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Wie viel Fluggastentschädigung erhält man tatsächlich?

Posted by Jacob Weizmann on
Wie viel Fluggastentschädigung erhält man tatsächlich?

Wie viel Fluggastentschädigung bei über dreistündiger Verspätung jedem Passagier gezahlt wird, ist vermeintlich leicht beantwortet. 250 € auf der Kurzstrecke, 400 € auf der Mittelstrecke und 600 € auf der Langstrecke. So will es die FluggastrechteVO, die den Anspruch von Passagieren auf ihre pauschale Fluggastentschädigung regelt. So behaupten es auch sämtliche schon bestehenden Fluggastportale, wenn man die Suchmaschine dazu befragt, wie viel Fluggastentschädigung einem Betroffenen zusteht. Damit scheint die Sache doch schon geklärt. Oder?

Jain. Denn was die FluggastrechteVO regelt und womit andere Fluggastportale werben, ist zunächst nur der Betrag einer Fluggastentschädigung, der de jure gefordert werden kann. Sprich: Ja soviel muss die Airline zahlen, um ihrer gesetzlichen Verpflichtung nachzukommen. Aber damit ist nicht gesagt, wann sie zahlt und ob überhaupt. Im Volksmund heißt es, Recht zu haben bedeute nicht automatisch Recht zu kriegen. Und genau so verhält es sich zumindest bei Fluggastrechten.

Würde es wirklich keinen Aufwand kosten, als Fluggast seine Entschädigung in voller Höhe einzufordern, gäbe es all die Fluggastportale gar nicht. Ihr Erfolg erklärt sich zu einem Gutteil daraus, dass es sich für die meisten Fluggäste tatsächlich lohnt, ihre Fluggastentschädigung zwar nicht in voller Höhe zu erhalten, dafür aber die Mühen mit der Durchsetzung ihrer Forderung einzusparen. Das lässt sich an folgendem Rechenbeispiel verdeutlichen.

Rechenbeispiel: Wie viel Fluggastentschädigung erhalte ich, wenn ich die Forderung selbst durchsetze?

Nehmen wir an, auf einem Mittelstreckenflug erleidet ein Fluggast eine vierstündige Verspätung, die alle Voraussetzungen für eine Ersatzzahlung erfüllt. Wie viel Fluggastentschädigung kann der Passagier laut FluggastrechteVO fordern? 400 €. Der Direktentschädiger Ersatz-Pilot zum Beispiel würde ihm hiervon unterm Strich 250 € bis 274 € direkt auszahlen. Sein einziger Aufwand bestünde darin, in fünf Minuten das Online-Formular auszufüllen. Will der Fluggast die Differenz von maximal 150 € behalten, muss er den Anspruch selbst durchsetzen. Das dauert natürlich nicht bloß fünf Minuten! Aber so manch einer denkt sich sicher, es wird schon nicht so aufwendig sein, dass es den Verzicht auf 126-150 € rechtfertigt. Um näherungsweise herauszufinden, ob das stimmt, muss man die aufzuwendende Lebenszeit zur Forderungsdurchsetzung mit dem Stundensatz des Fluggastes multiplizieren. Unterstellen wir, der Fluggast könnte pro Stunde alternativ 15 € netto verdienen.

Wie viel Zeit würde er zur Durchsetzung benötigen und welchem Gegenwert entspricht das? Erfahrungsgemäß ist folgendes Prozedere ein optimistisches Szenario:

Wie viel Fluggastentschädigung erhalten Selbstdurchsetzer im günstigen Fall?

Schritt 1: Recherche

Der Fluggast sichtet händisch seinen Fall und prüft, ob er überhaupt einen Anspruch hat. Dauer: 30 Minuten.

Schritt 2: Formulierung eines Aufforderungsschreibens

Als nächstes formuliert er ein Aufforderungsschreiben an die Airline. Durch entsprechende Google-Recherche findet er ggf. sogar eine für ihn ungefähr passende Vorlage, die er nur leicht umarbeiten muss. Bei ausländischen Airlines entsteht dann häufig noch zusätzlicher Aufwand für die Übersetzung, weil in der zuständigen Abteilung keine deutschsprachigen Mitarbeiter eingesetzt werden. Dauer: mindestens 30 Minuten.

Schritt 3: Versendung

Nun stellt sich die Frage: An welche Adresse muss das Aufforderungsschreiben geschickt werden? Das ist oft gar nicht so einfach zu beantworten. Denn meist findet sich auf der Website der Airline weder unmittelbar eine E-Mail-Adresse noch ein Kontaktformular. Dann bleibt nur der Weg durch ein mühseliges FAQ-System. Alternativ kann man natürlich auch an den Sitz der Airline einen Brief schicken. Aber auch das kostet seine Zeit – nebst Druckkosten und Briefmarke.

Noch komplizierter wird es bei so genannten Code-Sharing-Flügen. Verpflichtet ist hier nicht zwingend die Airline, bei der gebucht wurde. Aber auch die Uniform der Besatzung gibt nicht zwingend Aufschluss: Bei so genannten Wet Lease Vereinbarungen bleibt nämlich die beauftragende Airline in der Verantwortung. Wer also tatsächlich als ausführende Airline Anspruchsgegnerin gilt, erschließt sich oft erst nach vertiefter Recherche.

Dauer bis zur Versendung des Entschädigungsgesuchs: mindestens 30 Minuten.

Schritt 4: Erinnerung

Häufiger als nicht antwortet die Airline ohne erneute Nachfrage gar nicht oder sehr spät. Zur Begründung heißt es gern, die Aufforderung zur Fluggastentschädigung sei nicht von vorn herein an die zuständige Stelle geschickt worden. Wie sollte sie auch, wenn diese oftmals auf den Websites der Fluggesellschaften gar nicht vermerkt ist? Insofern wird zumeist mindestens eine Erinnerung nötig. Dauer: 30 Minuten.

Schritt 5: Erneute Aufforderung

Antwortet die Airline schließlich, sind zwei Reaktionsweisen typisch. Entweder die Fluggesellschaft bestreitet mit einer Standardformulierung ihre Zahlungspflicht. Das passiert regelmäßig bei weniger sorgfältig ausformulierten Entschädigungsgesuchen. Wer also nicht schon im ersten Schritt mindestens eine Stunde in die fehlerfreie Ausgestaltung der Aufforderung zur Fluggastentschädigung investiert, wird diese Zeit benötigen, um auf die Ablehnung der Airline zu erwidern. Dauer: mindestens eine Stunde.

Bis zu diesem Punkt hat der Fluggast in aller Regel bereits über 2,5 Stunden investiert. Das entspricht in unserem Beispiel einem Zeitwert von ca. 40 €.

Schritt 6: Wie viel Fluggastentschädigung gibt es am Ende?

Erst nach diesem Arbeitsaufwand wird die zweite Reaktionsweise der Airline wahrscheinlich. In der Tat bietet sie eine Entschädigung an. Nur eben nicht in voller Höhe. Stattdessen kalkuliert sie damit, dass der Passagier einer Vergleichszahlung von etwa 75 Prozent des Nennwerts seines Anspruchs auf Fluggastentschädigung zustimmt. In unserem Fall, auf einem Mittelstreckenflug, wären das 300 €. Das ist sicher mehr, als alle Entschädigungsanbieter zahlen. Gleichzeitig muss man bedenken, dass der Fluggast hierfür einen Aufwand im Gegenwert von 40 € investieren musste und bei einem höheren Stundensatz als 15 € sogar noch mehr.

Das heißt, das Mehr an Entschädigung bei der Selbstdurchsetzung relativiert sich sehr wahrscheinlich angesichts des Gegenwerts des erforderlichen Zeitaufwands. Dass ein Fluggastportal, insbesondere ein Direktentschädiger, Nerven und Wartezeit spart, ist dabei noch gar nicht eingepreist.

Wie viel Fluggastentschädigung bleibt Selbstdurchsetzern im ungünstigen Fall?

Vor allem muss man aber bedenken, dass der obige Ablauf ein günstiges Szenario darstellt. Ebenso gut ist denkbar, dass die Airline nicht einmal ein Vergleichsangebot unterbreitet und es auf die gerichtliche Konfrontation ankommen lässt. Dann waren die außergerichtlichen Mühen vollends vergebens. Verzichtet man weiterhin auf die Option einer Sofortentschädigung, bleibt dann nur die Option, einen Anwalt zu beauftragen.

Man kann das über Inkasso-Unternehmen wie Flightright tun. Hier zahlt man zwar nur im Erfolgsfall und hat kein Prozessrisiko. Gleichwohl muss man sich mit dem Gedanken anfreunden, dem Dienstleister mindestens 20, eher 25-30% des Nennwerts der Fluggastentschädigung plus Mehrwertsteuer als Provision zu überlassen. In unserem Beispiel des verspäteten Mittelstreckenflugs sind das knapp 150 €. Damit steht man nicht günstiger da, als wenn man sofort die direkte Entschädigung von Ersatz-Pilot gewählt hätte.

Alternativ kann der betroffene Passagier das Prozessrisiko eingehen, einen Anwalt beauftragen und in Vorkasse treten. Immerhin muss die Airline Anwalts- und Gerichtsgebühren tragen, sollte der Fluggast sich letztendlich durchsetzen. Auch seine Fluggastentschädigung erhielte der Fluggast in diesem Falle in voller Höhe. Im Beispiel wären es ganze 400 €. Also besteht zumindest bei einem Gerichtsverfahren mit vollem Prozessrisiko die Aussicht, die gesetzlich vorgesehene Fluggastentschädigung einzustreichen?

Ja. Aber um das so zu bejahen, muss man die Seite des Aufwands hierfür ausklammern. Denn die eigenen Mühen hören bei gerichtlicher Durchsetzung nicht schon dort auf, wo der Einzelne die Airline zunächst außergerichtlich selbst aufgefordert hat. Sie fangen mit Beauftragung eines Juristen erst so richtig an. Zunächst ist ein geeigneter Anwalt zu suchen und anschließend zu mandatieren. Hiernach ist ihm der Fall zu schildern, damit er eine Klageschrift fertigen kann. Auch sind Rückfragen keine Seltenheit. Zudem kann es vorkommen, dass der Fluggast persönlich zum Verhandlungstermin eines Gerichtsverfahrens geladen wird.

Für die allermeisten steht der nötige zeitliche Aufwand hierfür außer Verhältnis zu den 150 €, um die die Fluggastentschädigung die Direktzahlung eines Fluggastportals wie Ersatz-Pilot übertrifft.

Wie viel Fluggastentschädigung zahlen die verschiedenen Direktentschädiger?

Damit ist aber noch geklärt, welcher Anbieter Fluggästen den größten Anteil am Nennwert ihrer Fluggastentschädigung gewährt. Beantwortet haben wir diese Frage allerdings in einem anderen Beitrag, der sämtliche deutschsprachigen Fluggastportale miteinander vergleicht. Wer sich also (verständlicherweise) die Mühen einer Selbstdurchsetzung sparen möchte, erfährt dort, wer zurzeit die besten Konditionen für eine direkte Entschädigung bietet.

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Erfahrung mit Fairplane: Bezahldauer, Provision & Kundenbewertungen

Posted by Jacob Weizmann on

Etliche Reisende haben inzwischen Erfahrung mit Fairplane gemacht. Immerhin ist es eines der ältesten Fluggastportale, das Fluggästen bei Ausfall oder Verspätung zu einer Entschädigung verhilft. Mittlerweile bieten aber ebenso zahlreiche Konkurrenten vergleichbare Dienste. Hat Fairplane am Markt also noch die Nase vorn? Um eine Antwort hierauf zu finden, untersucht der Artikel den Service des Unternehmens in allen Einzelheiten und wertet die Erfahrung mit Fairplane aus, die Kunden bisher sammeln.

Dazu wird geprüft,

  1. wie viel Provision Fairplane für sich behält und welche Entschädigung unterm Strich ausgezahlt wird,
  2. wie lange Fairplanes Prozedere bis zur Auszahlung der Entschädigung dauert,
  3. welcher Aufwand einem Kunden entsteht, um den Dienst zu beanspruchen,
  4. was Kunden nach ihrer Erfahrung mit Fairplane vor allem schätzen und was ihnen negativ auffällt (umfassende Sichtung der Einträge auf Bewertungsportalen).

Auf dieser Grundlage ermittelt der Beitrag abschließend, wie sich Fairplane in der Gesamtbewertung schlägt (5.). Unseren Vergleich mit allen anderen Fluggastportalen finden Sie übrigens hier.

1. Provision und Entschädigungshöhe

Art. 7 Abs. 1 FluggastrechteVO verleiht Flugreisenden für erhebliche Flugunregelmäßigkeiten einen Anspruch auf

  • 250 € bei Flugdistanzen von unter 1.500 km,
  • 400 € auf Flugdistanzen bis 3.500 km und
  • 600 € auf Flugdistanzen von mehr als 3.500 km.

Setzt man solche Forderungen mit Fairplane durch, behält das Unternehmen davon für seine Dienste einschließlich Mehrwertsteuer 29 % als Provision. Unterm Strich erhält ein Kunde also

  • 177,50 € bei Kurzstreckenflügen,
  • 284 € bei Mittelstreckenflügen und
  • 426 € bei Langstreckenflügen.

Gleichwohl sind dies nur die Werte bei vollumfänglicher Durchsetzung eines Anspruchs. Gelingt es Fairplane nur, einen Vergleich mit der Airline zu schließen, bewegt sich der ausgezahlte Betrag darunter. Scheitert die erfolgreiche Verfolgung von Forderungen wie in ca. jedem 50. Verfahren vollends, geht der Fluggast sogar völlig leer aus.

Im Hinblick auf die Höhe der Entschädigung rangiert Fairplane im Vergleich zu Konkurrenten eher auf einem vorderen Platz, allerdings nicht an der Spitze. Gerade von den Sofortentschädigern zahlen viele (aber nicht alle) erheblich weniger. Umgekehrt versprechen manche Fluggastportale sogar einige dutzend Euro mehr pro Anspruch.

2. Dauer des Verfahrens zur Entschädigung

Wer schon Erfahrung mit Fairplane hat, weiß: Das Fluggastportal agiert vornehmlich als Inkasso-Dienstleister. Seine Tätigkeit besteht weniger in einer Sofortentschädigung gegen Forderungsabtretung, sondern in der Verfolgung von Ansprüchen des Kunden. Infolgedessen überweist Fairplane eine Entschädigung erst, nachdem die Fluggesellschaft eine Forderung anerkannt und ausgeglichen hat. Abhängig von der Airline und der Lage des Einzelfalls unterscheiden sich die Auszahlungszeiten also deutlich. In manchen Konstellationen leisten Airlines zeitnah nach anfänglichen Aufforderungen. Leitet Fairplane den Beitrag zudem zügig weiter, beläuft sich die Wartezeit eines Kunden auf „bloß“ drei bis fünf Wochen zwischen Beauftragung Fairplanes und Zahlungseingang auf seinem Konto.

Das beschreibt jedoch den Best Case. Laut Kundenbewertungen ereignen sich daneben häufig Fälle, in denen Fairplane Anwälte hinzuziehen oder gar klagen muss.

Eine außergerichtliche Verfolgung des Anspruchs durch einen Anwalt dauert hierbei 1-3 Monate. Sie beginnt außerdem frühestens, sobald Fairplane sie für erforderlich halten muss. Andernfalls darf das Unternehmen einer Fluggesellschaft nämlich keine Anwaltskosten aufbürden, sondern hat sie eigenständig auszugleichen. Als notwendig gilt eine anwaltliche Rechtsverfolgung jedoch erst, nachdem eine Airline einer Zahlungsaufforderung ohne Anwalt nicht Folge leistet. Deren Frist muss also zunächst ablaufen und ggf. sogar eine Fristverlängerung, die die Airline zur Bearbeitung erbittet. Ist also ein Anwalt heranzuziehen, ergeben sich für Kunden effektiv Wartezeiten von 2-4 Monaten.

Bleibt die Fluggesellschaft weiterhin hartnäckig und lässt sie es auf ein Gerichtsverfahren ankommen, ist mehr Geduld gefragt. Auf welche genaue Dauer sich Fluggäste einstellen müssen, richtet sich danach, ob die verklagte Airline in Deutschland, im EU-Ausland oder einem Drittstaat angesiedelt ist. Gegen deutsche Airlines können Verfahren nämlich auf Deutsch geführt werden; ansonsten muss hingegen üblicherweise jeder Schriftsatz übersetzt werden. Das nimmt Zeit in Anspruch. Ziehen sich Prozesse gegen inländische Fluggesellschaften bis zur Zahlung in der Regel über 4-10 Monate, dauern sie gegen ausländische Airlines teilweise über Jahre. Kundenbewertungen erwähnen mitunter Gerichtsverfahren, in denen erst nach 2-3 Jahren ein Urteil ergeht.

Im Durchschnitt dauert die Auszahlung gemessen an der bisherigen Erfahrung mit Fairplane einige Monate. Damit belegt das Unternehmen im Vergleich mit Alternativanbietern einen hinteren Platz. Gerade Sofortentschädiger punkten hingegen dadurch, dass nach ihrem Geschäftsmodell binnen weniger Tage Zahlungen an die Kunden fließen.

3. Aufwand eines Kunden

Ein zentraler Pluspunkt der Erfahrung mit Fairplane gleich zu Beginn: Keinem Kunden entsteht ein Kostenrisiko. Man braucht also für keinen Teilschritt der Rechtsverfolgung in Vorleistung treten – weder für Fairplanes Aktivitäten noch für Anwaltskosten noch für Gerichtsgebühren. Nur im Erfolgsfall überlässt ein Fluggast Fairplane eine Provision. Fairerweise sei ergänzt: Dasselbe garantieren auch die anderen Fluggastportale.

Hervor sticht nach der jüngeren Erfahrung mit Fairplane demgegenüber vor allem das Online-Formular des Unternehmens. Dieses untersucht Anfragen präziser als Abfragemodule der meisten Mitbewerber – einmal abgesehen von denen Flightrights und Ersatz-Pilots. Zugleich vollführt das Online-Modul einen Abgleich der Eingaben mit Einträgen in Flugdatenbanken. Die angeschlossenen Datenbanken scheinen zwar alles andere als vollständig. Aber zumindest teilweise muss der Nutzer den Vorfall auf seinem Flug gar nicht mehr manuell darstellen. Der Aufbau der Online-Abfrage erlaubt zudem die direkte Beauftragung im Internet und erspart diverse nachträgliche Rückfragen. Das beschränkt den Aufwand des Nutzers für die Erfassung seines Falls auf ca. 8-10 Minuten.

Ein geringer Zusatzaufwand entsteht Kunden freilich im Nachgang gerade dort noch, wo ein Anwalt zur Durchsetzung beauftragt werden muss. Hierfür ist gesondert jedenfalls noch eine Vollmacht auszustellen.

Somit minimiert Fairplane den Aufwand für Kunden relativ weitreichend. Auf etwas höherem Niveau ebnen im Vergleich nur zwei andere Anbieter den Weg zur Ausgleichszahlung.

4. Kundenbewertungen zur Erfahrung mit Fairplane

Fairplane verweist darauf, dass das Unternehmen in mehreren Rankings Spitzenplätze erreicht hat. Aber was sagen die Kunden? Auf dem Bewertungsportal Ausgezeichnet.org erzielt Fairplane eine Bewertung von insgesamt 4,89/5 Punkten (Stand: 02.06.2018). Insgesamt berichten dort mehr als 6.000 Kunden über ihre Erfahrung. Bei Google erhält das Unternehmen demgegenüber nur eine Durchschnittsbewertung von 3,6 Sternen – allerdings hat hier nur eine Handvoll Kunden eine Beurteilung hinterlassen. Nutzer des Fluggastportals wirken also überwiegend zufrieden, obgleich vereinzelt kritische Zwischentöne zu vernehmen sind. Der Vergleich mit alternativen Anbieter stellt heraus, dass Fairplane innerhalb der Branche damit eher einen mittleren Platz belegt.

Nachstehend betrachten wir das Feedback im Einzelnen.

Gute Erfahrungen

Die veröffentlichte Erfahrung mit Fairplane spiegelt zunächst die allgemeine Freude der Kunden darüber wider, dass sie überhaupt eine Entschädigung erlangen. Das erhebt Fairplane für sich genommen noch nicht über Mitbewerber; die Häufigkeit des Lobes ist eher Ausdruck der Größe und Bekanntheit des Portals. Im Besonderen begrüßen Kunden darüber hinaus wenig verwunderlich das unkomplizierte Online-Formular und die relativ hohen Entschädigungssummen.

Ganz überwiegend verfolgt der Anbieter ausweislich der ausgewerteten Erfahrung mit Fairplane positiv im Online-Formular geprüfte Forderungen erfolgreich. Kunden können somit erwarten, dass die Beauftragung Fairplanes im Regelfall zu einer Zahlung führt.

Erfreulich finden Rezensenten bei ihrer Erfahrung mit Fairplane ferner die Beharrlichkeit des Unternehmens. So scheut Fairplane auch langwierige Verfahren durchaus nicht per se. Dass das Fluggastportal sich ausschließlich „Rosinen herauspickt“ und kompliziertere Fälle tendenziell ablehnt, stimmt zumindest nicht pauschal.

Positiv heben Kunden zusätzlich hervor, dass Fairplane Entschädigungsbeträge nach Zahlung durch die Airlines rasch auskehrt. Die Wartezeit von Kunden verzögert sich also nicht zusätzlich durch lange Kommunikationsschleifen innerhalb des Unternehmens.

Im Übrigen unterhält Fairplane ein weites Netzwerk von Partneranwälten in Europa und kann daher auch Forderungen im EU-Ausland durchsetzen. Das erhöht das Spektrum der Fälle, die Fairplane bearbeiten kann, und führt zu selteneren Abweisungen wegen einer unzugänglichen Jurisdiktion.

Schlechte Erfahrungen

Auf Unmut stoßen vor allem die langen Wartezeiten, die das Wesen des Geschäftsmodells Fairplanes mit sich bringt. Zwar trifft Fairplane keine Schuld, wenn es zahlungsunwillige Fluggesellschaften auf eine Klage anlegen und der Verfahrensausgang sich hinausschiebt. Gleichwohl zeigen Sofortentschädiger, dass es durchaus möglich ist, Kunden die Geduld bis zur Auszahlung zu ersparen. In den Vorwürfen schwingt insoweit mit, dass Fairplane trotz einer Provision von 29 % das Risiko eines offenen Verfahrensausgangs nicht bereitwillig schultert. Das Problem vergrößert sich außerdem, weil Fairplane offenbar in gleichgelagerten Fällen laut manchen Kundenaussagen erst taktisch eine Klage für eine Forderung voranschiebt. Erst infolge der gerichtlichen Entscheidung über diese beginnt die Durchsetzung der übrigen Ansprüche. Das reduziert zwar das Prozesskostenrisiko, verlängert aber die Verfahren zum Nachteil der Fluggäste und trübt ihre Erfahrung mit Fairplane.

Darüber hinaus bemängeln einige Kunden, Fairplane breche gelegentlich Verfahren wider Erwarten ab, falls sich herausstellt, dass die Durchsetzung schwerer fällt als anfangs angenommen. Bemängelt wird vor allem die Widersprüchlichkeit der Aussagen. So bemerkt der Anbieter gelegentlich erst im laufenden Verfahren die Aussichtslosigkeit, während er entsprechende Fälle anfangs noch als erfolgsträchtig eingestuft hatte. Das führt zu Unverständnis. Betroffene Kunden wundern sich, weshalb sie sich überhaupt die Mühe einer Beauftragung gemacht haben und nicht schon im ersten Schritt eine genauere Untersuchung ihrer Fälle erfolgte. Verstärkt wird dieser unangenehme Eindruck noch, weil sich etliche Flugreisende in einer solchen Situation nachträglich an ein anderes Portal wandten und dieses ihre Forderungen oftmals erfolgreich durchsetzen konnte.

Zudem kritisiert der eine oder andere Kunde, dass bei Fairplane gelegentlich Statusupdates zum Stand des Verfahrens fehlen. Als verwirrend empfinden es einige Nutzer außerdem, dass ihnen im Falle einer anwaltlichen Forderungsdurchsetzung zwei Ansprechpartner gegenüberstehen: Fairplane und eine Kanzlei. Das erhöht zugleich den Kommunikationsaufwand.

Wiederholt beargwöhnen Kunden außerdem die Qualität einiger Partneranwälte und im Besonderen deren unzureichende Kommunikationskompetenz. Weiterhin kommt es zuweilen zu Problemen in der Buchhaltung von Partnerkanzleien Fairplanes. Offensichtlich werden Zahlungen der Airlines manchmal erst auf Nachfrage weitergeleitet.

Wie repräsentativ sind die gesichteten Bewertungen?

Die Menge verfügbarer Erfahrungsberichte scheint auf den ersten Blick beeindruckend; sie ermöglicht ein gefestigtes Urteil, das sich auf ein breites Spektrum von Einzelmeinungen stützt. Dennoch fällt auf, dass der Fundus öffentlicher Bewertungen im Verhältnis zur Kundenzahl insgesamt wie eine bloße Stichprobe wirkt. Nach eigenem Bekunden gelang es Fairplane nämlich, allein 2017 für Kunden über 36.000 Verfahren erfolgreich zu führen. Zugleich erfährt man auf dem Firmenprofil unter Ausgezeichnet.org, dass der Anbieter binnen 12 Monaten bloß etwas mehr als 600 Bewertungen sammelt. Kaum jeder sechzigste Nutzer der Plattform tut also seine Meinung kund.

Das provoziert die Frage: Weshalb geben ~98,5% der Kunden keine Bewertung ab? Hierfür kommt gewiss mehr als ein einzelner Grund in Betracht. Allerdings liegt es nahe, dass die allermeisten schweigenden Kunden immerhin weder so fasziniert noch verstimmt sind, dass sie den Wunsch haben, ihre Erfahrungen öffentlich zu schildern. Eine denkbare Folgerung hieraus besagt, dass die allermeisten Nutzer recht zufrieden sind. Sie schäumen zwar nicht über vor Begeisterung über den Service; umgekehrt erlebten sie aber auch keine nennenswerten Unannehmlichkeiten.

5. Gesamtbewertung

In der Gesamtbetrachtung legt die Erfahrung mit Fairplane unseres Erachtens ein durchschnittliches Urteil nahe. Fairplane hat sein Online-Formular zwar inzwischen überarbeitet, reicht aber nicht an den Standard von Flightright und Ersatz-Pilot heran. Gleichzeitig überragt das Fluggastportal Konkurrenten weder bei der Entschädigungshöhe noch bei den Kundenbewertungen noch bei der Dauer bis zur Auszahlung. In unserer Gegenüberstellung belegen manche Alternativanbieter bessere Plätze – einige sogar in sämtlichen Kategorien (z.B. Ersatz-Pilot). Vor der Auswahl eines Dienstes lohnt sich für Flugreisende daher ein Blick auf unseren Vergleich sämtlicher Anbieter, den wir hier veröffentlicht haben.

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Erfahrung mit Flightright: Provision, Bezahldauer & Kundenbewertung

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Erfahrung mit Flightright haben inzwischen zehntausende Fluggäste gesammelt. Schließlich verhilft das Fluggastportal Reisenden bei Flugunregelmäßigkeiten seit fast zehn Jahren zu einer Entschädigung. Mittlerweile stellen aber auch etliche Konkurrenten ähnliche Dienste bereit. Daher stellt sich die Frage, ob Flightright betroffenen Fluggästen weiterhin den besten verfügbaren Service bietet. Um dies zu beantworten, prüft der Beitrag systematisch die Konditionen des Unternehmens und die Erfahrung mit Flightright, die Kunden bisher machen.

Untersucht wird dazu,

  1. wie viel Entschädigung Flightright unterm Strich auszahlt bzw. wie viel Provision das Unternehmen einbehält,
  2. wie lange ein Verfahren bis zur Auszahlung der Entschädigung dauert,
  3. welcher Aufwand dem Kunden entsteht, um den Dienst zu nutzen,
  4. was Kunden nach ihrer Erfahrung mit Flightright besonders schätzen und was sie negativ bewerten (systematische Auswertung der Einträge auf Bewertungsportalen).

Auf dieser Basis lässt sich abschließend beurteilen, wie das Unternehmen in der Gesamtbewertung abschneidet (5.). Einen Vergleich mit anderen Fluggastportalen haben wir übrigens hier veröffentlicht.

1. Höhe der Entschädigung und Provision

Art. 7 Abs. 1 FluggastrechteVO gewährt Flugreisenden für bestimmte Flugunregelmäßigkeiten

  • 250 € auf Kurzstrecken,
  • 400 € auf Mittelstrecken und
  • 600 € auf Langstrecken.

Setzt man solche Forderungen mit Flightright durch, behält das Unternehmen für seine Dienste 20 bis 30 % zzgl. Mwst. davon als Provision. Unterm Strich erhält ein Kunde also

  • 160,75 € bis 190,50 € bei Kurzstreckenflügen,
  • 257,20 € bis 304,80 € bei Mittelstreckenflügen und
  • 385,80 € bis 457,20 € bei Langstreckenflügen.

Flightright gibt keine Auskunft darüber, wann und wie häufig das Unternehmen eher hohe und wann eher niedrige Provisionen berechnet. Ein greifbarer Richtwert für die übliche Höhe der Provision ergibt sich jedoch zumindest, wenn man vom arithmetischen Mittel ausgeht, also von 25 % zuzüglich Mehrwertsteuer. Nach Hinzurechnung der Mehrwertsteuer beläuft sich die Provision hier effektiv auf knapp 30 Prozent; etwas mehr als 70 Prozent seines Forderungswerts erhält der Fluggast. In Eurobeträgen beläuft sich die die Auszahlungssumme auf

  • 175,63 € bei Kurzstreckenflügen,
  • 281 € bei Mittelstreckenflügen und
  • 421,50 € bei Langstreckenflügen.

Damit liegt Flightright in Puncto Entschädigungshöhe im Vergleich zu Konkurrenten im oberen Mittelfeld. Gerade von den Sofortentschädigern zahlen viele (aber nicht alle) erheblich weniger. Umgekehrt bieten manche Fluggastportale häufig einige dutzend Euro mehr pro Anspruch.

2. Dauer bis zur Entschädigung

Wer schon einmal Erfahrung mit Flightright  gemacht hat, weiß: Es handelt sich um einen so genannten Inkasso-Dienstleister. Für Kunden bedeutet das vor allem, dass das Unternehmen eine Entschädigung erst auszahlt, wenn der Anspruch eines Fluggastes gegen die jeweilige Airline durchgesetzt wurde. Je nach Fall und Fluggesellschaft variieren die Auszahlungszeiten also deutlich. In manchen Konstellationen zeigen sich Airlines kooperativ und leisten auf erstes Anfordern. Wenn Flightright den Betrag dann noch zeitnah auskehrt, entstehen dem Kunden Wartezeiten von „nur“ drei bis fünf Wochen zwischen Antrag und Zahlungseingang auf seinem Konto.

Das ist allerdings der Idealfall. Den Bewertungen zufolge treten daneben oftmals Fälle auf, die die außergerichtliche Hinzuziehung eines Anwalts verlangen oder gar ein Gerichtsverfahren.

Eine außergerichtliche Verfolgung des Anspruchs durch einen Anwalt dauert dabei ein bis drei Monate. Sie kann außerdem erst beginnen, wenn Flightright sie für erforderlich halten muss. Andernfalls darf Flightright der Airline nämlich nicht die Anwaltsgebühren aufbürden, sondern muss sie selbst begleichen. Erforderlich ist eine anwaltliche Rechtsdurchsetzung jedoch frühestens, wenn eine Airline einer Zahlungsaufforderung ohne Anwalt nicht nachkommt. Deren Frist muss also erst verstreichen und ggf. noch eine Fristverlängerung, die die Airline zur Bearbeitung erbittet. Muss also überhaupt ein Anwalt eingeschaltet werden, folgen für den Kunden Wartezeiten von zwei bis vier Monaten.

Schließt sich hiernach ein Gerichtsverfahren an, dauert es noch länger. Wie lange genau richtet sich danach, ob die verklagte Fluggesellschaft in Deutschland, im EU-Ausland oder einem Drittstaat ihren Sitz hat. Gegen deutsche Airlines können Verfahren nämlich auf Deutsch geführt werden; ansonsten muss hingegen jeder Schriftsatz übersetzt werden. Das kostet zusätzliche Zeit. Dauern Prozesse gegen inländische Airlines bis zur Zahlung typischerweise vier bis zehn Monate, können sie sich gegen ausländische Fluggesellschaften über Jahre ziehen. In den Kundenbewertungen liest man manchmal von Prozessen, die erst nach über zwei oder drei Jahren in ein Urteil münden.

Gemessen am öffentlichen Feedback von Kunden dauert die Auszahlung bei Flightright auch durchschnittlich einige Monate. Im Vergleich mit Alternativanbietern belegt das Unternehmen damit einen hinteren Platz. Gerade Sofortentschädiger punkten hingegen damit, dass nach ihrem Geschäftsmodell binnen weniger Tage Zahlungen an die Kunden fließen.

3. Aufwand für Kunden

Ein zentrales Verkaufsargument von Flightright vorweg: Ein Kostenrisiko entsteht dem Kunden nicht. Er braucht für nichts in Vorleistung treten – weder für Flightrights Tätigkeit noch für Anwaltsgebühren noch für Gerichtskosten. Stattdessen zahlt ein Fluggast nur die Provision im Erfolgsfall. Fairerweise garantieren dies aber auch alle anderen Fluggastportale.

Hervor sticht nach unserer Erfahrung mit Flightright demgegenüber vor allem das Online-Formular des Unternehmens. Dieses untersucht Anfragen deutlich genauer als Systeme der allermeisten Konkurrenten – einmal abgesehen von denen Fairplanes und Ersatz-Pilots. Zudem vollführt das Online-Modul einen Abgleich der Eingaben mit Einträgen in Flugdatenbanken, sodass der Nutzer den Vorfall auf seinem Flug häufig gar nicht mehr händisch schildern muss. Die Systematik des Online-Formulars gestattet zudem eine Beauftragung direkt online und erübrigt etliche Rückfragen im Nachgang. Das beschränkt den Aufwand des Nutzers für die Erfassung seines Falls auf 5 bis 10 Minuten.

Ein geringer Zusatzaufwand entsteht Kunden freilich im Nachgang gerade dort noch, wo ein Anwalt zur Durchsetzung beauftragt werden muss. Hierfür ist gesondert jedenfalls noch eine Vollmacht auszustellen.

Insgesamt reduziert Flightright den Kundenaufwand somit verhältnismäßig weit. Auf demselben Niveau ebnen im Vergleich lediglich zwei andere Fluggastportale den Weg zur Entschädigung.

4. Kundenbewertungen zur Erfahrung mit Flightright

Flightright bezeichnet sich selbst als „die Nummer 1 in Europa“. Aber was sagen die Kunden? Auf dem Bewertungsportal Trustpilot erzielt das Unternehmen eine Bewertung von insgesamt 9,1/10 Punkten (Stand: 25.05.2018). Insgesamt berichten dort mehr als 3.000 Kunden über ihre Erfahrung. Auch bei Google erhielt das Unternehmen bisher ca. 500 Bewertungen, die durchschnittlich etwas mehr als viereinhalb von fünf Sternen verleihen. Die Kunden scheinen also überwiegend sehr zufrieden, wenngleich sich vereinzelt kritische Zwischentöne einreihen. Der Vergleich mit alternativen Anbieter legt jedoch nahe, dass Flightright innerhalb der Branche damit durchaus einen hinteren Platz belegt.

Nachstehend werten wir das Feedback im Einzelnen aus.

Positive Erfahrungen

Zum einen loben Kunden wenig verwunderlich das unkomplizierte Online-Formular und die relativ hohen Entschädigungssummen.

Ganz überwiegend gelingt es Flightright zudem, positiv im Online-Formular geprüfte Forderungen durchzusetzen. Kunden können insofern davon ausgehen, dass die Beauftragung Flightrights im Regelfall zu einer Zahlung führt.

Erfreulich finden Rezensenten laut ihrer Erfahrung mit Flightright die Beharrlichkeit des Anbieters. So liest man teilweise von Verfahren, in denen Flightright selbst langwierige Prozesse nicht scheut. Dass das Unternehmen sich ausschließlich „Filetstücken“ herausgreift und in komplizierteren Fällen die Bearbeitung verweigert, stimmt zumindest nicht pauschal.

Zudem überbrückt Flightright die Wartezeit bis zur Durchsetzung, indem Kunden regelmäßig Statusupdates per E-Mail erhalten und im Intranet einsehen können. Das würdigen zahlreiche Erfahrungsberichte.

Positiv fällt Kunden ferner auf, dass Flightright Entschädigungsbeträge nach Zahlung durch die Fluggesellschaft zügig auskehrt. Die Wartezeit von Kunden erhöht sich also nicht zusätzlich durch etwaige interne Verzögerungen in der Buchhaltung des Unternehmens.

Außerdem kommt Flightright zugute, dass das Unternehmen über ein weitreichendes Netzwerk von Partneranwälten in Europa verfügt und daher notfalls auch Forderungen im EU-Ausland durchsetzen kann. Eingeschränkt wird dieses Lob jedoch durch die Erfahrung mancher Kunden, wonach Flightright nachträglich bemerkt, dass im konkreten Fall doch kein Partneranwalt im jeweiligen Land des Gerichtsstandes bereitsteht.

Negative Erfahrungen

Bemängelt werden hauptsächlich die langen Wartezeiten, die die Natur des Geschäftsmodells mit sich bringt. Gewiss liegt es nicht an Flightright, wenn zahlungsunwillige Airlines es auf ein Gerichtsverfahren ankommen lassen und sich eine Entscheidung hinauszögert. Umgekehrt zeigen Sofortentschädiger, dass es durchaus möglich ist, Kunden die Geduld bis zur Auszahlung zu ersparen. In den Vorwürfen schwingt insoweit mit, dass Flightright demgegenüber das Risiko der Vorauszahlung nicht eingeht. Hinzu kommt, dass Flightright in gleichgelagerten Fällen laut manchen Kundenaussagen erst taktisch eine Klage für eine Forderung voranschiebt. Erst nach der gerichtlichen Entscheidung über diese folgt dann die Durchsetzung der übrigen Ansprüche. Das verringert zwar das Prozesskostenrisiko, verlängert zum Ärger der Fluggäste aber das Verfahren und trübt die Erfahrung mit Flightright.

Darüber hinaus kritisieren einige Kunden, Flightright breche gelegentlich Verfahren wider erwartend ab, wenn sich herausstellt, dass die Durchsetzung schwieriger fällt als anfangs angenommen. Bemängelt wird vor allem die Widersprüchlichkeit der Aussagen. So erkennt das Unternehmen manchmal erst im laufenden Verfahren die Aussichtslosigkeit, nachdem es entsprechende Fälle anfangs noch positiv bewertet hatte. Das stößt auf Unverständnis. Betroffene Kunden fragen sich, wieso sie sich überhaupt die Mühe einer Beauftragung gemacht haben und nicht schon im ersten Schritt eine zureichende Aufklärung stattfand.

Auch die selten individualisierte Kundenkommunikation in solchen Konstellationen nehmen diverse Rezensenten negativ auf. Anscheinend geht Flightright zuweilen nicht näher auf die Gründe ein, die dazu veranlassen, einzelne Fälle nicht weiter zu bearbeiten. Bezeichnenderweise reagiert Flightright auf entsprechende Bewertungen offenbar nicht individuell, sondern platziert meistens nur standardisierte Kommentare.

Wiederholt beargwöhnen Kunden außerdem, wie Flightright mit Vergleichsvorschlägen der Fluggesellschaften umgeht. Wird anfangs die volle Entschädigungssumme zugesichert, kommt es häufig vor, dass Airlines versuchen, sich bloß auf eine anteilige Zahlung zu verständigen. Nach mehrfacher Kundendarstellung rät Flightright zur Annahme solcher Angebote und begründet dies entgegen vorheriger Einschätzungen mit dem Risiko, andernfalls leer auszugehen. Zur Entscheidung erhalten Fluggäste zudem nur ein äußerst knapp bemessenes Zeitfenster von wenigen Tagen. In der Kritik steht dabei zudem, dass Flightright in derartigen Konstellationen die Provision dennoch in voller Höhe vereinnahmt, sodass Betroffenen nur ein Bruchteil verbleibt.

Zur Aussagekraft der Erfahrungsberichte

Die Anzahl der Bewertungen klingt im ersten Moment beachtlich; sie erlaubt ein aussagekräftiges Urteil auf Basis eines reichen Fundus von Eindrücken. Anzumerken ist dennoch, dass die Menge im Verhältnis zur Gesamtkundenzahl ziemlich gering ausfällt. Nach eigener Aussage verfolgte Flightright nämlich schon Entschädigungsansprüche im Wert von über 150.000.000 €. Unterstellt man eine durchschnittliche Höhe von 400 € pro beigetriebener Forderung, entspricht das mindestens 375.000 Stück. Selbst wenn man teilweise Mehrfachnutzungen des Dienstes durch dieselben Fluggäste unterstellt, hinterließ nicht einmal jeder hundertste Nutzer eine Bewertung.

Es wirft zumindest die Frage auf: Warum äußern sich 99% der Kunden nicht weiter? Hierfür gibt es gewiss mehrere Erklärungen. Feststehen dürfte aber zumindest, dass die allermeisten schweigenden Kunden weder so begeistert noch verärgert sind, dass sie das Bedürfnis verspüren, ihre Erfahrungen öffentlich kundzutun. Eine mögliche Schlussfolgerung daraus lautet, dass die allermeisten Nutzer durchschnittlich zufrieden sind. Sie schäumen zwar nicht über vor Enthusiasmus über den Service; ihnen widerfuhren umgekehrt aber auch keine größeren Unannehmlichkeiten.

5. Flightright in der Gesamtbewertung

Im Gesamtbild fällt die Erfahrung mit Flightright nach unserer Einschätzung durchschnittlich aus. Das Online-Formular Flightrights zählt zwar zu den fortschrittlichsten der Branche. Gleichwohl überbietet das Unternehmen Mitbewerber weder bei der Entschädigungshöhe noch bei der Dauer bis zur Auszahlung noch bei den Kundenbewertungen. In unserer Gegenüberstellung schneiden Alternativanbieter mitunter deutlich besser ab – teilweise sogar in allen Kategorien (z.B. Ersatz-Pilot). Vor der Entscheidung für einen der Dienste empfehlen wir Fluggästen daher einen Blick auf unseren Vergleich sämtlicher Fluggastportale, den wir hier vorgenommen haben.

Legal Tech News

Geld für Flug: zwischen Wachstumsexplosion und Marktimplosion

Posted by Jacob Weizmann on
Geld für Flug: zwischen Wachstumsexplosion und Marktimplosion

Vor knapp zwei Monaten entspann sich um das Startup Geld für Flug einer der kuriosesten Vorfälle in der Legal Tech Szene. Es jagten einander zwei Paukenschläge, die für sich genommen schon rekordverdächtig sind. Noch erstaunlicher wird die Geschichte wohl aber dadurch, dass zwischen ihnen gerade einmal zwei Tage lagen. Was ist hier eigentlich passiert?

Die Ursprünge: Wo Geld für Flug herkommt

Unternehmensgründung

Die Fluggastentschädigungsbranche floriert bereits, da tritt 2017 ein neues Unternehmen auf den Plan: Geld für Flug. Mit seinem Geschäftsmodell richtet es sich zwar ebenfalls an Fluggäste, weicht aber von der Ausrichtung bisheriger Anbieter ab. Geld für Flug kauft keine Ausgleichsforderungen für Flugunregelmäßigkeiten, sondern Erstattungsansprüche für Ticketstornierungen. Damit erschließt das Startup einen Markt, auf dem ansonsten nur ein einziger Konkurrent agierte: der Fairplane-Dienst ticketrefund.de.

Und offenbar stellen sich alsbald die Erfolge ein. Nach eigener Aussage kauft das Startup bereits im ersten Jahr 10.000 Ansprüche auf und setzt sie gegen Airlines durch. 97% der Klagen wurde dem Vernehmen nach stattgegeben. Mitarbeiter wurden eingestellt, ein Büro in Düsseldorf bezogen. Wachstum wie am Reißbrett.

Lebensläufe

Gewissermaßen schreiben die Gründer damit ihre privaten Erfolgsgeschichten fort. Benedikt Quarch, der Jurist im Gründerteam, brillierte beispielsweise mit 15,6 Punkten im ersten juristischen Staatsexamen (2016). Und das schon als 22-Jähriger. Rechnet man das einmal zurück, zählt er zum ersten oder zweiten Jahrgang der EBS Law School in Wiesbaden und war bei Studienbeginn vermutlich höchstens 18 Jahre jung.

Für diese Station in der Vita gibt es zwei Lesarten. In Hamburg spöttelt man vermutlich, für die Bucerius Law School hätte es nicht gereicht und so sei es halt die EBS geworden – Hauptsache Privathochschule. Angesichts des hervorragenden Examensergebnisses sollte man allerdings eher neidlos feststellen: Vor allem steckt reichlich Pioniergeist dahinter, in diesem Alter eine völlig neu eingerichtete im Aufbau befindliche Fakultät zu wählen und dort schneidig sein Studium durchzuziehen.

Nebenbei erwarb Quarch übrigens noch einen BWL-Master und gründete eine Beraterbutze Agentur für Social Media. Was man halt so neben der Examensvorbereitung macht.

Ich muss schon sagen, die Geschäftsführer von Geld für Flug bohren überwiegend dicke Bretter. Jedenfalls wenn die ganzen Zahlen und Fakten stimmen, aber erst einmal habe ich keinen Grund, das zu bezweifeln.

Der große Wurf: Rekordinvestition in Geld für Flug

Persönlich und geschäftlich haben die Gründer schon bis 2018 eine beachtliche Karriere hingelegt. Doch was nun folgte, wirkt nicht mehr bloß wie eine Anekdote von Musterschülern, sondern erinnert eher an die Mythen von Einhornzüchtern aus dem Silicon Valley. Kein Jahr nach der Gründung empfing Geld für Flug eine Finanzierungsrunde, deren Volumen mit 25 Mio. Euro für die deutsche Legal Tech Szene vermutlich alles bisher dagewesene in den Schatten stellt. Ich sage bewusst, man „empfing“ diese Investition. Denn laut den Gründern musste man sich darum nicht einmal bewerben. Glaubt man der Darstellung, kam Herr Maschmeyer von sich aus auf das Startup zu und fragte, ob er investieren dürfte. Wer auf Vox in der Höhle der Löwen um eine Audienz bittet und auf Knien 250.000 Euro Seed-Money erhustlelt anfragt, fällt bei so etwas wahrscheinlich vom Glauben ab.

Im Fall von Geld für Flug lesen sich die Berichte zur Finanzierungsrunde dagegen wie trockener Wirtschaftsjournalismus. Das steht im Handelsblatt zwischen Meldungen über Milliarden-Konsortialkredite für Großunternehmen und neuen M&A-Deals internationaler Konzerne. Für normale Legal Tech Startups klingt die Entwicklung geradezu sensationell. Dass die Nachricht bei Geld für Flug stattdessen mit der Nonchalance des Wetterberichts vorgetragen wird, spricht dafür, dass Gründer und Reporter das Unternehmen bereits in einer anderen Liga sehen. Gerade die Nüchternheit der Handelsblatt-Mitteilung vom 18. März bezeugt eindrucksvoll den Aufstieg vom Sandkasten in die Königsklasse, von 0 auf 100 in unter zwölf Monaten.

Schwindelerregend war hierbei nicht nur die Flughöhe, sondern ebenso die Zeit, in der Geld für Flug auf dieses Niveau geschossen war. Ich kannte offen gestanden bis vor zwei Monaten nicht einmal den Namen des Unternehmens. Und das obwohl wir bei DiRiSo von Berufs wegen schon ein wenig mit Fluggastportalen zu tun haben. Ähnlich ging es scheinbar den Kollegen beim Legal Tech Blog, dem Zentralorgan der Legal Tech Szene. Hier datiert die erste Auseinandersetzung mit dem Startup vom 30. April. Man muss sich das so vorstellen: Man erfuhr, dass die Branche gerade überflügelt wurde, ehe man wusste, von wem.

Ein unerwartetes Problem

Genauso blitzartig ging die Entwicklung dann weiter. Überrumpelt wurden diesmal auch die Gründer selbst. Nur zwei Tage nach Vermeldung der Rekordinvestition fasste der BGH das erste Grundsatzurteil zu jenem Regelungskomplex, auf dem das Geschäftsmodell von Geld für Flug fußte.

Dass das Unternehmen so lukrativ stornierte Ticketpreise gegen die Fluggesellschaften einfordern konnte, beruhte im Wesentlichen auf dem Zweifel einiger Instanzgerichte an der Wirksamkeit von Stornierungsklauseln. Die entsprechende Rechtsprechung hielt es für unzulässig, dass die AGB günstiger Tarife eine Erstattung bei Stornierung ausschließen. In der Folge konnte Geld für Flug reihenweise Rückzahlungen durchsetzen. Gegenrechnen durfte die Airline höchstens einen nicht ersparten Aufwand, wenn ein leerer Platz im Flieger nicht anderweitig besetzt wurde.

Dieser Urteilspraxis bereitete der BGH am 20. März ein jähes Ende (Urt. v. 20. März 2018, Az.: X ZR 25/17). Das Gericht entschied: Wer zum Spartarif bucht, der zahlt dafür den „Preis“, dass er bei Stornierung die Ticketkosten eben nicht weitgehend zurückverlangen kann. Abgesehen von Steuern und Gebühren, die mangels Flugantritt der Airline erspart bleiben, muss eine Fluggesellschaft hiernach nichts mehr zurückzahlen. Da Steuern und Gebühren sich pro Person für die allermeisten Flüge auf 30-80 € belaufen, verursachen sie meist nur einen Bruchteil des Ticketpreises. Geld für Flug argumentiert in dieser Situation natürlich durchaus zutreffend, dass bei manchen Billigfliegern über die Hälfte der Kosten aus Steuern und Gebühren resultieren. Das ändert aber nichts daran, dass es in absoluten Zahlen nur um jeweils 30-80 Euro geht, von denen Geld für Flug zudem noch die eigene Provision einbehält.

Die Konsequenz

Es ist dennoch nachvollziehbar, wenn sich das Startup nun kämpferisch gibt und ankündigt, das Geschäftsmodell irgendwie weiterzuführen. Die harten Fakten mischen die Karten aufgrund des Urteils nun aber erstmals zu Ungunsten des Gründertrios – und zwar deutlich. Denn mal ehrlich: Wen interessiert eine Erstattung von 40 €, von denen Geld für Flug dann noch einmal 10-20 € für sich abzieht? Wie viele zigtausend Fälle dieser Größenordnung muss das Unternehmen abwickeln, um mit solchen Mikro-Margen die laufenden Kosten zu decken? Wie fern liegt es noch, dass die Airlines einfach freiwillig diesen Bruchteil vom Ticketpreis auszahlen und damit den Markt für Factoring-Dienste endgültig zerstören?

Der einzige Konkurrent Ticketrefund hat deshalb schon erklärt, sich aus dem Markt zurückzuziehen. Geld für Flug schaltet unterdessen auch keine Adwords-Werbung mehr. Es hat den Anschein, als sei der kometenhafte Aufstieg beendet – um es vorsichtig auszudrücken.

Fazit?

Ich weiß noch nicht ganz, welche Lehre man aus der Geschichte ziehen soll. Im ersten Moment schien mir der Vorfall die Ambitionen der gesamten Legal Tech Branche zu dämpfen, der es noch immer an einer Lichtgestalt vom Format Airbnbs oder Amazons fehlt. Gerade angesichts der aussichtsreichen Lebensläufe der Gründer lag diese Lesart nahe.

Bei näherer Betrachtung war die Millionen-Investition allerdings viel überraschender als das Urteil des BGH. Denn wer eine Rechtsdienstleistung auf einem Markt ohne gefestigte Rechtsprechung anbietet, der sichert sich zwar den first-mover Vorteil. Ebenso sehr riskieren Pioniere aber auch, dass höhere Gerichte ihrem Geschäftsmodell alsbald den Boden unter den Füßen wegziehen. Die Causa Geld für Flug liefert hierfür leider ein warnendes Beispiel.

Legal Tech Reviews

Fluggastportale im Vergleich – Überblick über die Flugrechte-Dienstleister

Posted by Jacob Weizmann on

Mittlerweile verhelfen etliche Fluggastportale Reisenden unkompliziert zu einer Entschädigung nach der EU-FluggastrechteVO, wenn sich ihr Flug verspätet oder ausfällt. Bei Flugausfall, über dreistündiger Flugverspätung oder verpasstem Anschlussflug kommen Fluggäste dadurch leichter denn je an eine Ersatzzahlung für entstandene Unannehmlichkeiten. Doch wann genau besteht Anspruch auf Entschädigung? Und welches der Fluggastportale hilft in solchen Fällen am besten weiter? Der Beitrag gibt Antworten.

Was sind Fluggastportale und wann gibt es Entschädigung?

Häufig zahlen Airlines Reisenden eine Entschädigung nicht freiwillig. Daher lohnt sich die Selbstdurchsetzung nur selten, wie wir bereits an anderer Stelle ausführlich erläutert haben. Um Fluggastrechte dennoch zuverlässig und komfortabel durchzusetzen, können Reisende sich jedoch an eines der vielen Fluggastportale wenden. Über standardisierte Abfragen auf Ihren Websites lässt sich anhand einiger Angaben feststellen, ob für einen bestimmten Flug voraussichtlich eine Entschädigungsberechtigung besteht. Wann eine Flugverspätung oder ein Flugausfall konkret zur Entschädigung berechtigt, lässt sich deshalb am schnellsten und leichtesten mithilfe eines Online-Formulars prüfen. Jeder Anbieter stellt ein solches unverbindlich und kostenlos bereit. Man muss einen Fluggastrechte-Dienstleister also nicht beauftragen, um zu erfahren, ob er im individuellen Fall einen Entschädigungsanspruch erkennt. Wer das komfortabelste Online-Formular für die Ermittlung der Entschädigung zur Verfügung stellt, werte ich weiter unten in der Rubrik „Aufwand des Fluggastes“ aus.

Außerdem bieten sämtliche Fluggastportale Fluggästen an, ihre Ansprüche aus der FluggastrechteVO gegenüber den Fluggesellschaften durchzusetzen. Betroffene erhalten so die ihnen zustehende Entschädigung von bis zu 600 € abzüglich einer Provision.

Hier hören die Gemeinsamkeiten der Fluggastportale dann aber schon auf. Die verschiedenen Online-Anbieter zahlen Entschädigungen unterschiedlich schnell aus, berechnen für ihre Dienste unterschiedliche Kosten und verlangen von Fluggästen unterschiedlich viel Mithilfe bei der Durchsetzung ihrer Fluggastrechte. Um hier noch den Überblick zu behalten und für sich den richtigen Anbieter zu finden, zieht dieser Beitrag einen längst überfälligen Vergleich.

Übersicht über die Fluggastportale

Es gibt natürlich unzählige Kriterien, anhand derer man die Fluggastportale vergleichen kann. Wer sich als betroffener Fluggast zwischen den verschiedenen Dienstleistern für einen entscheiden möchte, berücksichtigt allerdings in der Regel vor allem folgende Auswahlkriterien:

  1. Wie schnell komme ich zu meiner Entschädigung?
  2. Welcher Aufwand entsteht mir dafür?
  3. Wie viel Entschädigung verbleibt mir nach Abzug der Provision für den Dienstleister unterm Strich?
  4. Welche Erfahrungen machen Fluggäste mit den Anbietern? Was sagen die Kundenbewertungen?

Unter diesen Gesichtspunkten ergibt sich, Stand 26. Mai 2018, zusammengefasst folgender Vergleich zwischen den wesentlichen deutschsprachigen Anbietern, Compensation2GoErsatz-PilotEUClaim, EUFlight, Fairplane, Flightright, refund.me und Wir kaufen deinen Flug.

Tabelle Vergleich Fluggastportale

Um den Befund in den Unterkriterien etwas besser einzuordnen, erläutere ich nachstehend, wie die zentralen Unterschiede zustande kommen. Den beiden größten Anbietern am Markt widmet sich außerdem jeweils ein gesonderter Artikel im Detail: Einer geht hier auf Flightright ein, der anderere hier auf Fairplane.

Zuvor aber noch ein Hinweis der Vollständigkeit halber: Die genannten Fluggastportale sind bei Weitem nicht alle auf dem deutschen Markt. Im Monatsrhythmus kommen neue hinzu und verabschieden sich einige wieder aus dem Netz. Uns bekannt sind noch Myflyright, Ifdelayed, EU-Rights, Flug-verspätet.de, Flightcomp, Claim FlightsAirhelp und Flugrückerstattung.de. Sicher gibt es darüber hinaus noch dutzende weitere mehr oder weniger ernsthaft betriebene Plattformen. Aus Gründen der Übersichtlichkeit beschränken wir uns aber auf die Darstellung der tabellarisch gelisteten. Soweit wir es abschätzen können, handelt es sich jeweils um die vier größten Anbieter für Inkasso-Leistungen einerseits und Sofortentschädigungen andererseits. Da die sonstigen kleineren Fluggastportale in keiner Disziplin besser abschneiden, gehen wir hier nicht weiter auf sie ein.

1. Dauer bis zur Entschädigung

Ein erheblicher Klassenunterschied zwischen den verschiedenen Anbietern besteht bei der Wartezeit ihrer Nutzer bis zur Auszahlung der Entschädigung. Man differenziert hier zwischen so genannten Inkasso-Dienstleistern und Sofortentschädigern. Inkasso-Dienstleister wie Flightright und Fairplane zahlen erst aus, wenn sie die Entschädigungsforderung eines Fluggastes erfolgreich durchgesetzt haben. Gelingt die Durchsetzung außergerichtlich, dauert es bis zur Entschädigung gemessen am Kundenfeedback einige Wochen bzw. etwa einen Monat. Des Öfteren weigert sich eine Airline aber, ohne Beanstandungen zu zahlen. Dann sind mindestens einige Monate Geduld gefragt, bis ein Gericht die Fluggesellschaft zur Zahlung verurteilt. Ist eine Klage im Ausland erforderlich oder das zuständige Amtsgericht überlastet, verzögert sich die Verfahrensdauer mitunter sogar auf über ein Jahr.

Sofortentschädiger wie Ersatz-Pilot und EUFlight punkten mit Schnelligkeit. Sie gewähren Fluggästen direkt nach erfolgreicher Online-Prüfung einer Entschädigungsberechtigung die Auszahlung gegen Abtretung des Anspruchs. Damit gehen sie gewissermaßen in Vorleistung und tragen das Risiko, dass sich der Anspruch des Nutzers am Ende doch nicht durchsetzen lässt – so wie etwa gegen die insolvente Fluggesellschaft Air Berlin. Behalten kann der Fluggast die unverzüglich gewährte Entschädigung so oder so. Wer Wert auf eine prompte Abwicklung und Auszahlung legt, dem kommen somit vor allem die Sofortentschädiger entgegen.

2. Aufwand des Fluggastes

Grundsätzliches

Im Prinzip brauchen alle Fluggastentschädiger dieselben Daten zum Flug, um Fluggastrechte zu prüfen, durchzusetzen und Fluggästen weiterzuhelfen. Die Entschädigungsberechtigung richtet sich schließlich immer nach der gleichen Rechtsordnung mit den gleichen Rechtsvoraussetzungen. Die nötigen Daten zur Fallerfassung muss naturgemäß der Fluggast liefern, dem die Flugunregelmäßigkeit widerfahren ist, die womöglich zur Entschädigung berechtigt.

Man könnte also auf den ersten Blick meinen, der Mitwirkungsaufwand des Fluggastes sei bei allen Anbietern ähnlich hoch. Das stimmt allerdings nur fast. Denn je nachdem wie ausgefeilt ein Webformular zur Fallerfassung ist, desto weniger Angaben erfragt ein Dienstleister erst manuell im Nachgang der Online-Prüfung telefonisch oder per E-Mail.

Fluggastportale im Vergleich

Besonders systematisch prüfen nach unserer Einschätzung vor allem die Online-Formulare von Flightright (Inkasso-Dienst) und Ersatz-Pilot (Sofortentschädiger) die Fälle der Nutzer ab. Hier sind demnach im Regelfall am seltensten Rückfragen im Nachgang der Online-Prüfung zu erwarten. Dadurch dauert der Abfrageprozess zwar ein paar Minuten länger, macht das Anfordern einer Entschädigung aber ansonsten so einfach wie eine Warenbestellung in einem Webshop. Mit Abschicken des Online-Formulars hat der Nutzer meistens schon alles Nötige getan.

Bei anderen Anbietern wie EUClaim (Inkasso-Dienst) und Compensation2Go (Sofortentschädiger) ist der Online-Abfrageprozess dagegen etwas kürzer. Dies geschieht aber zu dem Preis, dass diverse Faktoren erst einmal außer Acht bleiben. Hierzu ein Beispiel: Compensation2Go und Wir kaufen deinen Flug erfragen online, soweit ersichtlich, nur Start- und Zielflughafen, nicht aber die Flugnummer. Auf Strecken, an denen täglich zwischen Start und Ziel mehr als ein Flug verkehrt, gestatten diese Informationen allein noch keine eindeutige Identifikation des betroffenen Fluges. Dies erlaubt erst die Flugnummer, die also noch gesondert zu ermitteln ist. In etlichen Fällen müssen solche Lücken also spätestens bei der Durchsetzung von Fluggastrechten geschlossen werden. Spätestens dann meldet sich ein Dienstleister in der Regel mit Rückfragen, die mehr Zeit in Anspruch nehmen, als wenn stattdessen nur eine weitere Checkbox im Online-Formular anzukreuzen war.

Denkbar sind mögliche Rückfragen übrigens grundsätzlich eher bei den Inkasso-Diensten wie Flightright. Ergeben sich hier während des Rechtsstreits mit der Airline Rückfragen, muss sich der Fluggast ausführlich äußern. Andernfalls gefährdet er den Erfolg des Verfahrens und auch seiner Auszahlung, die ja erst nach gewonnenem Prozess folgt.

Gesetzlich erforderlicher Extra-Aufwand bei Flightright & Co.

Zu bedenken ist noch ein weiterer Aspekt, der das Verfahren bei Flightright, Fairplane und EUClaim mitunter zwangsläufig aufwändiger gestaltet. Verbleibt die Forderung beim Fluggast und soll Flightright sie nur durchsetzen, tritt bei einem womöglich notwendigen Gerichtsverfahren auch der Kunde selbst als Kläger auf. Natürlich übernehmen die Fluggastportale in diesem Fall die Verfahrenskosten. Den Anwalt bevollmächtigt hingegen naturgemäß der Kläger, also der Fluggast. Hierfür verlangt § 80 S. 1 ZPO Schriftform. Das bedeutet: Spätestens wenn ein Gerichtsverfahren zur Beitreibung der Entschädigung nötig wird, muss der Kunde eines Inkasso-Dienstes eine Vollmachtsvorlage händisch unterschreiben und postalisch verschicken.

Aus diesem rechtlichen Umstand folgt, dass es überhaupt nur Sofortentschädigern durchgehend möglich ist, den Aufwand des Kunden auf das Ausfüllen des Online-Formulars zu beschränken. Somit punkten an dieser Stelle Ersatz-Pilot und Co. Dadurch dass sie direkt auszahlen, bekommt hier der Fluggast von einem etwaigen Gerichtsverfahren nichts mit, da in diesem die Fluggastportale als Kläger auftreten.

3. Entschädigungshöhe und Provision

Eins vorab: Alle uns bekannten Fluggastportale erbringen ihren Dienst erfolgsunabhängig. Das heißt: Keines der verglichenen Portale berechnet Fluggästen irgendwelche Gebühren, solange der Fluggast nicht auch eine Entschädigung hält. Stattdessen verrechnen alle Anbieter ihre Provision mit der Entschädigungszahlung. Spannend ist aber die Frage: Was bleibt dem Nutzer jeweils unterm Strich?

In der Tendenz stellt man fest, dass Inkasso-Dienste wie EUClaim von Fluggästen eine niedrigere Provision verlangen als Sofortentschädiger. Das erklärt sich daraus, dass Sofortentschädiger in Vorleistung treten und deshalb in ihren Gebühren das Ausfallrisiko einpreisen müssen, das sich etwa mit der Insolvenz von Air Berlin verwirklicht hat. Ein Anbieter trotzt diesem Trend jedoch. Der relativ junge Dienstleister Ersatz-Pilot bietet Konditionen, die weitgehend mit denen der Inkasso-Unternehmen vergleichbar sind. Bei Flugunregelmäßigkeiten auf Langstreckenflügen zahlt der Sofortentschädiger zum Beispiel 426-450 € aus – mehr als selbst eingesessene Inkasso-Dienste wie Flightright. Auf Kurz- und Mittelstrecken zahlt EUClaim pro Person ca. 10-20 € mehr, dafür aber nicht sofort, sondern wie gesagt erst nach erfolgreicher Durchsetzung.

4. Kundenbewertungen und Erfahrungen

Allgemeines

Bei den Kundenbewertungen erzielen alle Fluggastportale außer refund.me Spitzenergebnisse. Gemessen an den Erfahrungsberichten halten sämtliche Anbieter Wort und können den allermeisten Nutzern helfen. Besonders gute Bewertungen erhalten dabei vor allem Sofortentschädiger wie Ersatz-Pilot. Ausweislich ihres Feedbacks kommt ihnen zugute, dass sie Entschädigungen prompt auszahlen.

Umgekehrt spiegelt sich gerade in den Bewertungen von Flightright wider, dass es dort immer mal wieder zu Fällen kommt, in denen sich das Verfahren zur Durchsetzung und damit auch die Auszahlung übermäßig hinauszögert. Hier bemängeln Kunden außerdem, dass des Öfteren Konstellationen anfänglich als aussichtsreich bewertet werden, später die Rechtsverfolgung aber abgebrochen wird, weil bei der Durchsetzung Schwierigkeiten auftreten.

Selten, aber überaus strapaziös sind ferner Verfahren, die vor Gericht bis in die Berufung führen oder sogar verloren gehen. An den Selbstaussagen und dem Kundenfeedback von EUClaim und den anderen Inkassodiensten kann man ablesen, dass in ca. 97-98% der Verfahren Fluggastrechte erfolgreich durchgesetzt werden können. Das bedeutet im Umkehrschluss aber auch, dass jedes fünfzigste Verfahren, das angestrengt wird, verloren geht. Dieses Risiko und seine Verwirklichung fließen bei Inkasso-Diensten natürlich anteilig in die Erfahrungsberichte ein. Sofortentschädiger ernten an diesem Punkt hingegen keine Kritik ihrer Nutzer. Ihre Leistung besteht ja gerade darin, Fluggästen die Gefahr einer erfolglosen Durchsetzung abzunehmen und sie direkt auszuzahlen.

Besondere Kritikpunkte

Neben solchen eher strukturellen Vorzügen und Nachteilen der Fluggastportale ergeben sich aus den Bewertungen und Erfahrungsberichten der Kunden darüber hinaus noch eine Reihe konkreter Kritikpunkte gegenüber bestimmten Anbietern. Aufschluss hierüber gibt ein Blick auf die einzelnen Reviews auf Trustpilot und anderen Bewertungsplattformen.

Dauer bei Inkasso-Fluggastportalen

Kunden werfen Inkasso-Unternehmen und insbesondere Flightright gelegentlich vor, sie würden nur zaghaft Klagen anstrengen, stattdessen nur routinemäßig an Forderungen erinnern und der Airline dadurch kulanzweise mehrere Monate Zeit zur Bearbeitung der Ansprüche lassen. Welchen Grund diese zögerliche Vorgehensweise hat, lässt sich nicht näher klären.

Fest steht zumindest: Für Inkasso-Unternehmen sind solche Verzögerungen weniger unangenehm als für Fluggäste, die auf Entschädigung warten. Schließlich kommen Verzugszinsen nicht den Kunden der Inkasso-Unternehmen zugute, sondern diesen selbst. Und je länger sich eine Entschädigung hinauszögert, desto höhere Verzugskosten lassen sich abrechnen.

Flüge mit Start und Ziel außerhalb Deutschlands bei Sofortentschädigern

Kleinere und jüngere Fluggastportale sind in der Regel noch keine Kooperationen mit Partnerkanzleien im EU-Ausland eingegangen. Solche braucht es allerdings, um Fluggastrechte auch dann durchzusetzen, wenn weder der Start- noch der Zielflughafen in Deutschland liegt und ein deutscher Gerichtsstand damit ausscheidet. Gerade bei Sofortentschädigern sind deshalb Direktzahlungen nur dort zuverlässig möglich, wo ein entschädigungsberechtigter Flug in Deutschland startete oder landete.

Der Entschädigungsrechner von Ersatz-Pilot zeigt immerhin direkt zu Beginn einer Prüfung an, ob für eine bestimmte Flugverbindung eine Entschädigung ausscheidet. Bei anderen Sofortentschädigern wie EUFlight und Compensation2Go sortiert dagegen nicht schon die Online-Prüfung lückenlos Fälle aus, die nicht bearbeitet werden können. Dies führt bei Kunden zuweilen zu Ernüchterung, weil sie das Formular letztlich umsonst vollständig ausfüllen.

And the winner is…?

Ich verzichte an dieser Stelle bewusst auf eine klare Empfehlung. Ich denke, die hier zusammengetragenen Daten versetzen jeden Fluggast in die Lage, sich selbstständig den individuell passenden Dienstleister auszuwählen. Wer sich ansonsten vertieft über die Fluggastportale informieren möchte, sei ermuntert, auf die Links zu den einzelnen Anbietern zu klicken.

Legal Tech Ideas

Spotify für Juristen – was taugt das Konzept?

Posted by Jacob Weizmann on
Spotify für Juristen – was taugt das Konzept?

Der erste praktische Versuch

Vor einigen Monaten las ich einen Artikel, in dem ein Autor seine Webplattform als ein Spotify für Juristen anpries. Ich meine, die Behauptung stammt aus einem Interview mit dem Legal Tech Blog. Eine Google-Recherche brachte allerdings nicht den gewünschten Treffer. Und leider erinnere ich mich auch so nicht mehr an den Namen des Unternehmens. Denn so richtig wert war er es auch nicht, im Gedächtnis zu bleiben. Aber nicht, weil ein Spotify für Juristen per se unattraktiv wäre.

Mich irritierte vielmehr der Entschluss des interviewten Gründers, seinen Dienst auf Mustervereinbarungen zur Lizenzierung geistigen Eigentums zu beschränken. Das wäre in etwa so, wie wenn sich Spotify auf Thrash Metal Bands aus Gambia beschränken würde. Und das ließe es von vorn herein zweifelhaft werden, ob ein solches Produkt die nötigen Einnahmen erzielen kann. Denn mit gambischen Metal Heads ist es ähnlich wie mit IP-Anwälten und deren Kunden. Es gibt einfach nicht so schrecklich viele von ihnen. Und dementsprechend fraglich ist es, ob eine Plattform trotz solcher Selbstbeschränkung prosperieren kann. Letztlich bräuchte sie im Gegenteil eine Masse an Nutzern, weil ihr Alleinstellungsmerkmal in vielfältigem Angebot und niedrigen Nutzungsgebühren pro Kopf besteht.

Spotify für Juristen jeder Façon – in der Theorie

Für mich war die Sache damit aber nicht beendet, sondern fing gerade erst an, interessant zu wirken. Denn was der eine Gründer leichtfertig links liegen lässt, taugt als des anderen Geschäftsmodell. Und deshalb flammte bei DiRiSo kurzfristig die Diskussion auf, ob ein Spotify für alle Juristen die große Idee ist, die der Legal Tech Szene bisweilen noch fehlt.

Denn Reiz und Herausforderung der Legal Technology zugleich liegt ja darin, dass den Kanzlei-Spinoffs, Coworking-Spaces und juppigen Hackathons bis heute noch kein Konzept entstieg, das die Branche so zu dominieren vermag wie Google die Suchmaschinen, Amazon den E-Commerce und Whatsapp die PN-Dienste. In der Legal Tech Szene herrscht noch Goldgräber-Stimmung wie im Wilden Westen.

Trittbrettfahrer der Sharing-Economy

Aber vielleicht braucht es ja nur ein Spotify für Juristen, damit die Branche ihren Champion findet, ihr Goldminen-Großunternehmen inmitten einzelner emsiger Schürfer. Potenzial schien die Idee im ersten Zugriff allemal zu bieten. Denn sie verinnerlicht einen Grundgedanken, auf dem die allermeisten Einhörner der Sharing-Economy aufbauen. Während Spotify nur als Intermediär auftritt, stammt die vermittelte Leistung von anderen: von den Künstlern. Bei Airbnb sind es die Vermieter, bei Uber die Autofahrer, bei Amazon die Hersteller und so weiter.

Ihr spektakuläres Wachstum garantiert diesen Unternehmen ihre Entscheidung, andere für die eigenen Zwecke einzuspannen, statt die angebotene Leistung selbst anzubieten. Das spart Personal  und dieses Kostenersparnis lässt sich an die Kunden weitergeben, indem ihnen ein strukturell günstiges Preis-Leistungs-Verhältnis gewährt wird.

Punkt für ein Spotify für Juristen: Es basiert auf derselben Idee. Ein entsprechendes Unternehmen könnte sich somit an die Spitze des Marktes setzen. Denn selbst etablierte Unternehmen wie legalzoom und janolaw liefern seit 2001 lediglich ihre selbstständig entworfenen Verträge. Gewiss sind solche Vorlagen ausgefeilter als die nächstbeste Beck-Online-Vorlage, aus der Kanzlei XY ihren Mandanten einen Standardvertrag zusammenzimmert. Und obendrein profitieren die Kunden der Online-Anbieter von wesentlich niedrigeren Festpreisen für das gewünschte Vertragswerk.

Aber eine Sharing-Economy-Lösung könnte noch einmal darüber hinausgehen. Denn indem ihr ein umfassendes Netzwerk von Anwälten Vertragsmuster bereitstellt, kann sie Kunden die relativ besten Vorlagen liefern. Ein Bewertungssystem wie auf Amazon würde rasch die Qualität der einzelnen Muster gegenüberstellen und die Auswahl des Optimums erleichtern. Kunden bekämen den besten Wert für einen Preis, der vermutlich unter dem von legalzoom oder janolaw liegt. Immerhin zahlt der Preis der Vorlagen dort die Löhne der vertragseditierenden Mitarbeiter. Ein Spotify für Juristen müsste voraussichtlich nur eine geringere Vergütung entrichten. Schließlich liegen die bereitgestellten Vertragsmuster bei ihren Urhebern wahrscheinlich ohnehin in der Schublade, sodass ihnen bereits ein Obolus genügen könnte, wenn die Plattform ihre Vorlagen Dritten überlässt. Hinzukommt, dass janolaw und Co. für ihre vertragsentwerfenden Angestellten Sozialversicherungsbeiträge schulden, ein Spotify für Juristen für seine „Zulieferer“ hingegen nicht.

Ein Maximum an Qualität für ein Minimum an Kosten: in keinem Geringeren besteht die Verheißung eines Geschäftsmodells, das sich an die Versen der Sharing-Economy heftet.

Die Tücken der Wirklichkeit

Doch sobald man das Konzept in die Realität der Rechtsdienstleistungen projiziert, fällt es dann doch nicht mehr so rosig aus. Letztlich scheitert die Idee an den Besonderheiten des Produkts, genauer: an seinen Herstellern und Konsumenten.

Welchem Anwalt macht Teilen Spaß?

Der Anwalt ist nämlich kein Musiker, der sich damit zufriedengibt, ein paar Euro pro tausend Abrufe seines Werkes zu verdienen. Eher lässt er seine Vertragsmuster in der Schublade vegetieren, als sein prächtiges aus Textbausteinen zusammengetackertes Schmuckstück zu einem geringen Preis online wohlfeil zu bieten. Das mag zwar ökonomisch nicht sinnvoll sein. Aber es dürfte dem Argwohn entsprechen, mit dem die breite Masse der Anwälte einer Öffnung ihrer Archive für die freie Vermarktung begegnet.

Welcher Konsument weiß den besten Vertrag zu schätzen?

Und selbst wenn man genügend „Lieferanten“ für ein Spotify für Juristen fände, so implodiert das Geschäftsmodell spätestens mangels Nachfrage. Denn die allermeisten Kunden wissen zwar einen Qualitätsmixer von einem minderwertigen zu unterscheiden, aber eben keinen guten Vertrag von einem schlechten. Dem Laien erweist sich die Güte einer Vereinbarung allenfalls im Streitfall, wenn ihm sein Anwalt sagt: „Sie haben aber einen ungünstigen Vertrag geschlossen“. Ist ein Vertrag hingegen besonders umsichtig gestaltet und vermeidet er dadurch Konflikte, fällt das naturgemäß nicht auf.

Unterdessen bereitet es sogar Juristen Schwierigkeiten, von vorn herein die Qualität einer Vereinbarung zu beurteilen. Die Ausbildung befasst sich nämlich kaum mit praktischer Vertragsgestaltung und im Beruf ist ein Jurist mit den qualitätsstiftenden Feinheiten eines Vertragswerks allenfalls in seiner Nische befasst – also tendenziell dort, wo er nicht auf das Muster einer Plattform zurückgreifen wird, die ihn um dessen Bewertung bittet.

Es ist also höchst zweifelhaft, ob Nutzer über hinreichende Informationen verfügen, um Verträge sachgemäß zu bewerten und damit einem Spotify für Juristen dazu zu verhelfen, die relativ besten Muster herauszuheben. Noch fataler ist es, dass vermutlich nicht einmal fünf Sterne an einem kostenpflichtigen Vertrag dazu motivieren, ihn entgeltlich aufzurufen. Denn sowohl Juristen als auch Nichtjuristen stehen in der Regel hinreichende Alternativen ohne Mehrkosten offen. Für die allermeisten Vertragstypen finden sich im Internet zumindest rudimentäre kostenlose Vorlagen. Sie dürften dem Laien ebenso zweckmäßig scheinen wie eine kostenpflichtige Version. Der Jurist wird zudem auf Beck-Online fündig. Und selbst wer die Qualität von kostenfreien Mustern oder solchen von Beck-Online anzweifelt, mag kaum den Klassenunterschied feststellen zwischen der Vorlage eines mit fünf Sternen bewerteten Unternehmen wie janolaw und einer mit fünf Sternen bewerteten Vorlage auf einem Spotify für Juristen.

Ergebnis

Solche Widrigkeiten machen klar, dass Konzepte wie das von Spotify aus anderen Branchen nicht ohne weiteres für den Rechtsmarkt taugen. Denkbar scheint zwar, dass sich ein Unternehmen mit einem derartigen Geschäftsmodell etabliert. Eine Milliarden-Dollar-Idee lässt sich damit aber nicht verwirklichen. Für die Legal Tech Branche fehlt sie auch weiterhin.

Legal Tech Ideas

Digitales Schreiben – Nutzen der Digitalisierung für die Texterstellung

Posted by Jacob Weizmann on
Digitales Schreiben – Nutzen der Digitalisierung für die Texterstellung

Rhetorikbücher: die Wiederkehr des Immergleichen

Ich bin neulich auf ein Buch gestoßen, das rhetorische Schreibempfehlungen gibt, genauer: Empfehlungen für digitales Schreiben. Digitales Schreiben meint Schreiben mit einem Textbearbeitungsprogramm wie Word. Anders funktioniert die Texterstellung im Beruf heute ohnehin nicht mehr. Insofern thematisiert eigentlich jeder Stilratgeber mit Erscheinungsdatum nach der Jahrtausendwende nicht bloß irgendeine Texterzeugung, sondern digitales Schreiben.

Trotzdem – und so ist es auch bei besagtem Buch – unterscheiden sich die neueren Werke hierzu nur unwesentlich von denen aus dem letzten Jahrhundert. In einigen Teilen, etwa bei stilistischen Vorgaben, ist das durchaus sachgerecht. Der Schreibprozess zielt und zielte ja stets auf das gleiche Endprodukt und auf ähnliche Lesererwartungen daran. Deshalb verwundert es nicht, dass digitales Schreiben ein ähnlich lesbares Resultat hervorbringen sollte wie analoges und dass sich dessen Güte nach ähnlichen Faktoren bemisst.

In einem Punkt verwundert es aber, dass der Inhalt der Ratgeber nie eine Überarbeitung erfahren hat. Die Darstellung des idealtypischen Schreibprozesses entspricht immer noch der klassischen Vorgehensweise, der schon antike Rhetorikgrößen wie Cicero folgten. So lernte man das vor und nach der Jahrtausendwende im Deutsch- und Lateinunterricht. Und so lernt man das Prozedere vermutlich auch noch heute: erst die grobe Orientierung und Ideenfindung (Inventio), dann die Erstellung einer Skizze (Dispositio), schließlich das Ausformulieren (Elocutio) und dann noch die erste Überarbeitung (Verificatio) und zuletzt der Feinschliff (Revisio).

Wann der Schreibprozess in nur fünf Schritten gelingt

Außerdem kennen die meisten noch abgekürzte Versionen hiervon. Die juristische Klausur etwa verlagert die Inventio auf die Sichtung des Sachverhalts oder der Akte. Darauf folgen als Dispositio und Elocutio nur die Lösungsskizze und deren Ausarbeitung. Redaktionelle Durchgänge hingegen sieht die knappe Bearbeitungszeit in der Regel nicht vor.

Ineffizient ist dieser Prozess prinzipiell nicht. Deswegen halten sich zigtausende Nachwuchsjuristen in Klausuren sklavisch an dieses Muster und zwar mit gutem Recht. Zum Problem wird der Ablauf allerdings dort, wo mit den ersten drei Phasen jeweils eine Recherche einhergehen muss.

Analoges Schreiben als Vorgang in acht Akten

Digitales und analoges Schreiben erfordern spätestens bei wissenschaftlichen Abhandlungen ein sorgfältiges Quellenstudium. Und zumindest für die klassische Form der Texterstellung offenbart sich dabei auf den zweiten Blick ein struktureller Auslöser für Ineffizienz:

Um ein grobes Konzept, später eine Skizze und zuletzt eine ausgearbeitete Version mit fertigem Fußnotenapparat anzufertigen, muss der Verfasser nämlich zuvor jeweils seine Informationsgrundlage zusammentragen. Zunächst rudimentär, nachher gründlicher und schließlich im Detail. Und jeweils danach wandert das Auge erst einmal auf die Entwicklung des darauf fußenden Grobkonzepts, Gliederungsgerüsts bzw. Entwurfs. Dieser Zwischenschritt trübt unweigerlich ab einer gewissen Komplexität der Ausarbeitung das Bewusstsein für den genauen Inhalt der Quellen. Der Autor ist somit wenigstens beim analogen Schreiben gezwungen, relevante Stellen erneut nachzuschlagen, den Kontext von Exzerpten wiederholt zu prüfen und sukzessive Details festzustellen.

Sich dabei jedes Mal aufs Neue in die zuvor schon gesichtete Quellenlage hineinzufinden, kostet Zeit. Inklusive der drei Recherchedurchgänge ergeben sich für einen Autoren somit acht Entwicklungsstadien. Einen Teil dieser Zeit könnte man sich sparen, wenn man die Informationsgrundlage stets vor Augen hätte, während man auf dieser Basis den Text konzipiert, skizziert oder ausformuliert.

Digitales Schreiben als Prozess in vier Schritten

Digitales Schreiben liefert hierzu Wege und Möglichkeiten. Im ersten Moment denkt man hierbei an Zitatverwaltungssoftware wie Citavi, in die man Exzerpte und Zusammenfassungen der studierten Quellen werkbezogen eintragen kann, um anschließend daraus Fußnoten zu generieren. Und in der Tat sollte man unbedingt auf solche Hilfsmittel zurückgreifen. Das kann aber nur ein Teil der Lösung sein, wie sich Quellenstudium und Textanfertigung parallel zueinander bewerkstelligen lassen. Denn dafür muss man die Sichtung der Informationsbasis noch stärker mit der Textproduktion verschränken.

Das funktioniert zum Beispiel, indem man die hergebrachte Vorgehensweise so modifiziert, dass nur noch eine kurze Konzeptionsphase, eine Entwicklungsphase und zwei Korrekturrunden übrig bleiben.

Schritt 1: Abstrakte Gliederung

Man beginnt also mit einer themenunabhängigen Grobkonzeption, die mit jedwedem materiellen Gehalt der Quellen und des späteren Textes kompatibel ist. Bis zu einem gewissen Grad kann man eine solche generische Struktur bereits völlig ohne Vorabrecherche entwickeln. Das abstrakte Gliederungsgerüst orientiert sich nämlich je nach Texttyp sinnvollerweise an einem etablierten Muster.

Im Falle einer Seminararbeit etwa diktieren bereits sachlogische Zwänge erste Konturen des Aufbaus: Letztlich gilt es immer, zu einem Befund zu gelangen, der eine anfangs aufgeworfene Forschungsfrage beantwortet. Dieser steht am Ende einer Prüfung, die sich unmittelbar davor im Hauptteil vollzieht. Welche Aspekte sie berücksichtigt und warum und mit welcher Methode die Untersuchungsgegenstände hierauf geprüft werden, klärt ein maßstabsbildendes Kapitel im Anschluss an die Einleitung. Ohne ein solches richtet sich die Prüfung nämlich zwangsläufig nach unausgesprochenen und deshalb im Zweifel rein intuitiven Kriterien. Das aber wäre ihrer Transparenz und Nachvollziehbarkeit abträglich und würde ihren wissenschaftlichen Erkenntnismehrwert schmälern.

All dem ist zusätzlich noch eine Einleitung voranzustellen, die vier Zwecke erfüllt. Sie führt erstens zur Forschungsfrage hin, erklärt hierbei zweitens deren Relevanz, stellt drittens das Untersuchungsprogramm der folgenden Kapitel dar und steckt viertens auch den Umfang der Abhandlung ab. An dieser Stelle bietet es sich insbesondere an, die Grenzen der Untersuchung festzulegen. Also sprich: Welche möglichen Untersuchungsgegenstände, Teilaspekte der Forschungsfrage, Prüfungskriterien usw. bleiben außer Betracht? Welche Prämissen werden gesetzt? Und warum?

Für etliche wissenschaftliche Ausarbeitungen ergibt sich somit unabhängig von ihrem Thema das Ordnungsschema:

A. Orientierung

I. Untersuchungsrelevanz

II. Untersuchungsfrage

III. Vorgehensweise

IV. Umfang, Grenzen und Prämissen

B. Prüfungsmaßstab

C. Untersuchung (Anwendung des Prüfungsmaßstabs auf den Untersuchungsgegenstand)

D. Befund

Schritt 2: Entwicklungsphase

Ist ein solches Grundgerüst einmal konzipiert, kann man es ohne weiteres mit relevanten Informationshappen aus dem Quellenstudium befüllen. Dabei sollte man beim Querlesen nicht nur relevante Original-Aussagen dokumentieren, sondern ebenso eigene Gedanken dazu (also zum Beispiel Zustimmung oder Ablehnung fremder Thesen und die Gründe hierfür). Im besten Fall speichert man solche Exzerpte jeweils in einer Zitiersoftware und platziert sie in Gestalt von Direktzitaten, Kurzzusammenfassungen und ersten Kommentaren direkt im jeweils passenden Abschnitt des anzufertigenden Dokuments.

Eine Zitiersoftware bietet den Vorteil, dass man per Mausklick sämtliche Informationsschnipsel mit Angabe der Fundstelle in einer Fußnote versehen kann. Das erspart bei der Ausformulierung, Nachweise erneut mühselig zusammenzusuchen und zu formatieren. Der primäre Mehrwert des Prozesses zeigt sich allerdings darin, dass das bloße ordnende Zusammenstellen von Wissenselementen in der abstrakten themenunabhängigen Grundstruktur eines Textes nach und nach von allein eine sinnvolle Detailgliederung nahelegt.

Hierzu kommt es bei der dargestellten Methode nahezu intuitiv. Denn je mehr Informationshappen in die groben Abschnitte des späteren Textes einsortiert werden, umso weiter steigt der Bedarf, diese wiederum untereinander in Beziehung zu setzen und zu ordnen. Dadurch lassen sich bereits während der Literaturrecherche Unterabschnitte und deren argumentative Struktur herausbilden. Die fortlaufende Verarbeitung der gesichteten Wissenselemente fügt sich so bereits in einer einzigen Recherchephase in die Form des Konzepts.

Indem verschiedene Quellen aufeinander reagieren und zudem weitere Fundstellen zitieren, ergeben sich außerdem schon bei der erstmaligen Sichtung weitere Rechercheobjekte. Und je weiter die relevanten Quellen offen gelegt und studiert werden, desto mehr fördert deren Einordnung in die Gliederung des Textes dessen Detailtiefe, Gedankengang und Gehalt. Kurzum: Bei dieser Vorgehensweise wandert der Blick des Autoren nicht mehr umständlich zwischen seinen Quellen und seinem eigenen Erzeugnis hin und her. Vielmehr betrachtet er Quelle für Quelle, die Oberfläche der Zitiersoftware und das wachsende Dokument seines Textes nebeneinander auf seinem Bildschirm oder – besser – seinen Bildschirmen. Sind alle Quellen einmal abschließend erfasst, muss der Autor die Informationshappen nur noch glätten, sodass sich die ohnehin geschaffene kohärente Gedankenabfolge auch im Lesefluss widerspiegelt.

Aus meiner eigenen Erfahrung beschleunigt diese nahtlose Verzahnung von Quellenexegese und Textgenese die Schreibarbeit signifikant. Meines Erachtens zeichnet neben der Tippgeschwindigkeit und dem elektronischen Datenformat gerade dieser zentrale Mehrwert digitales Schreiben aus.

Schritte 3 und 4: Korrekturschleifen

Auch digitales Schreiben gelangt natürlich nicht ohne Zusatzschritte zur Veredelung. Dass dafür zwei Lektoratsrunden eingeplant werden, hat sich scheinbar bereits in der Antike bewährt und bewährt sich meines Erachtens ebenso im 21. Jahrhundert. Fruchtbar ist es vor allem, in einem ersten Schritt den eigenen Text selbst zu lektorieren und anschließend das Feedback anderer einzuholen (Peer Review).

Weitere Überlegungen

Digitales Schreiben bietet das Potenzial zur zügigeren Texterstellung. Das deuten schon die hiesigen Bemerkungen an. Gleichfalls stellen die obigen Überlegungen klar, dass die Verwendung von Word statt Kugelschreiber nicht automatisch Effizienzgewinne verspricht. Jedenfalls keine, die über die eine bloße überlegene Tippgeschwindigkeit hinausgeht. Strukturelle Beschleunigungen des Erzeugungsprozesses verschafft digitales Schreiben erst, wenn der Autor mithilfe der nötigen technischen Mittel konsequent das Quellenstudium parallel und nicht mehr abwechselnd zur Textproduktion bewältigt.

Warum das so ist und wie digitales Schreiben möglichst gewinnbringend organisiert werden kann, dürfte schon aus dem bisherigen Artikel deutlich werden. Nichts gesagt ist damit freilich über weitere Chancen, die die Digitalisierung für die Texterzeugung mit sich bringt. Gemeint sind dabei beispielsweise Ansätze, gelungene Texte zu recyceln oder zu kombinieren. Bei Gelegenheit werde ich diesen Beitrag daher um entsprechende Ausführungen ergänzen oder einen weiteren Artikel hierzu hinzufügen.

Legal Tech News

DiRiSo im Interview – wie arbeitet das Unternehmen hinter dem Blog?

Posted by Jacob Weizmann on
DiRiSo im Interview – wie arbeitet das Unternehmen hinter dem Blog?

Auch wenn diese Seite der DiRiSo zugerechnet wird, berichten wir hier getreu unserem Blogkonzept kaum über deren Geschäftsaktivitäten. Dafür haben die Geschäftsführer kürzlich die DiRiSo im Interview vorgestellt. Und das gleich zweimal. Wer sich also dafür interessiert, was das Legal Tech Unternehmen hinter diesem Blog eigentlich genau tut, dem seien folgende beiden Artikel ans Herz gelegt, die die DiRiSo im Interview porträtieren.

Links

Einmal auf Startup Valley vom 4.12.2017.

Und einmal auf selbstaendigkeit.de vom 12.01.2018.

 

Legal Tech Szene

Wieso lohnt sich eine Legal Tech Karriere?

Posted by Christopher Wekel on
Wieso lohnt sich eine Legal Tech Karriere?

Ehe ich zum Thema Legal Tech Karriere komme, einige Infos zur Organisation des Blogs. Wer direkt erfahren möchte, wie ich die Titelfrage beantworte, überspringe bitte die nächste Sektion und starte direkt bei der zweiten.

Konzeption des Blogs

Regulär schreibt hier mein Freund Jacob Weizmann, während sich meine Wenigkeit mit unserem restlichen Team darum kümmert, das Legal Tech Unternehmen DiRiSo aufzubauen. Wir sind zwar Träger dieses Blogs, haben uns aber bewusst entschieden, die Berichterstattung hier weitgehend in die Hände von Jacob zu legen. Grund dafür ist, dass wir einen gewissen Balanceakt meistern wollen.

Beiträge zur Legal Technology aus der Innenperspektive

Um Leser mit interessantem Content zum Thema Legal Tech zu versorgen, halten wir es für unerlässlich, keine künstliche Trennlinie zwischen unserer Tätigkeit und unseren journalistischen Betrachtungen zur Thematik zu ziehen. Umgekehrt scheint es uns vielmehr so, dass gerade unsere Wasserstandsmeldungen aus dem Maschinenraum der Legal Technology ein wertvolles Format bilden, das es so an anderer Stelle noch nicht gibt. Wenn es um die Aktualität der News und den Abwechslungsreichtum des Contents geht, hat zum Beispiel sicherlich der Legal Tech Blog die Nase vorn. Aber als regelmäßiger Leser solcher Outlets geht es bei solchen Publikationen in erster Linie um eine möglichst umfassende Berichterstattung zum Herzensthema Legal Tech. Nur in Teilen verstehen sich entsprechende Blogs als Collage von Gedanken und Eindrücken der Branchenpioniere. Bei uns geht es um nichts anderes.

Außenperspektive als Korrektiv

Und doch melden wir uns selten selbst zu Wort, sondern bevorzugen, dass Jacob als langjähriger Vertrauter noch einmal mit einem gewissen Abstand zur Sache seinen Filter über unsere Eindrücke und Überlegungen legt. Zum einen begünstigt das die Neutralität und verhindert, dass wir hier zu sehr zu einer reinen Werbeveranstaltung abdriften. Das sollte nicht Sinn eines lesenswerten Blogs sein, aber als Gründer gerät man ja gerne ins Schwärmen über sein eigenes Unternehmen. Jacobs Filterfunktion sorgt dafür, dass solche Sentiments gar nicht erst die Leser zu langweilen drohen.

Außerdem hilft uns Jacobs Bemühung um diesen Blog noch in anderer Hinsicht. Er hat weniger Hemmschwellen als mein Companion Voss und ich, wenn es darum geht, die eine oder andere diskutable These in den Raum zu werfen. Wenn ich persönlich Texte verfasse, dann sind sie meist wissenschaftlicher Art – auch weil ich lieber schweige, als mich dem Vorwurf unzureichender Differenzierung oder Hintergrundrecherche auszusetzen.

Die Ausnahme

Nun ist es aber so, dass Jacob zurzeit stärker in seinem Beruf eingebunden ist und deswegen nicht so häufig schreiben kann, wie er möchte. Damit der Blog nicht verweist, springe ich für ihn ein – wohlwissend, dass das vom Konzept dieser Seite abweicht. Mit der Frage nach den Meriten einer Legal Tech Karriere habe ich mir gleichwohl ein Thema herausgesucht, dass sich auch für eine etwas abstraktere Betrachtung eignet. Ich hoffe, dass ich dadurch zumindest den Vorwurf der Befangenheit vermeide.

Was rechtfertigt eine Legal Tech Karriere?

Verkaufsargumente statt Appelle

Nun zum eigentlichen Thema. Karrieren im Bereich Legal Tech. Bisher gibt es zu diesem Thema vor allem einen Zugriff und der nimmt stillschweigend an: „Frag nicht, was Legal Tech für dich tun kann, sondern frag, was du für Legal Tech tun kannst.“ So verkündete etwa Kai Jacob von SAP auf der Bucerius Herbsttagung laut Legal Tech Blog: „Legal Tech braucht den Legal Engineer!“

„Schön“, denke ich mir da. Und was, wenn der potenzielle Legal Engineer darauf aber keine Lust hat? Was, wenn ihn das Feld Legal Tech nicht reizt? Dann helfen ihm auch Hype und Häppchen auf Legal Tech Events nicht. Stell dir vor, die Szene fragt, was du für die Legal Technology tun kannst, und keiner geht hin.

Es ist ein offenes Geheimnis, dass die IT-Branche händeringend um die hellsten Köpfe kämpft, dass sie laufend Verstärkung „braucht“. Wenn das Silicon Valley die restriktive Immigrationspolitik der U.S.-Administration anprangert, dann vermutlich nur einerseits wegen zuwiderlaufenden Grundüberzeugungen. Ansonsten übt sie Kritik wegen des ureigenen wirtschaftlichen Interesses an einem unbeschränkten Zugang zu weltweiten Talentpools. Worüber hingegen noch wenig geschrieben wurde, sind die Anreize, weswegen der IT-affine Nachwuchs ausgerechnet in die Legal Technology einsteigen sollte. Dabei braucht es hierfür allemal Gründe. Denn die Branche hat (noch) nicht so viel zu bieten, dass schon die bloßen harten Devisen in Arbeitsverträgen Informatiker und IT-begeisterte Spitzenjuristen hinter dem Ofen hervorlocken. Wo Google für ein Sommerpraktikum ein paar $10.000 aus dem Ärmel schüttelt, muss die Legal Tech Branche eher an Idealismus und Pioniergeist appellieren.

Dabei kann der junge Wirtschaftszweig meines Erachtens aus mancher Not eine Tugend machen und sich deutlich besser als bisher verkaufen.

Legal Tech Karriere als moderner cursus honorum

An der Schwelle zu einem technologiegetriebenen Wachstumsmarkt kann die Branche meines Erachtens mehr Verkaufsargumente mobilisieren als ein paar side-on benefits. Um das zu veranschaulichen, muss ich etwas in die Tiefe gehen und zweierlei erläutern. Einerseits muss ich mich etwas an den Alleinstellungsmerkmalen des Wirtschaftszweiges abarbeiten.

Um aber erst einmal festzustellen, wonach ich in Sachen Alleinstellungsmerkmal suche, lohnt sich die Rückschau zu jenen „paradiesischen“ Zuständen, die dereinst herrschten, als die Entscheidung für eine bestimmte Karriere noch aus gewissen evidenten Gründen nahe lag. Dazu will ich den Rückblick auf die römische Res Publica wagen, jedenfalls in der Gestalt, wie wir sie uns heute (romantisiert und verkürzt) vorstellen. Ich will darauf eingehen, wie die prädestinierte, erstrebenswerte Karriere zu einer Zeit aussah, als das Sozialgefüge noch wesentlicher einfacher gestrickt war und somit die Auswahl leicht fiel, wie man sein Leben vorzugsweise gestalten wollte (also als einer der männlichen römischen Adligen, der damals überhaupt in einen hinreichend hohen Stand geboren wurde, damit Geschichtsschreiber es für nötig erachteten, über sein Dasein zu berichten).

Soweit sich deren Lebensplanung und Wertesystem nachzeichnen lässt, geht man davon aus, dass wenn schon nicht ihr Handeln, so immerhin ihr Denken und Schreiben vom Ideal der „virtus“ bestimmt war. Und diese „virtus“ sollte man nicht vorschnell mit Tugend im Allgemeinen übersetzen. Denn was damals als tugendhaft, als nachahmenswert galt, kann man meines Wissens auf drei Grundsätze herunterbrechen: 1. Karriere beim Militär, idealerweise als erfolgreicher Feldherr, 2. Pietas gegenüber den Vorfahren, 3. Cursus honorum, Politik, Ämterlaufbahn.

Dass ausgerechnet diese drei Lebensziele hochgehalten wurden, kommt nicht von ungefähr. Vermutlich nicht bloß zufällig waren es damals zugleich die Bedingungen für das persönliche Vorankommen. Man kann sich gerade im Urteil über die Antike angesichts unserer äußerst dünnen Beweislage sehr schnell verrennen. Aber man braucht umgekehrt auch nicht Marx gelesen haben und historischer Materialist zu sein, um folgende These gut zu begründen.

Bei der antiken Gesellschaft haben wir es mit einem vorindustriellen Ständewesen zu tun. Darin waren zunächst einmal 95% der Bevölkerung zur Feld- und Handwerksarbeit verdammt. Die Annehmlichkeiten der Herrscherklasse waren stets nur den etablierten obersten Prozenten als vermögenden, vernetzten, militärisch gestützten Schicht beschieden. Und deren Macht beruhte vor allem auf dreierlei. Zum einen auf dem Nachlass der statistisch früh ablebenden Vorgängergeneration, deren Erbe zu sichern die nötige Pietas gewiss vereinfachte. Ein mondänes Überleben außerhalb der ertragsabwerfenden Latifundien des Pater Familias verlangt jedenfalls viel Fantasie. War das eigene Auskommen somit materiell abgepolstert, bildeten die institutionalisierte staatliche Macht qua Amt bzw. ein loyales Unterstützernetzwerk und jenseits davon die blanke Gewalt loyaler Söldner das erweiterte Rückgrat einer einflussreichen, gesicherten Existenz. Otium.

So einfach ist das heute mit dem Tugendhaften nicht mehr (zum Glück). So universell erstrebenswert wird gewiss kein Karrierepfad mehr beurteilt und schon gar nicht einer nach dem Geschmack der Römer. Pietas gegenüber den Eltern ist charmant, hilft der Karriere aber allenfalls dort, wo das Elternhaus vermögend ist. Und selbst hier leistet notfalls auch ohne Pietas der Pflichtteil einiges. Seinen Status als Hort der gesellschaftlichen Elite hat das Militär spätestens in der Bundesrepublik eingebüßt. Und die Politik? Das ist ein Thema für sich. Vorsichtig formuliert versteht es sich aber wahrscheinlich, dass intellektuelles Schwergewicht und fachliche Befähigung für das Vorankommen im parteipolitischen Gefüge eine eher sekundäre Rolle spielen. Gefragt sind stattdessen zumeist andere Qualitäten. Wem diese fehlen, der hat es mit einer politischen Karriere schwer. So hat es unlängst auch ein Artikel im Cicero eindrucksvoll diagnostiziert.

Wo also suchen motivierte Köpfe ihr berufliches Glück, wenn weder Erben noch ein politischer Aufstieg in Betracht kommen? Eine Legal Tech Karriere bietet sich hier gleich aus mehreren Gründen an.

Das liegt zum einen daran, dass die Legal Technology das Potenzial hat, einen immensen Mehrwert für das Gemeinwohl zu stiften. Studien gehen davon aus, dass auch in der Bundesrepublik bis zu 70% der Bevölkerung ein Zugang zu effektivem Rechtsschutz fehlt. Das liegt vor allem daran, dass dessen Preis im Missverhältnis zu Vorteilen der Rechtsverfolgung und dem Budget der Betroffenen stehen. Gelingt es der Legal Technology, durch Automatisierung die Kosten von Rechtsdienstleistungen strukturell zu mindern, wäre dies allein ein handfester Gewinn für die Rechtsstaatlichkeit und letztlich für die Lebensqualität. Technologie übt insoweit verständlicherweise eine ungeheure Faszination aus. Sowohl in ihrer wissenschaftlichen Erforschung als auch in ihrer praktischen Anwendung.

Weniger idealistisch, aber ebenso entscheidend spricht für eine Legal Tech Karriere, dass sich der Markt für juristische IT-Lösungen noch nicht konsolidiert hat. Das trifft nur auf wenige heute schon erschlossene Branchen zu. Gleichzeitig macht es eine erfolgreiche Unternehmensgründung realistischer als in den meisten anderen Sparten, auch in solchen der digitalen Wirtschaft. Umgekehrt braucht sich selbst der talentierteste Informatiker kaum Hoffnungen mehr zu machen, beispielsweise eine ernsthafte Alternative zu den Betriebssystemen von Microsoft, Apple und Google am Markt zu etablieren. Wie Jacob einmal an anderer Stelle schrieb: eine Legal Tech Karriere ist ein Ausritt in den wilden Westen der Digitalisierung – mit Aussicht auf einen Goldfund, der ansonsten schon daran scheitern kann, dass wenige Minenbetreiber sämtliche Schürfrechte auf sich vereinigen

Sowohl die Potenziale der einsetzbaren Technologien als auch die Gewinnaussichten eines Legal Tech Unternehmens sind bei alledem kein Garant, dass entsprechende Bemühungen von Erfolg gekrönt sind. Gemessen an den Erfahrungen anderer Branchen dürfte ein Großteil der jetzt gegründeten Startups wieder vom Markt verschwinden. Das Risiko sollte man beherzigen, ehe man sich für eine Legal Tech Karriere entscheidet. Kann man eine Niederlage aber notfalls verkraften, sprechen die Chancen des Wirtschaftszweiges zumindest für einen Versuch. Und anders als im antiken Rom kommt in deren Genuss nicht bloß eine kleine privilegierte Schicht. Der neue Markt verheißt ambitionierten Köpfen aus allen Ecken der Gesellschaft die geringe, aber relativ faire Chance, seine Lebenszeit in ein wirklich sinnstiftendes Projekt zu investieren und dabei im Idealfall für sich und die Gesellschaft handfeste Vorteile zu ernten. Deshalb lohnt sich eine Legal Tech Karriere.

Legal Tech News

Aufsichtsbehörde für Legal Tech angekündigt: Was erwartet uns?

Posted by Jacob Weizmann on
Aufsichtsbehörde für Legal Tech angekündigt: Was erwartet uns?

Diese Woche erklärte Justizsenator Dirk Behrendt im Handelsblatt, die Justizministerkonferenz erwäge, eine Aufsichtsbehörde für Legal Tech zu schaffen. Der Aufschrei aus der Legal Tech Szene ließ nicht lange auf sich warten. Versiert konterten Fiedler, Grupp und Schimang aus Frankfurt. Auch Legal Tech Papst Markus Hartung von der Bucerius Law School brachte sein Unverständnis auf Twitter zum Ausdruck.

Stand der Diskussion über die Aufsichtsbehörde für Legal Tech

Lagerbildung

Die Fronten sind damit geklärt. Ich will es einmal etwas karikiert ausdrücken. Auf der einen Seite stehen technophobe Handakten-Anwälte und Großkanzlei-Veteranen mit Liebe fürs Diktiergerät, aber wenig Sinn für Automatisierung, die ihnen am Ende noch ihre 500 € Stundensätze fürs Paraphrasieren aus Gesetzeskommentaren kaputtmacht. Der Tendenz nach zählen zu ihrer Gruppe auch diejenigen, die die Gesetze schreiben, wenn ein Ministerium das nicht selbst schafft. Man lehnt sich insofern nicht weit aus dem Fenster, wenn man feststellt, dass diese Gruppe gewisse Beziehungen zur Politik unterhält. Wie weit sie reichen, will ich nicht beurteilen. Mit ziemlicher Sicherheit kann man allerdings sagen, dass solche Beziehungen immerhin vorhanden sind.

Nicht behaupten lässt sich das im Gegensatz dazu vom Verhältnis zwischen Politik und der Legal Tech Szene. Sie steht mit ihrem Innovationsoptimismus konventionellen Strukturen der Anwaltschaft gegenüber. In Deutschland dürfte sich der Jahresumsatz der gesamten Branche allerdings noch deutlich unter 100 Millionen Euro bewegen. Für die Regierung einer Volkswirtschaft mit einem BIP von 3,14 Milliarden Euro ist das zu unerheblich, als dass sie regelmäßig die Nähe zu Exponenten dieses Marktes sucht.

Meinungen

Was sich da also in dem Streit um die Aufsichtsbehörde für Legal Tech andeutet, ist eine Auseinandersetzung, die bildgewaltige Assoziationen weckt. Zumindest bei den Diskussionsteilnehmern auf Twitter. Assoziationen zum Kampf von David gegen Goliath, von Uber gegen die Taxi-Industrie, von Airbnb gegen die Hotelketten. Das hat die Legal Tech Szene im Kopf und ich gebe zu, das waren auch meine ersten Gedanken.

Genauso vorhersehbar und plump fiel die Reaktion der mitdebattierenden Handakten-Anwälte aus. Schließlich würde doch jede Branche reguliert und schließlich dürften diese Legal Tech Anarchos da keine Ausnahme machen. Da könnt ja jeder kommen.

Einzelne warnten dann noch vor der Überreaktion und gingen davon aus, Justizsenator Behrendt und die regulierungsaffinen konventionellen Juristen würden den digitalen Markt einfach falsch einschätzen. Schließlich sei es doch so, dass Legal Tech ohnehin nur ersetzt, wofür es heute keine Anwälte braucht. Eine These, die sogar das Gütesiegel von Herrn Hartung höchstselbst beanspruchen darf. Niemand nehme also jemand anderem etwas weg, keiner müsse Konkurrenz befürchten, der Konflikt beruhe auf einem einzigen Missverständnis.

Reflexion

Mit ein bisschen Abstand gewinnt die Diskussion mehr Tiefe. Ich behaupte, die Thesen aller drei erwähnten Positionen sind auf ihre Weise falsch.

Die Mär von der friedlichen Koexistenz

Die Auffassung, Legal Tech und konventionelle Anwälte würden nicht konkurrieren, hat den Charme, dass sie niemandem auf die Füße tritt. Jeder kann sich darin wiederfinden. Eine Aufsichtsbehörde für Legal Tech wäre obsolet. Stattdessen kooperieren alle harmonisch.

Genau deshalb befürchte ich aber, dass hier eher der Wunsch Vater des Gedankens ist. Denn Legal Tech löst bei bestimmten Arbeitsschritten schon heute Anwälte ab. Und das eher mit zunehmender als mit abnehmender Tendenz. Beispiel Due Diligence. Man kann vor allem in den USA seit der Finanzkrise beobachten, wie Kanzleien die Durchsicht von Verträgen aus menschlichen Händen nehmen und einer E-Discovery-Software überantworten. Die verlangt keine Lohnnebenkosten, keine Bürofläche, keinen bezahlten Jahresurlaub. Die Software ist nie krank und sie arbeitet Verträge gründlicher und schneller durch als jede menschliche Arbeitskraft.

Das Gegenargument der Koexistenztheoretiker ist natürlich bekannt. Die Due Diligence Anwälte erledigen dafür künftig einfach nur noch die Schokoladenseite des Anwaltsjobs. Empathie zeigen, mit Menschen arbeiten, Strategien entwerfen, so in etwa die Vision. Das scheint mir aber zu sehr vom Ergebnis her gedacht und weniger aus tatsächlichen ökonomischen Erwägungen. Wer eine Kanzlei mit Gewinnerzielungsabsicht führt, setzt die freigewordenen Due Diligence Anwälte nicht alle zur Förderung der Kundenbeziehung bei Kaffee und Kuchen ein. Und er zahlt ihnen auch nicht das gleiche Gehalt für weniger Arbeit. Realistischer ist, dass er ihnen die Arbeitszeit und den Lohn kürzt oder sie ganz entlässt.

Die so ge-„offboardeten“ Juristen können sich dann natürlich immer noch auf eine der Stellen bewerben, die die Software entwickeln, die sie selbst wegautomatisiert hat. Aber ist das dann nicht schon wieder Legal Tech? Lautete die These nicht, dass Legal Tech genug von der konventionellen Anwaltstätigkeit übrig lässt, dass alle wie gehabt in diesem Bereich weiterarbeiten können?

Wachsende Konkurrenz

Übrigens: Dieses Phänomen der direkten Konkurrenz von klassischer Anwälte und Legal Tech wird nicht bei E-Discovery stehenbleiben. Dass momentan Legal Tech Unternehmen wie Ersatz-Pilot vorwiegend leicht automatisierbare Massenverfahren automatisieren, liegt nicht etwa daran, dass rechtliche Prüfungen ansonsten nicht rentabel automatisierbar sind. Der Grund dürfte vor allem darin bestehen, dass Märkte mit schematischen Standardfällen sich für den Einstieg so gut eignen. Für entsprechende Algorithmen genügt auch das bisher dürftige Startkapital.

Aber je mehr Entwicklungsaufwand ein Legal Tech Unternehmen stemmen kann, desto eher geraten daneben juristische Prüfungen aus der konventionellen anwaltlichen Praxis in den Fokus. Ein interessantes Beispiel ist insofern Abfindungsheld, ein Startup, das sich an gekündigte Arbeitnehmer richtet, die alternativ einen Anwalt für Arbeitsrecht beauftragen könnten.

Niemand hat die Absicht, überkommene Geschäftsmodelle zu protegieren

Verbraucherschutz?

Es wäre vor diesem Hintergrund sehr nachvollziehbar, wollten Anwälte wie vor ihnen etwa die Taxi- und die Hotelindustrie Regulierungen nutzen, um die digitale Konkurrenz auszubremsen. Aber vielleicht ist das ja wirklich nicht der Hauptimpuls hinter der jetzt angedachten Aufsichtsbehörde für Legal Tech. Vielleicht handeln die verantwortlichen Politiker nur aus dem Bedürfnis heraus, einer jungen Industrie Leitplanken zu setzen, damit sie keine öffentliche Interessen wie den Verbraucherschutz gefährdet. Solche Erwägungen führte sogar Justizsenator Behrendt an, als er die Risiken von Flightright und Co. als Begründung für die Aufsichtsbehörde anführte.

Und stimmt es denn nicht, dass die Fluggastportale sich für ihre Dienste eine erhebliche Marge von den Entschädigungen einbehalten, die sie für ihre Kunden beitreiben? Wäre es nicht gerechter, Gerichte würden Fluggästen den vollständigen Betrag zusprechen?

Ja das wäre es. Aber dann müssten diese Fluggäste dafür selbstständig vor Gericht ziehen, ihre Entschädigung allein durchsetzen und in Vorleistung treten. Das ist nicht jedermanns Sache und gerade deswegen existieren die Fluggastportale. Es beruht also auf dem freien Entschluss der Verbraucher, sich für einen der Fluggastentschädiger zu entscheiden. Sie dabei zu reglementieren, hieße sehr bald, Verbraucher vor sich selbst zu schützen.

Oder Protektionismus?

Das gilt erst recht, weil sich Verbraucher vor allem über digitale Produkte transparenter denn je mithilfe anderer Kundenbewertungen informieren können. Wo genau die Aufsichtsbehörde darüber hinaus einen Beitrag zum Verbraucherschutz leisten will, erschließt sich mir nicht. Ich verstehe deshalb, dass Legal Tech Unternehmen befürchten, es gehe bei der angedachten Aufsichtsbehörde für Legal Tech nur beiläufig um Verbraucher- und primär um Konkurrenzschutz.

Denn die Hauptleidtragenden der Legal Technology sind unbestreitbar konventionelle Anwälte. Ihnen, die sie mühsam nach über sieben Jahren zwei Examina erworben haben, wollen nun ein paar juppige Startups den Rang ablaufen?! Das kann ja wohl nicht angehen.

Es braucht keine Verschwörungstheorien, um zu mutmaßen, dass nicht zuletzt dieser Geist aus den angekündigten Regulierungen atmet. Insbesondere, weil die mit der Formulierung der Vorschriften betrauten Referenten vermutlich selbst Juristen sind.

Aufsichtsbehörde für Legal Tech: nicht Goliath, sondern ein Zyklop

Trotzdem fällt mein Fazit optimistisch aus. Aus folgender Überlegung:

Gemessen an der Marktkapitalisierung beschreibt zwar am ehesten der Vergleich zwischen David und Goliath das bevorstehende Kräftemessen zwischen Legal Tech und konventioneller Anwaltschaft. So mächtig wie Goliath ist letztere dann aber doch nicht.

Denn es kommt nicht von ungefähr, dass die Rechtspflege eine der letzten Branchen ist, die sich digitalisiert. Die Mühlen der juristischen Zunft mahlen langsam. Und es wäre eigenartig, wenn ausgerechnet die innovationsaversen Kräfte agiler den Fortschritt verhindern, als IT-affine Unternehmen ihn vorantreiben. Ins Bild passt insofern, dass die Justizministerkonferenz typischerweise erst nach zweijähriger Beratung eine Handlungsempfehlung vorlegt. Es steht also nicht zu befürchten, dass der Legal Tech Industrie bereits allzu schnell ein Riegel vorgeschoben wird.

Und selbst wenn es überhaupt dazu kommt, hinkt der Vergleich zur Reglementierung von Uber und Airbnb noch an einem weiteren Punkt. Das Produkt Rechtsberatung ist noch weniger greifbar als das Produkt Unterkunfts- oder Transportvermittlung. Automatische Rechtsdienstleistungen können nahezu ortsunabhängig erbracht werden.

Und mehr noch: Genau wie auf der Seite der Regulierer studierte Experten der Regeln sitzen, sitzen typischerweise auf der Seite der Regulierten studierte Meister der Ausnahmen. Flightright leistet unter § 2 RDG Rechtsdienstleistungen für andere und bedürfte einer Anwaltszulassung? Schön, dann kauft Ersatz-Pilot eben die Forderungen selbst und leistet zulässige Rechtsdienstleistungen für sich selbst. Oder ein Fluggastentschädiger wickelt seine Fälle über eine Anwalts-GmbH ab. Es besteht wenig Zweifel, dass Juristen dieses Katz- und Mausspiel perfektionieren werden.

Was mich hoffnungsvoll stimmt, ist deshalb die Vermutung, dass Legal Tech es im anstehenden Konkurrenzkampf vermutlich nicht mit Goliath, sondern mit einem Zyklopen zu tun hat. Mächtig, aber zu ungelenk, um agile digitale Nachwuchsunternehmen ernsthaft aus der Bahn zu werfen.