das Geschäftsmodell also ab dem ersten Fluggast. Die Ausgangsbedingungen für Ersatz-Pilot sehen also gut aus. Nicht nur hat man ein äußerst wettbewerbsfähiges Produkt am Markt platziert; man verfügt zugleich über unbegrenzten Atem, um das Projekt allmählich wachsen zu lassen.

Legal Tech News

Legal Tech Szene: Vom Nerdtreff zur Großkanzlei-Soiree

Posted by Jacob Weizmann on
Legal Tech Szene: Vom Nerdtreff zur Großkanzlei-Soiree

Die Legal Tech Szene früher

Es ist schon einige Jahre her, seit ich das erste Mal einen Juristen mit dem konfrontiert habe, was inzwischen einen festen Glaubenssatz der Legal Tech Szene bildet. „Im Prinzip ist bereits eine Excel-Tabelle imstande, eine Subsumtion mit größerer Akkuratesse zu vollführen als jeder Anwalt mit Doppelprädikat!“ Das sagte ich damals 2012 und die Reaktion meines Gegenübers war – freundlich ausgedrückt – ungläubig.

Eigentlich wollte ich den guten Herrn damals lediglich an einer schlichten Beobachtung teilhaben lassen. Er hingegen begriff die beiläufige Bemerkung als ketzerischen Angriff auf seine zentralsten Lebensgewissheiten: Dass er im Gegensatz zu zotteligen Informatik-Nerds einen anständigen Studiengang gewählt hat. Dass stumpfes Auswendiglernen fürs juristische Staatsexamen jemanden zu einer hochqualifizierten Fachkraft macht (und obendrein zu einem besseren Menschen). Dass die Arbeit von Juristen unersetzlich ist, zumal ihre überragende Methodologie der vier Auslegungscanones eine Art Universalbegabung darstellt. Dass 250 € pro Stunde hierfür doch ein mehr als fairer Preis sind. Und natürlich: dass IT primär etwas für bildschirmgebräunte EDV-Support-Knappen ist, die einem das standesgemäße Macbook aufsetzen.

Wenig verwunderlich empfand der Jurist es damals als kränkend, als ich seine Tätigkeit mit der einer Excel-Tabelle verglich. Also schloss er messerscharf, dass nicht sein kann, was nicht sein darf. Und bezeichnete die damals noch nicht so benannte Legal Technology als Spielerei, Zukunftsmusik und das Geisteskind von jemandem, der so naiv sei, einzigartig maßgeschneiderte Verträge und Gutachten aus vorhandenen Textbausteinen für reproduzierbare Massenprodukte zu halten.

Dergleichen wurde mir häufig erwidert, wenn ich es seitdem wagte, auf die Leistungsfähigkeit von Excel-Tabellen hinzuweisen. Insofern hatte ich mich schon damit abgefunden, dass bei Anwälten erst ein Sinneswandel einsetzt, sobald ihre Mandanten keine 50 €, geschweige denn 250 € pro Stunde mehr für eine Tätigkeit zahlen, die eine Software für einen Stundensatz von 0 € (zuzüglich Lizenzgebühren) erledigt. Erst in diesem Moment wird sich vermutlich ein Großteil der Rechtsdienstleister eingestehen, dass die Digitalisierung nicht bloß die ganze restliche Wirtschaft betrifft, sondern – oh Wunder – selbst Anwälte, weil auch ihre Leistung wenigstens partiell automatisierbar ist.

Die Legal Tech Szene heute

Nichtsdestotrotz teilen inzwischen nicht wenige Juristen den eingangs erwähnten Glaubenssatz. Und es sind weit mehr, als ich ursprünglich in der Frühphase der Legal Technology für möglich gehalten hätte. Man kann sogar sagen, Legal Technology wird salonfähig. Im wahrsten Sinne des Wortes. So ist es beispielsweise in Hamburg seit 2016 die renommierte Großkanzlei Hogan Lovells, die auf ihrer geschmackvollen Konferenzetage mit Alsterblick zum Legal Tech Meetup lädt. Ende Juli fand das Event nun schon zum dritten Mal statt – mit beachtlicher Resonanz. Daran ließen die restlos gefüllten Zuschauerreihen plus Warteliste keinen Zweifel.

Man stellt also durchaus fest, dass das Thema nun wenigstens in einigen juristischen Herzkammern Deutschlands angekommen ist. Die Legal Tech Szene feiert keine LAN-Parties im Gemeinschaftsbüro Coworking Space mehr. Sie feiert durchaus in Rooftop-Lounges prestigeträchtiger Kanzleien mit Sinn für Buffetkultur. Weit spannender aber ist die Frage, was das eigentlich bedeutet. Konkreter: Welche Handlungsimplikationen haben solche hippen Meetups? Tut sich etwas in der Arbeitsweise unserer Doppelprädikatselite? Wird inzwischen weniger Zeit ins Copy&Pasten von Textbausteinen investiert und mehr in die Entwicklung juristischer Algorithmen?

Nun ja. Abschließend beurteilen lässt sich das freilich nicht, weil wir nicht pauschal bewerten können, was sich kanzleiintern Gutes tut, ohne dass jemand darüber spricht. Aber zumindest dort, wo inzwischen Gutes über Legal Tech gesprochen wird, hat man den Eindruck, etliche hätten die Stufe des guten Tuns flugs übersprungen, um zumindest in Gesprächen mitreden zu können und weitsichtig zu wirken. „Natürlich ist Legal Tech für uns ein großes Thema“, versichert der Senior Partner beim Bewerbungsgespräch gerne jedem IT-affinen Associate-Aspiranten (, solange der die nötigen Noten mitbringt und anstandslos 70 Stunden die Woche buckelt). Die Realität sieht dann vermutlich so aus, dass der neue Mitarbeiter eher die M&A-Deals für Google und IBM betreuen darf oder bestenfalls auf Datenschutz-Schulungen geschickt wird. Ist doch schließlich auch irgendwas mit IT und Internet.

Ich überspitze natürlich ein wenig. Tatsache ist aber, dass

  1. zwar die allermeisten Branchenangehörigen, die dazu einen Kommentar abgeben dürfen, pflichtschuldig die hohe Relevanz der Legal Technology betonen.
  2. gleichzeitig aber die Digitalisierung derselben Branche seit Hoffähigkeit der Legal Tech Szene nicht nennenswert schneller voranschreitet als vorher.

In der Legal Tech Szene gab und gibt es eine Reihe von Unternehmern, deren Geschäftsmodell Erfolgsaussicht hat. Einzelne Akteure haben sogar Disruptionspotenzial. Und je weiter sie voranschreiten, desto spürbarer der Effekt der verwendeten Legal Technology. Siehe Fluggastentschädigungsportale. Als zunächst 2010 Flightright eine Website ins Netz stellte, steckte dahinter kein komplexer Algorithmus, der in Rückanbindung an Fluggastdatenbanken automatisiert binnen weniger Minuten Formulareingaben analysierte, das Bestehen eines Anspruchs prüfte und eine direkte Beauftragung anbot. Anfangs mussten die Angaben eines Nutzers noch vollständig manuell ausgewertet werden. Das Webformular ersetzte damals lediglich ein Printformular, ohne dass eine Sofortware vollautomatisch die Eingaben verarbeitete. Dass es demgegenüber heute so einfach funktioniert, eine Fluggastentschädigungen zu beanspruchen, ist der graduellen Entwicklung der letzten Jahre zu verdanken. Und auch heute verfügen unter allen Anbietern nur ganz wenige Flightright und Ersatz-Pilot über Webtools zur vollautomatisierten Prüfung und Durchsetzung von Fluggastrechten.

Dabei muss man bedenken, dass die IT-Infrastruktur im Reiserecht schon besonders ausgeprägt ist. Vergleichbare Online-Dienstleistungen zur Rückabwicklung von Lebensversicherungen und Verbraucherkrediten verlangen über weite Strecken noch immer nach einer manuellen Bearbeitung der Formulareingaben. Ähnliches gilt für Schadensersatzforderungen bei Unfällen und Rechtsbehelfen gegen Bußgeld- oder Hartz-IV-Bescheiden. Bei alledem verzeichne ich keinen nennenswerten Schub in der Entwicklung seit 2015. In Anbetracht des graduellen Fortschritts fehlen mir für einen Sprung oder gar eine exponentielle Kurve schlicht die Anhaltspunkte.

Exponentiell ist einzig die erweiterte Legal Tech Szene angewachsen. Und damit meine ich nicht einmal den Kreis aller selbsternannten Legal Tech Unternehmer, der zwar wächst, aber keineswegs in Potenz. Das scheitert daran, dass bereits das Geschäftsmodell den Erfolg vieler Startups strukturell vereitelt, sodass sie mittelfristig wieder vom Markt verschwinden. Wenn ich von einer sprungartig wachsenden Legal Tech Szene rede, fasse ich den Begriff weit. Zur Legal Tech Szene zählt bereits, wen Legal Tech näher interessiert. Also im Allgemeinen alle, die gut auf die Potenziale der Legal Technology zu sprechen sind, und im Besonderen die Eventgänger.

Die Legal Tech Szene künftig?

Es mag sein und wäre zu hoffen, dass sich diese Begeisterungswelle in zusätzliche Gründer und Legal Engineers übersetzt. Gebraucht werden sie alle Male, um bahnbrechenden Legal Tech Innovationen wie Smart Contracts tatsächlich zur Marktreife zu verhelfen. Instinktiv wirkt es auf mich bisher aber so, als sei ein Gutteil der Neuankömmlinge in der Legal Tech Szene an der Branche nicht zwangsläufig wegen der Arbeitsherausforderungen interessiert, sondern eher, weil das soziale Drumherum allmählich en vogue wird.

Insofern genießen wir zwar für den Moment den flüchtigen Glamour der Legal Tech Szene, konzentrieren uns aber ansonsten aufs Kerngeschäft.

Legal Tech News

3. Legal Tech Meetup Hamburgs

Posted by Jacob Weizmann on
3. Legal Tech Meetup Hamburgs

Das 3. Legal Tech Meetup Hamburgs, ausgerichtet von Hogan Lovells, war für uns fast schon ein Pflichttermin. Immerhin bildet das Event neben der Bucerius Herbsttagung bislang den einzigen fest organisierte Treffpunkt der Branche in der Hansestadt. Anlass genug, einen Abend lang Konkurrenz, Gelehrte und Spektanten des Legal Tech Kosmos in Hamburg näher kennenzulernen.

Die Konkurrenz

Spannend war zunächst der Kontakt mit der Handvoll Legal Tech Startup Pionieren, die sich eingefunden hatten. Bemerkenswert daran war, dass Unterhaltungen mit ihnen ganz überwiegend zu einem Pitch ihrer jeweiligen Geschäftsidee gerieten. Das war zuweilen so ansteckend, dass man von Zeit zu Zeit selbst dazu überging, das eigene Geschäftsmodell zu bewerben. In manchen Gesprächsrunden wirkte es so, als hätte man auf einer Messe die Besucher vergessen und nur die Aussteller aufeinander losgelassen. Dabei war das 3. Legal Tech Meetup Hamburgs eigentlich gar nicht als Schaulaufen für Startups konzipiert, sondern als informeller Austausch mit Vortrag.

Gründe für den Dauervertriebsmodus mancher Exponenten der Branche sind aber leicht gefunden. Wer es positiv sehen will, erklärt sich das Phänomen mit der Leidenschaft etlicher Start-Upler für die Legal Technology. Das betrifft fraglos die erfolgreichere Charge der Gründer, die jedes Recht hat, passioniert zu sein. Schließlich besteht für ihre Ideen eine echte Nachfrage.

Leider steckt hinter den Selbstvermarktungsallüren häufig keine allzu leidenschaftsweckendes Produkt. Genau damit geht aber meist ein anderer Anlass zum Dauerpitchen einher: der reine Kampf ums Überleben. Es ist schließlich so, dass die meisten ihre Unternehmung nicht mit eigenen Sparreserven ankurbeln, sondern wahlweise auf Investoren oder Darlehen zurückgreifen. Nun sind solche Geldgeber natürlich unterschiedlich gelassen, was die Rückführung ihrer Mittel angeht. Tatsache ist aber, dass weder Kredit- noch Wagniskapitalgeber ihre Zahlungen gerne abschreiben. Insofern sind es gerade auch seine Gläubiger, die einen jungen Legal Tech Entrepreneur in die Pedalen treten lassen. Das gilt insbesondere für diejenigen, deren Geschäftsidee doch nicht so sehr zündet, dass zuverlässige Tilgungsraten und Gewinnausschüttungen selbstverständlich sind. Und von denen begegnen uns auch in der jungen Legal Tech Szene leider einige.

Die Gelehrten

Das 3. Legal Tech Meetup Hamburgs hatte aber noch weit mehr zu bieten als mehr oder minder durchstartende Legal Tech Unternehmer unter den Teilnehmern. Erwähnung verdienen ebenso die Vorträge, mit denen das Event begann. Da war zum einen ein Impulsreferat einer BMW-Mitarbeiterin, deren Einlassungen mir gleichsam vor allem als Pitch für DriveNow in Erinnerung geblieben sind. Lesson learned: Wenn ein 15-minütiger Vortrag zu einem Drittel aus Image-Videos einer Firma besteht, hört die Schleichwerbung auf zu schleichen.

Was folgte, war ein Lehrstück in Sachen Powerpoint. Ich habe ja schon viele Vorträge gehört, bei denen die Drohkulisse disruptiver Technologien für den Rechtsmarkt in Szene gesetzt wird. Nun, beim 3. Legal Tech Meetup Hamburgs, war der Keynote Speaker Dr. Sascha Theißen hierfür zuständig. Und ich muss neidlos anerkennen: Er hat die Dramaturgie solcher Bühnenstücke perfektioniert. In einem Feuerwerk von Schaubildern, Videoclip-Einbettungen und bildgewaltigen Grafiken gewannen Innovationen wie AI und die Blockchain eine nie dagewesene Plastizität.

Dabei ist das Drehbuch des üblichen „Wie sieht die Zukunft des Anwaltsberufs aus?“-Vortrags eigentlich erstaunlich simpel gestrickt.

Erster Akt

Die Evergreens der Zukunftsmusik werden aufgelegt. Man hört, wie künstliche Intelligenz, die Blockchain und wahlweise noch die Smart Contracts den Anwalt obsolet machen. Fazit: Künftig werden KI-Roboter autonome Teslas voneinander bestellen. Zum Kauf besiegeln sie Smart Contracts, die in der Blockchain abgewickelt werden. Und wenn der künstlich intelligente Käufer wieder knapp bei Bitcoins ist und die Leasingrate nicht zahlt, fährt der Tesla halt einfach zum Hersteller zurück.

Zweiter Akt

Das wirft dann im Publikum unweigerlich eine Frage auf. Wo bleibt da eigentlich der Mensch? Im Falle von Legal Tech Events: Was gibt es in Zukunft für den menschlichen Juristen zu tun? Erste Antwort, die bei keinem Schauspiel dieser Gattung fehlen darf: Jedenfalls macht der Anwalt der Zukunft nicht mehr das, was er heute macht. Er muss seine Tätigkeit radikal neu erfinden.

Vorbei die Zeit, wo man Mandanten maßgeschneiderte Verträge anbieten und dafür Vertragsmuster aus gedruckten Formularhandbüchern abtippen durfte. Aber was macht ein erfolgreicher Anwalt in Zukunft stattdessen?

Dritter Akt

Nun darf der Redner sich an einer Lösung des skizzierten Problems versuchen. Und hier wird es dann meistens ernüchternd, so auch beim 3. Legal Tech Meetup Hamburgs.

Sicher wurden auch diesmal wieder einige Versuche unternommen, den richtigen Umgang mit der drohenden Disruption zu umreißen. Fehlen darf als Schlagwort nie der „Legal Engineer“, so als ob hierfür bald zehntausende Stellen ausgeschrieben würden und alle Anwälte fähig und willens wären, sich in Informatik-Kursen umfassend weiterzubilden. Mit von der Partie waren in Dr. Theißens Vortrag auch Phantomlösungen wie Breakout-Rooms für gestresste Mitarbeiter und Beispiele der Kundenfokussiertheit. Wegweisend sind demnach Amazons leerer Stuhl für den abwesenden Kunden im Besprechungszimmer. Oder Zalandos Gestaltung der Konferenzräume in der Optik von Kundenwohnzimmern. Ich will gar nicht bestreiten, dass solche Maßnahmen zum Erfolg eines Unternehmens beitragen können. Die gewünschte positive PR-Wirkung ist derartigen Schachzügen ohnehin gewiss. Aber man macht es sich doch entschieden zu einfach, wenn ein paar Kickertische im Büro und effizientere Abrechnungsmodelle als die billable hour ausreichen sollen, um sich für den strukturellen Wandel des Rechtsmarkts zu wappnen.

Katharsis?

So brachte Herr Dr. Theißen einmal mehr das zentrale Problem der Rechtsdienstleister ins Bewusstsein – und zwar rhetorisch brillant. Eine überzeugende Lösungsstrategie hat er indes nicht vorgelegt. Da ich derlei Vorträge allerdings zur Genüge kenne, will ich Herrn Dr. Theißen hierbei in Schutz nehmen. Dass keine richtige Lösung angeboten wird, liegt nicht an ihm, sondern vermutlich eher an der Thematik seines Bühnenstücks. Bei einer griechischen Tragödie ist auch kein Happy End vorgesehen. Ob es in Sachen Legal Tech so bleiben muss, ist nicht gesagt. Bisher muss man eines aber schlichtweg anerkennen. Der „Legal Engineer“ und die Suche nach neuen Kundenbedürfnissen und Märkten sind bestenfalls Provisorien. Wo allein die 164.000 deutschen Anwälte künftig arbeiten sollen, wenn der Google Assistant die Rechtsberatung übernimmt, dafür gibt es 2017 schlichtweg noch keine befriedigende Antwort.

Die Spektanten

Gefühlt dominierten Ende Juli beim 3. Legal Tech Meetup Hamburgs im Publikum aber gar nicht Redner und Konkurrenz, sondern Spektanten. Sprich: Legal Tech Interessierte ohne Zugehörigkeit zu einem Legal Tech Unternehmen. Dabei ist der Begriff Spektanten sicher nicht ganz glücklich, weil darunter auch etliche fallen, die immerhin in einer Kanzlei, Rechtsabteilung oder an einem Lehrstuhl vereinzelte Legal Tech Projekte betreuen. Wir sprechen in diesem Fall trotzdem von Spektanten, weil wir es nicht mit unmittelbarer Konkurrenz, mit Legal Tech Hardlinern zu tun haben, die nur noch an der Schnittstelle von Code und Recht arbeiten.

Mein persönlicher Eindruck ist hier sicher keine repräsentative Messgröße. Aber es regt doch zum Nachdenken an, dass die anwesenden Spektanten ein deutlich euphorisch-futuristischeres Verständnis von den Potenzialen der Legal Technology hatten. Ein Teilnehmer verstieg sich beim Buffet sogar zu der These, für die künftig überschüssigen Arbeitskräfte stünde mit der Virtual Reality doch eine hervorragende Lösung bereit. Apropos Buffet …

Der Gastgeber des 3. Legal Tech Meetup Hamburgs

Den größten Beitrag zum Gelingen des Abends leistete jedenfalls der Gastgeber Hogan Lovells und Nico Kuhlmann als Organisator im Besonderen. Das zeigte sich, wie so oft, nicht zuletzt an der ausgezeichneten Verpflegung nach den Vorträgen. Zu derartig gut geplanten und umgesetzten Veranstaltungen kommen wir gerne wieder.